Unser erster Kritiker

Ja, der einzig wahre Rasenballsport ist nicht bei jedem Fan beliebt. Das 0:1 in Ingolstadt war ein Fest für alle, die unserem RBL die Daumen nicht drücken. „Rolex“ Kalle Rummenigge gratulierte dem FCI zur konzerninternen Leistungserfüllung und kündigte die Lieferung einiger schmackhafter „Udo Honig“-Würstchen an. Vorsprung durch Technik! Oder so ähnlich.

Wir schließen uns den Glückwünschen an den FCI an, mit Würstchen können wir leider nicht dienen. Aber zurück zu den „Nicht-Daumendrückern“. Als Fanseite des Rasenballsports kommt man nicht umhin, sich ab und an mit den „Protesten“ der Bewahrer reiner Fußballkultur zu beschäftigen. Heute morgen um 5:35 Uhr war es soweit: die erste Hassmail blinkte in unserem Postfach auf. Grund genug, sich mit dem Phänomen der RB-Kritik auseinanderzusetzen.

Fritzle Saitenbacher [Name durch die Redaktion geändert] ist der glückliche Sieger des Wettlaufs um den ersten Hassbrief an die Schwabenballisten. Wir gratulieren herzlich zu einem Meisterwerk aus Leidenschaft, Weitblick und argumentativer Schärfe. Die Siegermail sah wie folgt aus:

Ja, lieber Fritzle, wir betreiben diese Seite ernsthaft, kommen aus dem Ländle und drücken Rasenballsport Leipzig die Daumen. Nein, wir werden weder die IG überdenken, nein, wir werden uns nicht auflösen, ja, wir haben uns mit RB auseinandergesetzt und trotzdem feuern wir unseren Lieblingsverein mit voller Kraft und voller Freude an.

Fritzle steht sinnbildlich für viele Kritiker an dem Verein Rasenballsport Leipzig, seinem Hauptsponsor, der Investor und faktisch Inhaber ist, sowie deren Fans. Bis auf wenige orthographische Mängel und kleine grammatikalische Schwächen konnte zumindest das Sprachbild überzeugen. Hier ist Fritzle vielen Kritikern voraus. Inhaltlich fehlt es hier ein wenig an Substanz und lässt leider Parallelen zu manch anderem besorgten Bürger zu. Im Einzelnen:

>>> Pauschalierung <<<

Es fällt auf, dass sehr häufig versucht wird, Personen über einen Kamm zu scheren, als ob jeder RB-Fan gleich ist, gleich denkt, gleich fühlt [ach stimmt: ein „Kunde“ fühlt nicht], gleich handelt. Der Grund seinen Verein zu unterstützen, ist immer individuell geprägt. Jedes unserer Mitglieder hat einen anderen Weg zu RB gefunden, jeder hat andere Schwerpunkte, die ihm wichtig sind. Und genauso individuell, wie die Gründe dafür sind, Rasenballsport Leipzig zu unterstützen, so individuell ist die Entscheidung selbst. Jeder Schwabe darf selbst entscheiden, welchem Verein er die Daumen drückt. Und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen!

>>> Fehlende Selbstbetroffenheit <<<

„Das tut mir in erster Linie für euch Leid aber noch viel mehr für die Fans, die ihre Liebe, Leidenschaft, Traditionen und den Stolz, Fan eines wahren Fussballvereins zu sein, über Generationen hinweg an den Nachwuchs weiter geben und wahre Werte und Gefühle vermitteln“.

Klingt toll. Ehrlich. Ich finde Fans super, die mit Liebe und Leidenschaft Traditionen pflegen und über Generationen hinweg an den Nachwuchs wahre Werte weitergeben. Ich weiß nicht, ob es die gleichen Werte sind [dazu später mehr], aber der Ansatzpunkt ist gut. Es zeugt allerdings von Arroganz zu glauben, genau das würde bei uns nicht passieren – zum einen im Kleinen, sprich in unserem Fanclub, wo Mütter und Väter an die Kinder etwas weitergeben und gemeinsam einem Hobby nachgehen, zum anderen im Großen, der gesamten RB-Fanszene, vorwiegend in Leipzig, wo alle Generationen sich mit einem Verein identifizieren können, der eben nicht für „Tracht und Prügel“, nicht für politische Instrumentalisierung und nicht für Abgrenzung gegenüber „Feinden“ steht, sondern für das, was eigentlich im Vordergrund stehen sollte: Sportlicher Wettkampf. Es muss Dir um uns nicht Leid tun.

Es muss Dir aber auch nicht um die anderen Fans Leid tun. Welchen Nachteil haben denn die von Dir zitierten Fans, wenn wir Rasenballsport Leipzig unterstützen? Richtig, gar keinen. Niemand wird gehindert, einen anderen Verein zu unterstützen. Wir haben Respekt vor dem Fandasein der Anhänger anderer Vereine. Gerne darf man gegenseitig sticheln, sportliche Rivalität ist super, aber niemandem wird etwas weggenommen, wenn wir Rasenballsport Leipzig unterstützen.

>>> Hass <<<

Lieber Fritzle, ich hoffe von ganzem Herzen, dass Du nicht der Fritzle Saitenbacher vom „VfB Fanclub Saitenbach“ bist. Als ein dem VfB gegenüber sehr positiv eingestellter Mensch, der die integrative Arbeit dieses Vereins für unsere Region unheimlich wertschätzt, hoffe ich sehr, dass diese Zeilen nicht vom Vorsitzenden dieses Fanclubs stammen. „Wahre Werte“ weitergeben, davon hast Du geschrieben. Nun hat jeder seine eigene Definition von Werten. Aber wenn ich lese: „gespickt mit abgrundtiefem Hass“, dann scheinen Deine Werte mit denen unserer christlich-abendländischen Wertegemeinschaft nicht ganz in Übereinstimmung zu stehen. Wir sehen es so: Hass hat auf und neben dem Fußballplatz, vor, während und nach einem Spiel nichts verloren! Hass setzt nie etwas Positives frei, es verengt den Blick und trübt die Sinne. Und vermutlich liegt genau da das Problem. Wer sich von Hass leiten lässt, den Gegner als „Feind“ betrachtet, der sieht in ihm nicht den Menschen und kann und will nicht wahrnehmen, was den anderen wirklich bewegt.

Als Du von „freier Meinungsäußerung“ schriebst, kamen mir spontan die „besorgten Bürger“ in den Sinn. „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“, u.s.w. Haben wir Dir verboten, Deine Meinung kund zu tun? Im Gegenteil, wir bieten Dir sogar eine Plattform. Mit Meinungsfreiheit – die übrigens der Staat als Adressat der Grundrechte gewähren muss und nicht Private – geht auch Verantwortung einher, Verantwortung mit den eingeräumten Rechten gut umzugehen und nicht wie manch besorgte Bürger auf die Straße zu gehen, um gegen nicht genehme Gruppen aufzustacheln.

Ich hoffe sehr, dass Du und Dein Umfeld diese Werte nicht an Euren Nachwuchs weitergebt. Ich lade Dich gerne ein, Dir mal ein eigenes Bild von den hier aktiven Menschen zu machen. Vielleicht wird es Deine Augen öffnen. Wir sind vielleicht anders als Du, aber Andersartigkeit kann auch bereichern.

Schwabenballisten sind traditionell anders – und des g’hört au so!

Anmerkung: in der ersten Version dieses Beitrages haben wir „Fritzles“ Echtnamen verwendet. „Fritzle“ hat uns zwischenzeitlich eine sehr vernünftige E-Mail geschrieben und einen konstruktiven Gesprächsfaden aufgenommen. Diese natürlich pointierte Auseinandersetzung mit seiner Kritik haben wir fairerweise anonymisiert, denn in der Sache soll es nicht um Personen, sondern die Art und Weise der Kritik an RB und uns gehen.

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