Auf nach Porto oder wie ein Versprechen schneller eingelöst wurde, als gedacht

2 Mitglieder der Schwabenballisten erleben ihr erstes Champions League Spiel im Stadion in Porto. Zusammen mit einem kurzen Spielbericht könnte man es auch recht kurz halten. Aber wie sollte es auch anders sein – es war was echt Besonderes.

Um den richtigen Einstieg in die Reise zu finden, muss ich etwas zurückblicken.

Wir haben den 10.05.2014.

RB Leipzig ist noch 9 Tage entfernt vom 5. Geburtstag. Der ganze Tross der Leipziger gastiert auf der Waldau in Stuttgart. Wir haben das Spiel gegen die Stuttgarter Kickers und der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist sicher. Während des Spiels gab es neben der Entscheidung, die Entwicklung von RB als Fan zu begleiten ein kleines Versprechen.

Am Ende eines schönen Spiels schaut mich mein kleiner Sohn an und fragt:

„Papa, wenn RB irgendwann mal CL in Madrid oder Barcelona spielt, dann fliegen wir doch hin, oder?“

Tja, nicht ahnend, wie schnell das eintreten könnte, kam mir nur ein „Davon kannst Du ausgehen. Das machen wir zwei auf jeden Fall – versprochen!“

Nicht mal dreieinhalb Jahre später machen wir uns also auf den Weg, die Champions League auf der Iberischen Halbinsel als Fans von RB Leipzig zu begleiten. Es wurde nicht Barcelona oder Madrid, es wurde Porto. Das zweite CL-Auswärtsspiel von RB überhaupt.

Ich muss jetzt nicht erwähnen, dass dem Sohn es im Jubel über die Karten für das Spiel reichlich egal war, dass er eigentlich ein Spiel in Spanien wollte. Naja, man muss ja nicht kleinlich sein. 😉

So oder so. Die Reise wurde geplant. Eine Fanreise, veranstaltet durch RB, kam aus Kostengründen definitiv nicht in Frage. 600€ pro Kopf? Geht’s eigentlich noch?

Am Mittwoch den 01.11. also mittags runter nach Porto. Am Flughafen Stuttgart dann die erste Überraschung: Neben einigen Leipzigern mit Zwischenstopp trafen wir auf eine kleine Truppe Stuttgarter, mit dem gleichen Ziel. Falls die das hier lesen: Meldet Euch!

In Porto angekommen mit der Metro zum Stadion, kurz das Hotel besucht und ab ins Stadion. Ein ziemlich schönes Ding. Ein bisschen viel Beton drumrum, aber wirklich hübsch. Nach dem obligatorischen Erwerb eines Begegnungsschals im Fanshop des FC Porto, einem Bierchen im Fanlokal mit dem Spiel in der Youth League ging es direkt wieder raus – Atmosphäre aufsaugen.

Mal abgesehen davon, dass eineinhalb Stunden vor dem Spiel sich Schwarzmarkthändler und Bierverkäufer die Beine in den Bauch stehen, kam es zu ein paar netten Gesprächen mit Leipzigern und Einwohnern aus Porto. Insgesamt sehr viel Interesse von portugiesischer Seite. Das Leipzig 600.000 Einwohner hat, kam für alle überraschend.

Irgendwann ging es mit sehr viel Polizei zum Eingang. Mit Kind ging’s schneller. Die Eingangskontrolle war sehr intensiv – mehr physische Zuneigung bekommt ein Kobe-Steak bei der Zubereitung auch nicht.

Drinnen kamen dann auch irgendwann die Portugiesen. Laut war allerdings nur der Stadionsprecher. So richtig südländisch halt. Wenn die Portugiesen mal sangen, war das sehr melodisch. Klang gut.

Über das Spiel will ich nichts schreiben. Es ist alles gesagt. Es war schlecht von Leipziger Seite. Die Spieler vom FC Porte wirkten in den Zweikämpfen immer doppelt so groß, 3x so schwer und 4x so schnell. Verdiente Niederlage halt.

Für den Sohn war alles so aufregend, dass er sich im Bahnhof auf die Schuhe eines voll bewaffneten Polizisten übergab. Der nahm das extrem gelassen – wir alle waren ja wirklich nette Auswärtsfans!

Die eigentliche Reise begann allerdings am nächsten Tag.

Geplant war der Flug über Madrid nach Stuttgart. Das sollte dank Iberia allerdings nicht mal im Ansatz funktionieren.

Nach dem Check-In kurz noch gefrühstückt und dann ab zum Gate. Ab diesem Zeitpunkt reden wir nicht mehr über die Zeit. Irgendwann durften wir in die Busse zum Flugzeug. Bei Regen. Woran wir das erkannten? Das Wasser lief durch einen etwa 70cm langen Riss im Dach. Kategorie „Sehr schwierig“.

Im Flugzeug – einem schmalen Regionaljet – durften wir noch 60 Minuten einfach nur rumsitzen. Die Rollstühle von Mitgliedern einer spanischen Nationalmannschaft (vermutlich Boule) passten nicht in den Laderaum. Ziemlich viel Aufregung – wenig Bewegung. Mit knapp 2h Verspätung ging es los und der Anschlussflug war damit sehr knapp erreichbar. Der Versuch, die Crew zu überzeugen, in Madrid Bescheid zu geben scheiterte an sprachlichen Herausforderungen – die sprachen schlicht kaum Englisch! Das war schon schräg.

In Madrid angekommen durften wir nach einem Sprint über einen knappen halben Kilometer durch den Flughafen zusehen, wie sich das Gate schloss. Die Boarding Crew konnte nicht überzeugt werden, das Ding wieder zu öffnen. Als Alles definitiv durch war, tauchten weitere 20 Fluggäste am Gate auf. Ab diesem Punkt war der Crew klar, dass sie gerade einen ziemlich teuren Fehler begangen hatten. Die daraus resultierenden Umbuchungen für die Übernachtung in einem Hotel direkt am Trainingsgelände von Real Madrid und die Flüge mit Lufthansa und Co. gingen ordentlich ins Geld. Da wir eh nicht mehr vernünftig nach Stuttgart gekommen wären, durften wir direkt nach Berlin umbuchen. Den Junior freute es und er unterrichtete seine Schulkameraden über jeden Schritt der Reise. Die waren anfangs ein wenig ungläubig, aber er konnte sie ja mit ausreichend Bildmaterial versorgen.

Die Übernachtung war fantastisch – Getränke und Essen wurden von Iberia übernommen. Wir konnten uns entspannen. Wir nutzten die Zeit und ergatterten noch 2 der letzten Karten für das Heimspiel gegen Hannover 96.

Am nächsten Morgen zu nachtschlafender Zeit zum Flughafen und dann mit einem wirklich alten Airbus nach Berlin – mir dröhnen heute noch die Ohren. In Deutschland war dann wieder alles halbwegs normal bis auf den Umstand, dass wir rein klamottentechnisch irgendwie nur auf Donnerstag eingerichtet waren ;).

In Leipzig am Samstag dann ein wirklich schönes Spiel gesehen, viele Bekannte getroffen, schön gefeiert. Wir haben es genossen.

Am Sonntag mit der Bahn zurück – die Sachen waren mittlerweile gewaschen. In Mannheim dann die wirklich letzte unerwartete Situation. Wir stehen da so rum und ich war etwas erstaunt, dass auch in der ersten Klasse die Leute im Gang standen. Die Erklärung: Vor uns war wohl ein Zug liegengeblieben. Die Fahrgäste mussten also wechseln. Nach etwa 15 Minuten eine Durchsage, die ich wirklich nicht mehr vergessen werde:

„Liebe Fahrgäste. Unser Zug erhält von der Leitstelle keine Abfahrerlaubnis, weil wir mit 210% überladen sind. Wir bitten die Fahrgäste an den Türen und in den Gängen den Zug zu verlassen. Jeder, der den Zug verlässt erhält sofort an der Information 25€ in bar.“

Nach weitern 10 Minuten und mit freundlicher Unterstützung der DB Sicherheit konnte der Zug geräumt werden. Das war echt komisch.

Das war also unser erster Ausflug auf das internationale Parkett. Wenig Fußball, viel Kultur, viel gesehen, viel gereist. Ich bin sehr dankbar, dass ich das alles zusammen mit RB und vielen tollen Fußballfans erleben konnte. Der Junior spricht heute noch vom Erlebten. Für beide unvergesslich.

Bruscht(ring) raus fürs „Derby“

Seit wir Schwaben uns im Zeichen des einzig wahren Rasenballsports zusammengefunden haben, fiebern wir diesem Tag entgegen. Am Samstag ist es endlich soweit, unsere Rasenballer spielen gegen den „schwäbischen Rivalen“ VfB Stuttgart. Ein besonderes Spiel auch deshalb, weil wir unisono den VfB für seine tolle Arbeit in der Region und die Integrationskraft schätzen und einige neben RB-Fans auch veritable VfB-Fans sind.

Kann man zwei Herren dienen? Man kann, zumindest sehen es die „Schwabenballisten“ so, denn Begeisterung für unsere Leipziger Jungs schließt Begeisterung für andere Teams nicht aus. Wir sehen uns in diesem Zusammenhang als Überwindung verengter Strukturen, die nur das „Wir gegen die“ kennt.

Am Samstag also Leipzig gegen Stuttgart – und mithin die Frage, wieviel VfB denn im Leipziger Emporkömmling steckt. Zahlreiche Spieler haben eine VfB-Vergangenheit, allen voran Topstürmer Timo Werner, aber eben auch Philipp Köhn oder Marvin Compper, ganz zu schweigen von Ehemaligen wie Rani Khedira oder „Jo“ Kimmich. Noch wichtiger vielleicht das Masterbrain im Hintergrund, Ralf Rangnick, und sein Team um schwäbische Tüftler wie Frieder Schrof, Helmut Groß und den leider in dieser Woche viel zu früh verstorbenen Thomas Albeck.

Thomas Albeck soll in diesem Zusammenhang nochmals besonders gedacht werden – ein großartiger Nachwuchstrainer, der nicht nur zahlreiche Nationalspieler geformt hat, sondern auch wichtige Strukturen mitbereitet hat, von denen der deutsche Fußball heute profitiert. Danke, Thomas, wir werden Dir ein ehrendes Andenken bewahren.

Zurück zum Thema: der schwäbische Einfluss auf RBL ist groß, der Schwabe ist sozusagen der eigentliche Geburtshelfer des Leipziger Aufschwungs. Umgekehrt steckt im VfB aber auch in gewissem Maße Leipzig, weniger personell als von der Grundausrichtung her. Traut man den Worten des VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich, so hat der VfB 2.0 durchaus Anleihen bei den Rasenballsportlern. Nach dem Abstieg wurde konsequent auf junge, entwicklungsfähige Spieler gebaut, mit Hannes Wolf ein dazu passender Trainer verpflichtet. Ziel ist es, im Nachwuchsbereich deutschlandweit wieder die Nummer 1 zu werden, wobei man ähnlich wie Ralf Rangnick bei qualifiziertem Personal ansetzen möchte.

Es könnte mithin harmonisch sein, wenn man den „Nebengeräuschen“ nicht zuviel Raum zugesteht. Die Stellungnahme des „Schwabensturms“ unter der Woche hat zwar für  Erheiterung gesorgt, aber mehr Raum gebührt den Extremisten nicht. Interessanter wäre da ein kleines „Recap“ zu unserem „ersten Kritiker“, den wir etwas generalisierend „Fritzle Saitenbacher“ genannt haben.  Ein Kennenlernen im „Real Life“ steht noch aus, es wäre interessant, was unser Kritiker heute über uns Anhänger des einzig wahren Rasenballsports denkt und ob sich manch ein Vorurteil im persönlichen Gespräch nicht zerstreut.

Vielleicht wäre das „Derby“ ja eine gute Gelegenheit, sich zu treffen. Während es für das Hinspiel vielleicht zeitlich zu knapp wäre, schlage ich das Rückspiel in der „Mercedes-Benz-Arena“ vor. „Fritzle“, melde Dich einfach!

Unterm Strich bleibt es das Duell eines jungen Vereins, der die Jugend auch offen kultiviert und sich betont anders bzw. modern gibt, und einem Verein, der seine lange Tradition pflegt, Erinnerungen an große Zeiten kultiviert und mit den Anforderungen an die moderne Zeit versöhnen möchte. Sehen wir es als unterschiedliche Ansätze, um des Deutschen liebsten Spiel nach vorne zu bringen.

A propos nach vorne bringen: am Dienstag durften wir den ersten Champions-League-Sieg feiern und dürfen wieder realistisch von einem Einzug ins Achtelfinale träumen. Nette Parallele zum VfB: auch die schlugen sich in ihrer CL-Debütsaison mehr als achtbar. Einige Schwabenballisten dürfen nun für sich reklamieren, beim ersten Sieg im internationalen Wettbewerb dabeigewesen zu sein. „Wir sind dabei, wenn Geschichte geschrieben wird“ oder vielleicht besser gesagt: „Wir schreiben an der Geschichte mit“.

Womit wir bei der aus meiner Sicht schönsten Facette an RBL und den Schwabenballisten sind: wir gestalten mit, wir sind dabei, wo etwas entsteht und wir haben es in der Hand, etwas Gutes daraus zu machen. In diesem Sinne wünschen wir allen Schwaben und denen, die es werden wollen, ein tolles Spiel am Samstag. Möge der Bessere gewinnen. Und mögen wir anschließend gemeinsam ein Bierchen trinken!

Endlich wieder Fußball

Sie war lang, sehr lang, diese fußballlose Zeit – oder besser gesagt „die Zeit ohne Pflichtspiele mit RBL-Beteiligung“, schließlich brachte der Sommer Jogis Jungs, diverse U-EMs und europäische Qualispiele, die dem Schwesterclub der Rasenballer eine Jubiläumsfolge des täglich grüßenden Murmeltieres namens „Quali-Scheitern“ bescherten. Aber so richtig los geht es doch erst, wenn der einzig wahre Rasenballsport wieder um Punkte respektive das Weiterkommen kämpft.

Das erste Pflichtspiel führte zum Pokalspiel gegen Dorfmerkingen nach Aalen. Bei uns war richtig Zugkraft dahinter, knapp 20 Mitglieder waren unterwegs. Vor dem Spiel gab es im Vereinsheim des TSV Essingen einen ersten Treff inklusive Vereinssitzung. Die Themen in Kurzform:

  • Die Zahl der Schwabenballisten wächst, das Verbreitungsgebiet auch
  • Eine neue größere Zaunfahne für die RBA ist geplant, das bisherige Banner soll künftig nur auswärts verwandt werden
  • Die Anschaffung von Fanschals ist geplant
  • reger Kontakt mit RBL bzgl. OFC-Antrag
  • die Schwabenballisten sind Gründungsmitglied des neu gegründeten Fanverbandes
  • es soll eine Weihnachtsfeier oder eine Saisonabschlussfeier ins Auge gefasst werden

Im Stadion in Aalen herrschte dann prächtige Ballistenstimmung. Neben dem Spiel auf dem Rasen machte vor allem die angenehme Stimmung auf den Rängen Freude. Höhepunkt war die Sequenz, als die Heimfans den Wechselgesang „RBL“ anstimmten und wir mit „SFD“ antworteten. Ein Fingerzeig, dass Fußball und Stimmung auch ohne Hass möglich ist.

Nein, wir brauchen nicht jedes Mal „Wattebäuschchenstimmung“, es darf auch gerne etwas Rivalität sein. Die Stimmung in Aalen resultierte sicher aus der Besonderheit des Spiels für den Amateurverein und der damit verbundenen Festtagsstimmung. Aber zumindest mag man mitnehmen, dass Stimmung nicht von der Abneigung gegen den Gegner lebt, sondern davon, was ich meinem Verein mitgeben möchte.

Wie es anders geht, zeigte der „Malocherclub“ aus Gelsenkirchen, deren Fans dem Vernehmen nach im Sinne des Arbeiters wahlweise an der North-Stream-Pipeline des Ex-Kanzlers und Schalke-Fans Gerh … (war da nicht was mit so nem anderen Ruhrpottverein?) … egal, also arbeiten oder im Dienste des obersten Gazprom-Dienstherren Informationsdienstleistungen zur Bundestagswahl erbringen. Ob nun Pipelinebauer oder Informationsdienstleister – eine Gruppe Einheimischer machte Jagd auf RB-Fans von den „Osttirol Bulls“, entwendete deren Banner und sorgte für einen ungefragten Krankenhausaufenthalt. Für machen, der die „Fußballkultur“ hoch hält, mag das erstrebenswert sein, wir wollen sowas nicht! (Gilt übrigens auch für die eigenen Reihen, Stichwort „LE United“).

Obiges Zitat haben wir aus dem Zusammenhang gerissen, dem guten User „Sportkultur“ ging es nicht um kloppende Kumpels, sondern um Pfiffe im Stadion. Ja, soweit ist die Kulturberichterstattung gekommen. Am letzten Sonntag feierten zahlreiche Schwabenballisten das Saisondebüt in der Red Bull Arena. Der Gast aus dem Breisgau war mit 0:1 in Führung gegangen und um die 30. Spielminute waren doch tatsächlich Pfiffe zu vernehmen. Der größte Streit der Bundesligageschichte brach nun über die Frage hinein, aus welchen Grund RB-Fans denn pfiffen. Sollte doch tatsächlich ein eigener Spieler ausgepfiffen worden sein? Oder der zeitschindende SCF-Keeper? Oder der Rotebrauseblogger, der die #KissCam nicht mag? Wir werden es wohl nicht auflösen. Beachtlich jedoch, dass tatsächlich nur sporadische Pfiffe für den Sportkulturellen der Masterindikator für die Bewertung einer Fanszene sind.

Wer den Unterschied in der Stimmung in Leipzig im Vergleich zu vielen anderen Stadien in Deutschland auf Grund dieses Indikators nicht unterscheiden kann, hat entweder ein enges Prüfinstrumentarium oder schlichtweg nicht hingeschaut. In der Vorwoche durften wir ein Publikum erleben, das sich in erster Linie an Timo Werner abarbeitete, den Gegner beschimpfte und bepöbelte und in dieser Woche soll es tatsächlich Pfiffe ob Spielstand, Leistung, Fehlpass oder whatever gegeben haben. Gut dass Herr Reese nicht Historiker für den 2. Weltkrieg geworden ist …

Gut, dass die kulturelle Frage dann doch ein Randaspekt blieb und Timo Werner und Co. das Spiel drehen und Bruma mit einem potenziellen Tor des Jahres das Sahnehäubchen servierte. Dazu ein Augustin, der nicht nur dank seines in die sächsische Sprache hervorragend übertragbaren Namens gleich die Herzen erwärmte.

Was gibt es ansonsten Neues? Unsere Leipziger Exil-Schwaben #Patrick und #Marvin sind an einem tollen Podcast-Projekt namens „Straffraum“ beteiligt. Wir haben ihn hier verlinkt (KLICK), hört einfach mal rein und gebt unseren Jungs gerne Anregungen.

Neuland ist auch das Internet … ähm, verzeihe, die Champions League natürlich. Letzten Donnerstag die fürstliche Auslosung im fürstlichen Monaco mit „fairgleichsweise“ machbaren Gegnern. Istanbul, Monaco, Porto. Während für das erste Reiseziel wenig Begeisterung besteht, zumal „Knasterfahrung“, die am Bosporus drohen mag, nichts wäre, was wir zum Rühmen bräuchten. Da sind die Ziele in Südfrankreich und Portugal doch deutlich charmanter. Wir haben bereits Reise- und Unterkunftsmöglichkeiten gecheckt und werden wohl beide Spiele mit einer Abordnung besuchen.

Traumlos Dorfmerkingen

Heimspiel für die Schwabenballisten!

Schon zum Abschluss der letzten Saison war die Freude groß. Durch den Aufstieg des VfB Stuttgart steht bereits fest, dass es in der Bundesliga zum ultimativen „Schwabenderby“ zwischen dem zweiterfolgreichsten schwäbischen Verein und dem erfolgreichsten [bezogen auf die jüngere Vergangenheit 😉 ] kommen wird.

Manch Bruschtring-Träger wird die Derbynatur sicher bestreiten, aber für uns Schwabenballisten steht das besondere Flair der Begegnung dank unserer regionalen Nähe und der vielen Schwaben in Reihen des einzig wahren Rasenballsports fest.

Freude auf beiden Seiten kam nun auch im Rahmen der DFB-Pokal-Auslosung auf, nachdem bereits vor Ligabeginn ein Besuch RB Leipzigs mit Schwabenländle fix gemacht wurde. Die Reise führt auf die Ostalb zu den Sportfreunden Dorfmerkingen. Bei der Ziehung des Loses brach im dortigen Vereinsheim spontaner Jubel aus, die im Sportschaustudio befindliche Delegation war ebenfalls sichtlich begeistert, für Torwart Zech war es sogar das Traumlos schlechthin, trifft er doch als Dorfmerkinger Kapitän auf seinen ehemaligen Teamkollegen aus Gmünder Tagen, Dominik Kaiser, der vielleicht RB als Kapitän aufs Feld führen wird. Wäre in jedem Fall eine schöne Geschichte.

Derartige Freude ist noch nicht die Regel, so mancher Verein verbindet mit RBL eher Fanproteste, Finanzdoping und wenig Zuschauer. Die Interviewpartner aus Dorfmerkingen verbanden dagegen mit dem Los Leipzig einen attraktiven zugkräftigen Gegner, der vergangene Saison herausragenden Fußball gespielt habe. Wohltuend hebt man sich von manch anderem Verein auch dadurch ab, dass man im Vorfeld offen kommuniziert, dass man Proteste gegen RB nicht mit dem Verein Sportfreunde Dorfmerkingen verknüpft sehen möchte. Vielleicht wird ja auch der Hashtag #Blitzmerkingen noch trenden, wenn andere Vereine auf den Trichter kommen, dass Rasenballsport Leipzig doch ein ganz interessanter und handhabbarer Gegner ist.

LINK zum Beitrag der SWR-Mediathek

Dem eingeweihten Schwaben sind die Sportfreunde keine Unbekannten. 1997 stiegen sie in die Verbandsliga Württemberg auf und machten im Folgejahr sensationell den Durchmarsch perfekt Zudem qualifizierte sich der Verein für den DFB-Pokal, wo man die Stuttgarter Kickers zugelost bekam und sich beim 0:3 anständig gegen den damaligen Zweitligisten verkaufte. Das Intermezzo in der Oberliga dauerte für den Clubs aus dem knapp 1000-Seelen-Ort zwar nur ein Jahr, dennoch waren die Sportfreunde nunmehr dem Fußballkenner ein Begriff.

Der Aufstiegstrainer von damals, Helmut Dietterle, Ex-Profi beim VfB Stuttgart, legte eine recht beachtliche Karriere hin und war als sportlicher Leiter am Höhenflug des VfR Aalen beteiligt, der dabei auch mit unseren Rasenballsportlern in der zweiten Liga die Klingen kreuzte. Nach seiner Rückkehr führte er die Sportfreunde zum Landesligatitel zurück in die Verbandsliga und zu einem sensationellen WBV-Pokal-Triumpf im Endspiel gegen die 3 Ligen höheren Stuttgarter Kickers. Chapeau!

Es sind diese „David vs Goliath“-Geschichten, die den Pokal so besonders machen. Vielleicht muss RBL als nächster daran glauben. Wer wäre angesichts der Pokalpannenserie des Ralph Hasenhüttl und der RB-Pokalhistorie, die im DFB-Pokal nicht einen sportlichen Sieg gegen klassentiefere Teams ausweist (0:1 bis Abbruch in Osnabrück, 0:3 in Unterhaching, 6:7 n.E. in Dresden) eigentlich nur folgerichtig.

Nachdem das heimische Stadion der Sportfreunde den Anforderungen nicht entspricht, wird in der „Scholz-Arena“ in Aalen, benannt nach einem regionalen Recyclingkonzern, gespielt. Hier liegt der kleine Wehrmutstropfen. Mit Aalen verknüpft der geneigte RB-Fan wenige gute Erfahrungen: Aalen, das sich aktuell durch ein Insolvenzverfahren wieder schuldenfrei machen will, ehe Mäzen Scholz wieder Geld hereinpumpt, empfing die Rasenballsportler nicht unbedingt freundlich. Eine mit Rechtsextremen durchsetzte Ultragruppe der VfR-Fanszene engagierte sich an der Spitze der Anti-RB-Bewegung, die Ordner in der Arena waren so unfreundlich wie das Wetter, das Temperaturen knapp über 0°C mit Schneeregen brachte. Schon der Weg vom Parkplatz zum Stadion hätte als Adventure-Tour vermarktet werden können. Vermarktet wurde dann im Stadion alles, was sich auch nur irgendwie vermarkten ließ, legendär dabei die Spielstandseinblendungen bei Toren auf den anderen Plätzen, die von einem ohrenbetäubenden und nervtötenden Elefantentröten eingeläutet wurden (geworben wurde dabei wohl für eine Waschanlage).

Nach dem Spiel war der Hashtag #NieWiederAalen Kult in RB-Fankreisen. Und er hat sich bis heute gehalten. Aber sind es nicht gerade solche Spiele und Erlebnisse, die sinn- und identitätsstiftend sind? Ist es nicht geradezu göttlich, dass sich als Eventfans verschriene RBL-Fans mitten in der Woche nach Aalen bequemen, um unüberdacht im Gästeblock im Schneeregen zu stehen? Sind nicht spielerische Armutszeugnisse wie das 0:0 damals das, was bleibt, wenn Spieler wie unser Torwart Fabio „das ColtorTIER“ Coltorti dank ihres Einsatzes die Null halten? Unbestreitbar dürfte kaum eine Zweitligapartie so im Gedächtnis geblieben sein, vielleicht abgesehen vom Heimspiel gegen Darmstadt mit dem Coltorti-Tor.

Unser Ober-Schwabenballist „tuxbooster“ stellte nach dem Spiel jedenfalls genüsslich fest, dass man gerne „Eventfan“ ist, wenn man im Schnee und Eis in Aalen Stimmung macht, während die dortigen Ultras parallel dem Stadion fern blieben und in der wohlig warmen „Sky-Kneipe“ dem Spiel fröhnten und gegen irgendwelchen Kommerz protestiert haben. Schon klar … 😉

Wenn wir den einzig wahren Rasenballsport nun zum Pokalspiel begleiten und ein Wiedersehen mit der „Scholz-Arena“ feiern, dürften die Erfahrungen andere sein. Weder dürften die gleichen Werbejingles abgespielt werden noch dürfte das Wetter derart elendig sein. Vor allem aber freut es uns, auf Gastgeber zu treffen, die sich sichtlich auf das Spiel freuen.

Wir werden in großer Gruppe anreisen und den ersten schwäbischen RB-Fanclub würdig repräsentieren. Die RB-Welt zu Gast in Schwaben. Wir freuen uns darauf, möglichst viele unserer befreundeten Fanclubs aus Leipzig begrüßen zu können und treffen vielleicht wieder auf weitere Schwaben, die den Weg zu RB gefunden haben.

Wer sich anschließen will zu diesem schönen Pokalspiel, darf sich gerne melden. Wir haben Heimspiel, Jungs! Also machen wir was draus!

„Habemus Conventus“ – die Schwabenballisten gründen einen Verein

Lange haben wir darauf hingearbeitet, nun ist es soweit: die „Schwabenballisten“ haben sich eine rechtliche Form gegeben und dürfen bald – so das Vereinsregister will – sich „eingetragener Verein“ nennen. Geboren aus einem Treff dreier fußballbegeisterter und RB-affiner Schwaben, die seit 2010 / 11 den einzig wahren Rasenballsport zunächst für sich verfolgten und sich im Anschluss an das Gastspiel im „Ländle“ bei den Stuttgarter Kickers trafen, wurde durch persönliche Kontakte, Social Media und ein strategisch fürs Fernsehen gut platziertes Banner bald ein Sammelbecken für viele weitere RB-Fans im Großraum Stuttgart.

Gestählt durch Auswärtsfahrten im Schnee und Eis in Aalen, ölige Spiele in Fürth oder Abenteuerfahrten nach Freiburg wurde die „Interessengemeinschaft“ immer enger – nur folgerichtig der Wunsch, sich in einem Verein zu organisieren. Die Größe, der Organisationsgrad, die Tradition – der Verein als des Deutschen liebstes Kind sollte auch für die Schwabenballisten Heimat werden.

Und wie es die Tradition so will, trafen sich eines Samstags zehn wackere Anhänger ihres Vereins in ihrer Stammkneipe in Stuttgart-Vaihingen, um Fußball zu schauen und einen Verein zu gründen. Zwischen Bier und zünftigem Essen, zwischen der Niederlage des zweiterfolgreichsten schwäbischen Vereines (VfB) und der Niederlage des erfolgreichsten schwäbischen Vereines (RBL), zwischen holzvertäfelten Wänden und allerlei Andenken, zwischen großen Flachbildfernsehern, die die Konferenz übertrugen, und einem Laptop, der das ganze RB-(Trauer-)Spiel zeigte, gründete sich der neue Verein.

Ganz untraditionell wurde über Satzungsfragen und Personalien nicht gestritten, in bester SPD-Manier wurden die Vorstandsposten „schulzeresque“ mit 100-Prozent-Stimmenanteilen vergeben. Mit zehn Handstrichen wurde die Gründungssatzung unterzeichnet und der frisch gewählte Vorsitzende Enrico Sommerweiß durfte feststellen: „Damit wurde der Verein offiziell gegründet“. Den geschäftsführenden Vorstand komplettieren Matthias Busse (2. Vorsitzender), Andrea Hebecker (Schatzmeisterin) und Steffen Schelenz (Schriftführer).

Ja, Schatzmeisterin, Sie haben richtig gehört. Der Schwabe des 21. Jahrhunderts überlässt die Finanzfragen der erfahrenen Frau, die über die Reichtümer des Vereins, gespeist aus knackigen Anteilen des Fangehalts wachen darf. Gleichberechtigung at its best!

Nach der Finanzfrage über den Beitrag rückten die weiteren Pläne in den Vordergrund. Die Schwabenballisten als größter RB-Fanclub außerhalb Mitteldeutschlands peilen den OFC-Status an. Und wo könnte dieser „schwäbische“ Verein um seine Macher Ralf Rangnick, Helmut Groß, Frieder Schrof, Thomas Albeck, Alex Blessin und Co. sowie seine Matadore Dome Kaiser, Timo Werner (Fußballgott), Marvin Compper, Davie Selke, Rani Khedira und Co. besser bei der Expansion ihrer OFC anfangen als im „Ländle“?

Die Mitgliederzahl erhöht sich durch die Beitritte der „Schwabenballisten“, die nicht vor Ort sein konnten, bereits auf 14. Weiteres Wachstum ist absehbar, im Hintergrund weilt ein Sympathiesantenkreis von nochmals knapp 10 Personen. Die Schwabenballisten als Integrationsfaktor und Repräsentant des Vereins in Süddeutschland: „Wir geben RB ein Gesicht!“

Wir haben uns daher schon einmal Gedanken gemacht, wer denn berufen wäre, uns den OFC-Status zu verleihen. Es gäbe aus regionalen Gründen viele Kandidaten. Wir haben auf Twitter eine Umfrage dazu gestartet:

Das Ergebnis sollte nicht zur Enttäuschung für „Dome“ oder „Ralle“ werden, Timo – in der Umfrage zweiter Sieger, aber bald Jogis Nummer eins (?) – sollte sich ebenfalls freuen, denn niemand hat die Herzen der RB-Fans so erwärmt wie „Aki“ Watzke. Mein persönlicher Vorschlag wäre ja eine gemeinsame Übergabe mit RBs „Aggressive Leader“ Oli Mintzlaff. Ob das mehrheitsfähig in den Gremien von RBL ist? Abwarten.

Jedenfalls wollen sich die Schwabenballisten noch tiefer gesellschaftlich engagieren. Insbesondere wollen wir Bande knüpfen zu anderen Fanclubs, sowohl zu anderen RB-Fanclubs als auch zu Fanclubs anderer Fußballvereine, insbesondere in unserer Region. In unserer Stammkneipe könnte der Anfang gemacht werden. Und nun ganz ohne die diesen Text durchziehende Ironie würden wir uns sehr darüber freuen spannende Kontakte zu anderen Fangruppen zu knüpfen, die am Ende vielleicht sagen: „Mit Eurem Verein kann ich noch immer nichts anfangen, aber Ihr seid ne nette und lustige Truppe“.

Wer leidenschaftlichen Support seiner Mannschaft mit ironisch-bissigem Wettstreit mit dem Gegner bei Wahrung von Fairness und Anstand verbunden sehen will, der ist bei uns an der richtigen Adresse. Wer Interesse hat, meldet Euch, wir beißen nicht und sind für (fast) jeden Spaß zu haben, ob Fanclubturnier, gemütlicher Hock oder Stadionaktionen:

Wir sind Schwabenballisten – traditionell anders
und des g’hört so!

#FCARBL – Toller Fußball und das Kreuz mit der Erwartungshaltung

#FCARBL

Am 03.03. war es soweit – die mit Abstand größte Gruppe von Schwabenballisten und Sympathisanten machte sich auf den Weg nach Augsburg. 185km am Freitagnachmittag und in dieser Saison somit die zweit nächste Möglichkeit Fußball unserer Rasenballer zu sehen. Der Freistaat war in dieser Saison ein schlechtes Pflaster für RBL und wir waren auch jedes Mal dabei.

Früh da sichert einen guten Platz.

2h vorher ist die WWK Arena noch verschlafen

In Augsburg angekommen konnten wir recht schnell feststellen, dass das Thema Fantrennung extrem sauber gehandhabt wurde. Parken direkt vor dem Fanblock, umzäunter Parkplatz und sehr aufmerksame Ordner. Passieren konnte da definitiv nicht viel.

Bei Einlass waren die Kontrollen dann aber aufwändig. So sehr, dass der eine oder andere RB-Fan mindestens angenervt, teilweise auch schon aggressiv wurde.

Weshalb man Zigarettenschachteln öffnet, daran riecht und dann noch fragt, ob der Betroffene wirklich ein Raucher ist – naja, kann man machen. Potentiell schwierige Situationen zwischen Personal und RB-Fans wurden durch 2m-Schränke freundlich und nachdrücklich entschärft. Passt schon.

Im Stadion dann alkoholfreies Bier der Kategorie Abwaschwasser. Damit wollte man uns wohl auf den Status „Risikospiel“ hinweisen. Im Radler wurde allerdings normales Bier verarbeitet – ist halt doof, wenn man das erst zu spät merkt. Zumindest war die Weiterfahrt nach Leipzig nicht gefährdet.

Kommen wir zur

Erwartungshaltung

Das Spiel

Es war ein gutes Spiel von beiden Mannschaften. Sieg oder Niederlage? Das Unentschieden ist das beste Ergebnis für Beide. Wer den Ablauf genauer nachlesen will: Der Rotebrauseblogger trifft den Geist des Spiels sehr gut. Wie immer eine treffende Analyse.

Zumindest meine Erwartung hat das Spiel ziemlich exakt erfüllt. Ergebnisoffen und temporär zu körperlich. Beide waren auf Augenhöhe, beide hätten verlieren können.

Auch so kann Protest sein – zu Erheiterung trug das „RB-Traditionslogo“ bei

Beim Schiri war alles dabei: Von „Da lag er richtig“ über „Kann man so Pfeifen“ bis hin zu „Was soll der Mist?“ hat er alles rausgepackt. Eine klare Linie konnte zumindest ich nicht erkennen. Positiv: Beide Mannschaften bekamen das volle Programm ab. Wenn man will, kann man das als „Linie“ bezeichnen.

Die Saison

Es ist schon verrückt. Da fährt man seit nunmehr 4 Jahren regelmäßig und deutschlandweit zu den Spielen der Rasenballsportler, steht in Stadien der dritten Liga praktisch nur mit Gästefans, erlebt die ersten echten Hochs und Tiefs in der 2. Bundesliga und sieht jetzt erstklassigen Fußball. Kein Schlamm, keine praktisch unbespielbaren Plätze (jaja, wir kennen Plätze mit richtig Schlamm und Schnee), kein Montag – daran wollte man teilhaben.

Das erleben wir.

Das genießen wir

Ein kleines Problem kristallisierte sich dann trotzdem recht schnell in der Saison heraus.

Wir haben uns, getrieben auch von der als realistisch einzuschätzenden Bewertung der Verantwortlichen bei RB Leipzig beeinflussen lassen und als Ziel einen mittleren Tabellenplatz – vielleicht sogar einstellig – ausgegeben. Und was kam dann? Die „Rasselbande“ (Sport 1 Doppelpass) spielt hervorragenden Fußball, legt sich die meisten Gegner sauber zurecht, gewinnt, wenn es grad mal passt und verliert auch mal absolut verdient. Dazu scheitern derzeit praktisch alle Gegner an sich selbst.

Leverkusen, Gladbach, Dortmund, Wolfsburg – die internationalen Plätze waren vor der Saison ja praktisch schon vergeben. Bayern wird Meister – ok, hier werden die Erwartungen wie immer erfüllt.

Und dann schaut man beim sonntäglichen Frühstück in die Tabelle und hört sich sagen: Mist, Dortmund hat nur noch 6 Punkte Rückstand und die Bayern ziehen davon. Das wird knapp. Der Titel fast schon unmöglich. Ok, international wird – zumindest aus sportlicher Sicht – eher kein Problem sein, aber CL wäre schon nett. Dann schaut man kurz hoch und denkt:

HAST DU SIE EIGENTLICH NOCH ALLE?

Vor 5 Jahren hat dich Fußball gar nicht interessiert – laaaangweilig. Jetzt hältst Du mit freundlicher Genehmigung der ganzen Familie ein paar Tage Urlaub für Reisen zu europäischen Spitzenmannschaften zurück! Dich ärgert der wachsende Abstand zum FCB und der schrumpfende Abstand zu Dortmund – alles von Tabellenplatz 2 aus betrachtet. Ja, das ist definitiv unfassbar.

Die Erwartungshaltung hat sich verändert.

Ein einstelliger Platz ist praktisch unvermeidbar, EL Minimalziel, CL wäre klasse, Meistertitel – nein, verrückt sind wir dann doch nicht.

Es ist schon ein Kreuz mit der Erwartungshaltung…

Ein Zeichen setzen gegen Gewalt im Fußball

Unter diesem Motto Stand der 20. Spieltag der Fans von RB Leipzig.

Schon auf der Anreise nach Leipzig begegneten uns leider wieder leicht aggressive Fans des HSV.

Es wurde u.a. massiv gegen Scheiben geschlagen oder „böse“ Finger gezeigt. (S-Bahn und Shuttle-Bus) Es stellte sich aber glücklicherweise heraus, dass die Fans die zu Fuß zum Stadion unterwegs waren, äußerst friedfertige Fans des Hamburger Sportvereins waren. Dies beruhigte uns und wir konnten uns auf ein schönes Fußballspiel freuen.

Die Aktion der Fans

Banner – können wir auch!

 

Kurz vor dem Einlaufen der Mannschaften begannen die Leipziger Fans ihre Banner auszurollen. Mit Sprüchen wie „Gewaltfrei seit 2009“ oder „ Respekt, Liebe, Leidenschaft“ setzten die Fans des Rasenballsport Leipzig ein Zeichen. Nicht zuletzt der über die gesamten B-Tribüne reichende Banner mit dem Spruch „ Fußball für alle statt menschenverachtender Krawalle“ war ein nicht zu übersehendes Zeichen gegen Gewalt und für den Sport. Überdies wurde in der neunten Spielminute ein Zeichen des Zusammenhalts in die Welt hinaus geschickt. Die Fans stimmten gemeinsam das Lied „wir sind Leipzig“ an. Ein tolles Gefühl ein Teil dieser Aktion gewesen zu sein.

Vor dem Spiel

Pyro im Block

 

Das Spiel

Nach der starken Anfangsphase der Leipziger, bei der Werner aus kurzer Distanz scheiterte, übernahm der HSV das Spiel. Bereits beim Spielaufbau kam es bei RB immer wieder zu Fehlpässen. In der 18. Spielminute stand es nach einem Eckball plötzlich 0:1. Ausgerechnet unser Ex-Spieler Papadopoulos köpfte nach der Hereingabe von Müller den Ball sauber ins Tor. Nur 6 Minuten später gelang es Walace ebenfalls nach einem Eckstoß von Müller den Ball ins Tor der Leipziger zu köpfen. Unser Trainer reagierte und brachte mit Poulsen einen weiteren Offensivspieler auf das Feld. Leider war das Spiel unserer Rückennummer 9 nach wenigen Minuten bereits beendet. Er verletzte sich und fällt wohl mindestens sechs Wochen aus. Für ihn kam Selke aufs Feld.

Die zweite Halbzeit war nur durch wenige herausragende Aktionen geprägt. Die Leipziger versuchten durch mehr Tempo und Kombinationsfußball in den Strafraum der Hamburger zu gelangen. Der HSV hingegen schaffte es durch eine starke Defensivleistung immer wieder dies zu verhindern. Erst in der Schlussphase wurde es dann etwas hektischer. Orban sah gelb, nachdem er einen Arztkoffers aus dem Spielfeld „kickte“. Die Leipziger versuchten durch offensives Pressing wenigstens noch einen Anschlusstreffer zu erzielen. Hierbei liefen Sie jedoch in einen Konter, welcher dann zum Endstand führte. In der 93. Spielminute schoss Hunt das 0:3. Schlussendlich musste man neidlos anerkennen, dass Hamburg gut gespielt hatte und im Spiel der Leipziger vieles nicht funktioniert hat. Insofern war der Sieg des HSV verdient.

Auch wir hängen manchmal in der RBA ab.

 

Die Schwabenballisten

Gegen den modernen Fußball

Nach etwas mehr als einem Monat gab es dann doch noch eine kleine Stellungnahme der Münchner Schickeria zum Spiel FCB vs. RBL kurz vor Weihnachten. Natürlich sehen wir das alles nicht so, werden aber mal versuchen, die zentralen Teile zu kommentieren.

Sieht schon toll aus – auch bei Nebel

Da sportlich nicht soviel passiert war – RBL war wohl schon im Winterurlaub und der FCB war einfach gut unterwegs – beschäftigte man sich mit dem Auftritt der beiden Fankurven. Neben den typischen Formulierungen der Kategorie „Wir sind die Besten“, gab es doch einige Punkte, die man so nicht erwarten muss.

Zuerst war da natürlich die Stimmung. In den ersten 30 Minuten kam aus dem Süden ziemlich viel Richtung Norden und war auch entsprechend laut. Danach ging es, auch getrieben vom kaum stattfindenden Spiel, merklich in den Keller. Im Norden war es, basierend auf 7000 Auswärtsfans, in den gesamten 90 Minuten aus meiner Sicht ok, wenn auch nicht gut. Deutlich mehr Stimmung im Block konnten wir schon mit deutlich weniger Leuten erzeugen.

Jaja, wir waren auch da…

Durch das als „schwierig“ zu beschreibende Vergabeverfahren der Tickets war die „Kerntruppe“ verstreut über die gesamte Breite des Blocks, wodurch natürlich auch kein richtiger Druck erzeugt werden konnte. Selbst die angereisten Schwabenballisten, die irgendwie Karten bekommen hatten, saßen überall, nur nicht zusammen. Die zusätzlichen 5000 Auswärtsfahrer waren spürbar oder in dem Fall halt leider auch nicht. Auch ein Bekannter gab am nächsten Tag zu Protokoll, dass die Stimmung gut war, er aber kein richtiges Zentrum erkennen konnte. „Vielleicht links oben von der Haupttribüne aus gesehen.“ waren seine Worte.

Um so erstaunlicher ist es aber, dass die Feststellungen der Schickeria dann in Richtung „…eine Atmosphäre herrscht, wie sonst eigentlich nur bei Gastspielen der Schalker Knappen oder Borussia aus Dortmund…“ geht. Erstaunlich deshalb, weil man das definitiv als Respektsbekundung anerkennen muss und auch weil üblicherweise die Wahrnehmung im Block eher besser ist, als von Außen betrachtet. Also, danke für die positiven Worte.

Und dann ist da noch der Punkt aus der Überschrift.

Ein bisschen Werbung ist ok.

Ein bisschen Mehr dann halt komisch…

Es ist mir vollkommen unklar, wie man als Fan vom 1. FC Bayern München gegen den modernen Fußball protestieren kann. Wenn ein Verein und die ausgegliederte Profiabteilung etwas vom „modernen Fußball“ versteht und dieses auch massiv praktiziert, dann doch der FCB. Eine halbe Milliarde Umsatz im Jahr und eine Werbeveranstaltung mit Zugabe eines Fußballspiels sind klare Hinweise, dass man sich im Süden der Arena das Thema ein wenig schönredet.

Gegen den modernen Fußball – oder so ähnlich

Vermutlich liegt es aber auch daran, dass praktisch kein FCB-Fan seine Mannschaft in der 3. Liga unterstützen durfte und auch keiner zu einem Ligaspiel am Montag bei „Saukalt und Schlamm“ 400km zum Gegner eierte und im „Stadion“ mit 100 Fans das Maximum rausholen musste.

Und richtig schwierig in der Argumentation wird es an dem Punkt, dass man als „Fußballfan“ eine Kooperation zwischen anderen Abteilungen des Vereins und einem Sponsor verhindern will, weil man den Sponsor nicht mag.

Wohlgemerkt: Red Bull will für 100 Millionen € eine Halle für den eigenen EHC München bauen und die FCB-Basketballer möchten Mieter werden, weil der FCB nicht in der Lage ist, dass selbst zu stemmen.

Fazit: Kann man so machen – ist dann halt doof.

Damit soll der Ausflug zu anderen Fangruppierungen beendet sein. Kümmern wir uns mal wieder um uns. Gibt ja genug z tun ;).

„Sky“ is the limit – über den Umgang mit Fußballern

Mercedes Benz Junior Cup im Sindelfinger Glaspalast. Das bedeutendste Hallenturnier für U19 Junioren, direkt vor unserer Haustür. Klar waren die Schwabenballisten vor Ort, um auch den Nachwuchs von Rasenballsport Leipzig zu unterstützen. Die potenziellen Stars von morgen bereiteten Freude, allen voran der Nachwuchs des VfB und der TSG Hoffenheim, den baden-württembergischen Rivalen. RBL beendete das Turnier auf einem respektablen vierten Platz.

So schön das Sportliche anmutete, so störend waren manche Nebengeräusche. In meiner unmittelbaren Nähe hatten sich betrunkene junge Männer zwischen 16 und 20 mit offensichtlich niedrigem Bildungsstand eingefunden, die weder zur Unterstützung einer Mannschaft noch zum Genuss guten Jugendfußballs gekommen waren, sondern für fast jeden Beteiligten Beleidigungen parat hatten. Schalker Fans wurden beleidigt und teilweise tätlich angegangen (unter den Augen der nur sporadisch interessierten Ordnungskräfte), Dietmar Hopp wurde verunglimpft, die Spieler von Rasenballsport Leipzig sowieso. Haupthassobjekt war jedoch kein anwesender Spieler, sondern ein gewisser Timo Werner. Alle fünf Minuten wurde ein „Timo Werner ist ein H****sohn“ angestimmt.

Timo, dem in unserer Region noch viele zujubelten, als er den „Bruschtring“ trug und durch seinen Wechsel zum „Bösen“ in Ungnade fiel. Dank guter Leistungen verstummten zunächst viele Kritiker. Bis … ja bis zum 3.12.2016, als Timo Werner den Sündenfall der Saison beging und durch eine astreine Schwalbe bereits in Minute 1 einen Elfer schinden konnte. Anschließend brannte ein Sturm der Entrüstung durch Fußball-Deutschland, den ich in knapp 30 Jahren noch nie erlebt habe. Nicht bei Andy Möller, nicht bei Oliver Held, nicht bei Oliver Kahn Kung-Fu-Einlagen, erst recht nicht bei einer von Arjen Robbens allwöchentlichen Schwalben.

In der „Welt“ titelt Autor Tobias Holtkamp heute „Der Umgang mit Timo Werner ist entwürdigend“. Er hat recht. Timo Werner zu verteidigen heißt nicht, seine Schwalbe gutzuheißen oder seine Rechtfertigung im Interview nach dem Spiel. Aber man muss konstatieren, dass es in jeder Saison mindestens 10-20 glasklare Schwalben in den Strafräumen der Bundesliga gibt, die trotz des Fehlens jeglicher Berührung um einen Elfmeterpfiff betteln. Es war auch längst nicht die erste Schauspieleinlage eines RB-Spielers. Was also macht den Fall so besonders, dass Werner auch nach mehreren Wochen so oft verunglimpft wird, selbst bei der Dart-WM in London. Nein, der Beitrag soll nicht den Intelligenzquotienten dortiger Schlachtenbummler eruieren, die Gesänge gehässiger Zuschauer sind nur Folge des Problems, nicht dessen Kern.

Einer der Väter des Sturms der Entrüstung ist Kai Dittmann und das Moderatoren-Team von „Sky“. Dass Dittmann die Szene um den Elfmeter auseinandernahm, bewertete und Werners Aktion als Schwalbe brandmarkte, ist sein Job. In der Folge kam ich jedoch mit dem Zählen nicht hinterher, wie Dittmann bei laufendem Spiel vom aktuellen Geschehen abschweifte und die Schwalbe zurück ins Gespräch brachte, wobei die Schwalbe alleine im Laufe der Sendung eine Entwicklung von Unsportlichkeit über schlimmer Betrugsversuch und der Schwalbe des Jahres bis hin zur schlimmsten Schwalbe aller Zeiten durchmachte. Ich war schon während des Spiels genervt, dass das durchaus gute Spiel zweier formstarker Teams komplett in den Hintergrund rückte, während sich Dittmann immer mehr in Rage redete.

Nach dem Spiel war die Szene natürlich auch Thema in der knapp 60-minütigen Nachbetrachtung. Die Experten (Bruchhagen, Metzelder und Matthäus) waren sich schnell einig, dass eine Schwalbe vorlag und das ebenfalls unbestrittene Ziehen Naldos zuvor auf das spätere Fallen Werners sicher keinen Einfluss mehr hatte. Interessant die Interviews, als Schalke-Keeper Fährmann noch immer wütend war, nicht in erster Linie auf Schwalbenkönig Werner, sondern Schiedsrichter Dankert, der ihm Gelb gab, obwohl Werner zugegeben habe, nicht von Fährmann berührt, sondern von Naldo gezogen worden zu sein. Dies geben auch die Gesten im Fernsehbild wieder. Man hätte den interessanten Vorgang nach 15 Minuten spannender Diskussion bewenden sein lassen können.

Tat man jedoch nicht. Selbst als die Experten meinten „es gibt doch noch andere Dinge zu bereden als diese Schwalbe“ wollten die Sky-Moderatoren nicht vom Thema ablassen, anderen Szenen wurde keine Beachtung mehr geschenkt, nicht dem sehenswertens Ausgleichstreffer Schalkes, noch dem unglücklichen, aber verdienten 2:1 durch ein Schalker Eigentor, erst recht nicht sonstigen Chancen.

Dem guten Vorbild von Sky schlossen sich andere Medien an, das ZDF-Sportstudio versuchte sich ebenfalls in Superlativen, filetierte auch insbesondere diese Szene und blies den Fall weiter auf. Medial wurde angeführt von der Bild-Zeitung eine Hetzjagd auf Werner eröffnet. Auch vermeintliche Qualitätsmedien sprangen auf den Zug auf. Werner hätte sich auf dem Platz entschuldigen müssen, hätte den Elfmeter ablehnen müssen. Ethisch mit hohem Pathos wurde der Sportsgeist beschworen, Timo Werner zum Sünder.

Ja, auch mir machte die Schwalbe Bauchschmerzen, von uns Schwabenballisten konnte sich niemand so recht über das „Wie“ der Führung freuen. Aber man macht es sich eben sehr einfach, diesen Fall herauszugreifen und aufzubauschen, während man eine Woche vorher zusieht, wie Javi Martinez per absichtlichem Handspiel im Strafraum kurz vor Schluss den sicheren Ausgleich von Leverkusen verhindert und damit durchkommt oder eine Woche später Makoto Hasebe ebenfalls mit einer lupenreinen Schwalbe einen  – später nicht verwandelten – Elfmeter schindet. Beide Male kein Entrüstungssturm, sondern Vokabeln von „clever“ bis „Pech“, kein Wort von „Unsportlichkeit“ oder „Skandal“.

Dank Sky und Co. ist Timo Werner nun in weiten Kreisen der Inbegriff der Unsportlichkeit. Man ermutigt damit Gruppen, die ohnehin gegen RB (und andere) hetzen wollen, man gibt geistige Legitimierung für Hetze und Verfolgung. (Fast) niemand stand auf und sagte „Ist auch mal gut jetzt“. Die mediale Hetzjegd wird nicht dazu führen, dass Spieler weniger unsportlich agieren werden. Im Gegenteil: wir haben nun einen Prügelknaben, im Vergleich zu dessen Untat sämtliche künftige Vergehen als „relativ harmlos“ gemessen werden. Nicht weil die Werner-Schwalbe so einzigartig war, sondern weil sie so einzigartig aufgebauscht wurde. Ein Spieler ist nun Hassobjekt und wird zum Spießrutenlauf gezwungen.

Dieser Ansatz ist falsch. Im Johannes-Evangelium heißt es in Kap. 8, 1-11: „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein [auf sie]“. Übersetzt: wer noch nie von einer Schwalbe oder Unsportlichkeit profitiert hat, werfe den ersten Stein. Das ist keine Beliebigkeit oder Billigung, denn das Zitat endet mit den Worten: „Auch ich verurteile Dich nicht. Geh hin und sündige von nun an nicht mehr“.

Das wäre auch ein schönes Schlusswort. Aber für mich geht der Auftrag weiter. Es kann nicht sein, dass Vereine, Medien oder Veranstalter wahrnehmen, dass hier unverhältnismäßig auf eine Person eingeprügelt wird. Bei vielen Hetzern wird die Mahnung „Wer von Euch ohne Sünde ist“ kein Umdenken einleiten. Doch sehe ich uns alle in der Pflicht, dann nicht wegzuschauen, sondern einzugreifen.

Im Sindelfinger Glaspalast war es dem Sicherheitspersonal des Veranstalters, sprich der Daimler AG, egal, dass betrunkene Zuschauer pöbeln und gar übergriffig werden. „Worte wollen nichts bewegen, Worte tun niemandem weh, darum lass uns drüber schimpfen, Hasskommentare sind okay“, möchte ich einen Text der Ärzte leicht modifizieren. Ja, möchte ich sagen, solange, bis irgendwann Blut fliest. Und dann will es niemand gewesen sein.

Wacht endlich auf!

Unser erster Kritiker

Ja, der einzig wahre Rasenballsport ist nicht bei jedem Fan beliebt. Das 0:1 in Ingolstadt war ein Fest für alle, die unserem RBL die Daumen nicht drücken. „Rolex“ Kalle Rummenigge gratulierte dem FCI zur konzerninternen Leistungserfüllung und kündigte die Lieferung einiger schmackhafter „Udo Honig“-Würstchen an. Vorsprung durch Technik! Oder so ähnlich.

Wir schließen uns den Glückwünschen an den FCI an, mit Würstchen können wir leider nicht dienen. Aber zurück zu den „Nicht-Daumendrückern“. Als Fanseite des Rasenballsports kommt man nicht umhin, sich ab und an mit den „Protesten“ der Bewahrer reiner Fußballkultur zu beschäftigen. Heute morgen um 5:35 Uhr war es soweit: die erste Hassmail blinkte in unserem Postfach auf. Grund genug, sich mit dem Phänomen der RB-Kritik auseinanderzusetzen.

Fritzle Saitenbacher [Name durch die Redaktion geändert] ist der glückliche Sieger des Wettlaufs um den ersten Hassbrief an die Schwabenballisten. Wir gratulieren herzlich zu einem Meisterwerk aus Leidenschaft, Weitblick und argumentativer Schärfe. Die Siegermail sah wie folgt aus:

Ja, lieber Fritzle, wir betreiben diese Seite ernsthaft, kommen aus dem Ländle und drücken Rasenballsport Leipzig die Daumen. Nein, wir werden weder die IG überdenken, nein, wir werden uns nicht auflösen, ja, wir haben uns mit RB auseinandergesetzt und trotzdem feuern wir unseren Lieblingsverein mit voller Kraft und voller Freude an.

Fritzle steht sinnbildlich für viele Kritiker an dem Verein Rasenballsport Leipzig, seinem Hauptsponsor, der Investor und faktisch Inhaber ist, sowie deren Fans. Bis auf wenige orthographische Mängel und kleine grammatikalische Schwächen konnte zumindest das Sprachbild überzeugen. Hier ist Fritzle vielen Kritikern voraus. Inhaltlich fehlt es hier ein wenig an Substanz und lässt leider Parallelen zu manch anderem besorgten Bürger zu. Im Einzelnen:

>>> Pauschalierung <<<

Es fällt auf, dass sehr häufig versucht wird, Personen über einen Kamm zu scheren, als ob jeder RB-Fan gleich ist, gleich denkt, gleich fühlt [ach stimmt: ein „Kunde“ fühlt nicht], gleich handelt. Der Grund seinen Verein zu unterstützen, ist immer individuell geprägt. Jedes unserer Mitglieder hat einen anderen Weg zu RB gefunden, jeder hat andere Schwerpunkte, die ihm wichtig sind. Und genauso individuell, wie die Gründe dafür sind, Rasenballsport Leipzig zu unterstützen, so individuell ist die Entscheidung selbst. Jeder Schwabe darf selbst entscheiden, welchem Verein er die Daumen drückt. Und das ist auch gut so, liebe Genossinnen und Genossen!

>>> Fehlende Selbstbetroffenheit <<<

„Das tut mir in erster Linie für euch Leid aber noch viel mehr für die Fans, die ihre Liebe, Leidenschaft, Traditionen und den Stolz, Fan eines wahren Fussballvereins zu sein, über Generationen hinweg an den Nachwuchs weiter geben und wahre Werte und Gefühle vermitteln“.

Klingt toll. Ehrlich. Ich finde Fans super, die mit Liebe und Leidenschaft Traditionen pflegen und über Generationen hinweg an den Nachwuchs wahre Werte weitergeben. Ich weiß nicht, ob es die gleichen Werte sind [dazu später mehr], aber der Ansatzpunkt ist gut. Es zeugt allerdings von Arroganz zu glauben, genau das würde bei uns nicht passieren – zum einen im Kleinen, sprich in unserem Fanclub, wo Mütter und Väter an die Kinder etwas weitergeben und gemeinsam einem Hobby nachgehen, zum anderen im Großen, der gesamten RB-Fanszene, vorwiegend in Leipzig, wo alle Generationen sich mit einem Verein identifizieren können, der eben nicht für „Tracht und Prügel“, nicht für politische Instrumentalisierung und nicht für Abgrenzung gegenüber „Feinden“ steht, sondern für das, was eigentlich im Vordergrund stehen sollte: Sportlicher Wettkampf. Es muss Dir um uns nicht Leid tun.

Es muss Dir aber auch nicht um die anderen Fans Leid tun. Welchen Nachteil haben denn die von Dir zitierten Fans, wenn wir Rasenballsport Leipzig unterstützen? Richtig, gar keinen. Niemand wird gehindert, einen anderen Verein zu unterstützen. Wir haben Respekt vor dem Fandasein der Anhänger anderer Vereine. Gerne darf man gegenseitig sticheln, sportliche Rivalität ist super, aber niemandem wird etwas weggenommen, wenn wir Rasenballsport Leipzig unterstützen.

>>> Hass <<<

Lieber Fritzle, ich hoffe von ganzem Herzen, dass Du nicht der Fritzle Saitenbacher vom „VfB Fanclub Saitenbach“ bist. Als ein dem VfB gegenüber sehr positiv eingestellter Mensch, der die integrative Arbeit dieses Vereins für unsere Region unheimlich wertschätzt, hoffe ich sehr, dass diese Zeilen nicht vom Vorsitzenden dieses Fanclubs stammen. „Wahre Werte“ weitergeben, davon hast Du geschrieben. Nun hat jeder seine eigene Definition von Werten. Aber wenn ich lese: „gespickt mit abgrundtiefem Hass“, dann scheinen Deine Werte mit denen unserer christlich-abendländischen Wertegemeinschaft nicht ganz in Übereinstimmung zu stehen. Wir sehen es so: Hass hat auf und neben dem Fußballplatz, vor, während und nach einem Spiel nichts verloren! Hass setzt nie etwas Positives frei, es verengt den Blick und trübt die Sinne. Und vermutlich liegt genau da das Problem. Wer sich von Hass leiten lässt, den Gegner als „Feind“ betrachtet, der sieht in ihm nicht den Menschen und kann und will nicht wahrnehmen, was den anderen wirklich bewegt.

Als Du von „freier Meinungsäußerung“ schriebst, kamen mir spontan die „besorgten Bürger“ in den Sinn. „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“, u.s.w. Haben wir Dir verboten, Deine Meinung kund zu tun? Im Gegenteil, wir bieten Dir sogar eine Plattform. Mit Meinungsfreiheit – die übrigens der Staat als Adressat der Grundrechte gewähren muss und nicht Private – geht auch Verantwortung einher, Verantwortung mit den eingeräumten Rechten gut umzugehen und nicht wie manch besorgte Bürger auf die Straße zu gehen, um gegen nicht genehme Gruppen aufzustacheln.

Ich hoffe sehr, dass Du und Dein Umfeld diese Werte nicht an Euren Nachwuchs weitergebt. Ich lade Dich gerne ein, Dir mal ein eigenes Bild von den hier aktiven Menschen zu machen. Vielleicht wird es Deine Augen öffnen. Wir sind vielleicht anders als Du, aber Andersartigkeit kann auch bereichern.

Schwabenballisten sind traditionell anders – und des g’hört au so!

Anmerkung: in der ersten Version dieses Beitrages haben wir „Fritzles“ Echtnamen verwendet. „Fritzle“ hat uns zwischenzeitlich eine sehr vernünftige E-Mail geschrieben und einen konstruktiven Gesprächsfaden aufgenommen. Diese natürlich pointierte Auseinandersetzung mit seiner Kritik haben wir fairerweise anonymisiert, denn in der Sache soll es nicht um Personen, sondern die Art und Weise der Kritik an RB und uns gehen.

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