Keine Politik im Stadion

Ein herzliches Willkommen in der Saison 2018/19. Seit unserem letzten Blogeintrag sind knapp 5 Monate vergangen. Wir waren in der Zwischenzeit auf Reisen, sogar die so stiefmütterlich behandelte Europa-League wurde dank unserer Unterstützung überstanden. Besonders präsent waren die Schwabenballisten im  TV beim U17-Halbfinale gegen die Bayern. Die Unterstützung half in diesem Fall wenig, man schied sang- und klanglos gegen den Nachwuchs des Rekordmeisters aus.

Sportlich gab es aber insgesamt wenig, das die Schwelle zum Schreiben eines Blogbeitrages überschritt. Nur an einem Thema kam man nicht vorbei: Politik! Bzw. was Politik im Stadion zu suchen hat oder auch nicht. Mehrfach in den letzten Wochen dachte ich darüber nach, etwas darüber zu schreiben. Ich dachte irrigerweise, für „gesunden Menschenverstand“ gebe es einen breiten Konsens. Die Stellungnahme von  RB Leipzig über seine offiziellen Kanäle zu diesem Thema brachte das Fass jedoch zum Überlaufen.

Im Rahmen der Pressekonferenz zum Spiel gegen Hannover 96 sagte Ralf Rangnick zur offiziellen Linie des Vereins unter anderem:

„Der Fußball kann grundsätzlich viel zusammenbringen, auch Themen einen, die sonst schwierig zu vereinen sind. Dazu muss Fußball aber versuchen, sich aus politischen Positionen herauszuhalten. Fußball sollte sich dieser Funktion bewusst bleiben; dazu gehört eine unpolitische Rolle einzunehmen“.

Was grundsätzlich keine neue Position ist. Interessanter der Nachsatz:

„Grundsätzlich muss man im Fußball aufpassen, dass man sich nicht vor jeden Karren spannen lässt. Die Mannschaft hat eine klare Meinung, zeigt diese auch und setzt sich sozial sehr stark ein. Aber wir lassen uns nicht vor jeden Karren spannen“.

Um welchen Karren geht es dabei? Ein kurzer Abriss der jüngsten Geschehnisse (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): in Chemnitz kommt ein 35-jähriger Deutscher gewaltsam zu Tode. Tatverdächtig sind u.a. zwei Asylbewerber, von denen einer vollziehbar ausreisepflichtig ist. Es kommt zu einer überraschend schnellen und großen Mobilisierung durch rechte Gruppen, das Stadtfest wird abgebrochen. Am Folgetag kommt es u.a. zu einer überraschen großen Demo auf Initiative des rechten Bündnisses „Pro Chemnitz“, bei dem es zu mehreren politischen Straftaten (z.B. Zeigen des Hitlergrußes) und zu Gewaltakten (einige Demonstrationsteilnehmer gehen gewaltsam gegen Passanten vor, insbesondere gegen fremdländisch aussehende Bürger der Stadt). In der Folge entzündet sich eine Diskussion um die Einordnung der Demonstration, da sich viele „bürgerliche“ Demonstranten beteiligt hatten, die ihrerseits friedlich demonstrierten, allerdings gegen die o.g. Straftaten auch nicht einschritten.

Viele Personen und Organisationen des gesellschaftlichen Lebens bezogen anschließend Stellung.  Der SV Werder Bremen äußerte sich als einer der ersten Fußballvereine öffentlich in unmissverständlicher Weise:

Selbst die SG Dynamo Dresden, deren Management im Umgang mit politisch extremen Fans in der Vergangenheit Anlass zur Kritik bot, äußerte sich öffentlich. Rasenballsport Leipzig schwieg lange Zeit – und erklärte nun aktiv, man wolle keine Position beziehen.

Allgemein hätte man ein Statement etwa wie folgt erwartet: „Unser Verein vertritt die Werte des Sports. Fair Play heißt Achtung und Respekt vor unserem Nächsten unabhängig von seiner Hautfarbe, Religion, seines Geschlechts und sexuellen Bekenntnisses. Unser Verein steht für ein friedliches Miteinander: auf dem Platz, auf den Rängen und auch außerhalb des Stadions“.

Natürlich ist dies ein politisches Statement. Aber es sollte auch unser gesellschaftlicher Grundkonsens sein, denn es ist Ausfluss des Kerns unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Sie zu achten und zu schützen ist nicht nur Aufgabe des Staates, sie ist auch Auftrag an uns alle als Bürger dieses Staates.

Wir Schwabenballisten unterstützen die Forderung „Keine Politik im Stadion“. Diese sehr prägnante Forderung muss aber im Hinblick auf den gesellschaftlichen Grundkonsens ausgelegt werden und bedeutet für uns: keine Allgemeinpolitik und erst recht keine Parteipolitik im Stadion. Insoweit ist die Aussage des Vereins Rasenballsport Leipzig auch absolut richtig. Im Stadion kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Einstellungen zusammen. Das ist nicht nur in Ordnung, es ist im Hinblick auf Pluralismus und Demokratie auch wünschenswert. Um eine verbindende Kraft zu erzielen, darf man den politischen Streit in Einzel- oder Sachfragen nicht ins Stadion tragen. Hier hat Ralf Rangnick aus unserer Sicht recht.

Es gibt gute Gründe für oder gegen eine Rodung im Hambacher Forst zu sein.
Es gibt gute Gründe das Engagement von Seenotrettern zu unterstützen wie es Gründe gibt, einzelne Aspekte davon kritisch zu sehen.
Es gibt gute Gründe für ein bedingungsloses oder ein solidarisches Grundeinkommen oder dagegen zu sein.

Wir wollen diese Diskussionen im Bereich des Fußballs nicht führen. Im Sommer gingen bei uns in der Gruppe zur Causa „Özil“, einer komplexen sportpolitischen Fragestellung höchst unterschiedliche Ansichten. Das ist auch in Ordnung. Jeder darf sich zu diesen Themen seine eigene Meinung bilden, wir tauschen uns nicht über parteipolitische Präferenzen aus und wollen das auch nicht im Stadion, im Fanverband oder beim Fanclubtreff tun.

Was wir aber erwarten, ist ein Mindestmaß an Respekt – auch gegenüber Politikern oder sonstigen Menschen, die politisch ganz anderer Meinung sind – und das Einhalten der grundlegenden Spielregeln unserer Gesellschaft. Wir respektieren jeden unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion oder sexueller Identität.

Um die US-amerikanische Verfassung zu zitieren: „We hold these truths to be self-evident“. Und daher irritiert es, wenn ein Verein diese Selbstverständlichkeiten als „Karren“ oder Kampagne bezeichnet, für die man sich nicht instrumentalisieren lassen möchte. Ein Statement, dass der Verein, der Sportler verschiedener Hautfarbe, Religion und Herkunft zusammenbringt, ohne Weiteres mit Leben füllen kann.

Warum also dieses Zögern?

Ich meine, weil sich der Verein gerade vor einen anderen Karren spannen lässt, möglicherweise ohne dies zu wollen. Es gibt in Sachsen wie in ganz Deutschland eine erhebliche Zahl an Menschen, die der Auffassung sind, die praktizierte Einwanderungspolitik (allgemein gesprochen) sei zu liberal und – und das dürfte der entscheidende Punkt sein – ein Bekenntnis zu diesen Selbstverständlichkeiten (ich unterstelle, die allermeisten wollen keine Gewalt gegen Ausländer und haben nicht per se etwas gegen andere Kulturen) würde den Focus von ihrem Anliegen „weniger bzw. kontrolliertere Einwanderung“ ablenken. Aus dieser Ecke kommen dann auch die lautesten Aufforderungen, man solle sich nicht „politisch“ äußern.

An den letzten Wahlergebnissen kann man ablesen, dass im Einzugsgebiet von Rasenballsport Leipzig ein nicht geringer Anteil diese politischen Ansichten teilt. Man muss kein Prophet sein, dass unter den RB-Anhängern auch einige Fans sind, die diese politische Meinung vertreten.

Es wirkt, als wolle der Verein krampfhaft versuchen, niemandem auf die Füße zu treten, um maximal viele potenzielle Fans zu erreichen und zu vereinen. Das ist im Grunde genommen auch in Ordnung, denn der Verein muss sich parteipolitisch in keine Ecke stellen. Es braucht unseres Erachtens auch keine populistischen Aktionen, wie diejenige des Präsidenten von Eintracht Frankfurt, der AfD-Mitglieder oder -Wähler aus dem Stadion vertreiben möchte. Dass dies nicht praktikabel ist, dürfte offensichtlich sein, schließlich steht niemandem auf die Stirn geschrieben, was er wählt.

Rasenballsport Leipzig übertreibt es an dieser Stelle in die andere Richtung: niemandem weh zu tun, egal wie weit er vom Grundkonsens entfernt ist, schadet mehr als dass es eine „Gewinnmaximierung“ darstellt. Ähnlich wie im Hinblick auf die Ausschreitungen während des Leverkusen-Spiels (siehe „Die Wahrheit liegt nicht immer in der Mitte„), so kann der Verein es auch hier nicht jedem recht machen wollen. Aber die Aussage: „Wir stehen zum Grundkonsens unserer Gesellschaft, ohne Wenn und Aber“, widerspricht in keiner Weise dem Anspruch, dass es jedem Fan frei steht, eine politische Meinung in dem von unserer Verfassung gesteckten Rahmen zu bilden.

Besonders traurig sind die Aussagen von Rangnick auch deshalb, weil er vor einigen Monaten bei „Sky90“ sich sehr klar gegen Rechtsextremismus ausgesprochen hat und in keinster Weise relativiert hat, Vereine sollten sich da heraushalten. Rangnicks persönliche Meinung kann man ihm abnehmen, er lebt diese Einstellung auch vor. Umso bedenklicher, wenn er nun als Vereinslinie Zurückhaltung ob dieser Werte und Normen propagiert. Die Frage muss erlaubt sein, wer im Verein dann diese „vorgeblich unpolitische Linie“ durchsetzt: Oliver Mintzlaff? Der Pressesprecher? Oder etwa Dietrich Mateschitz?

Wir meinen, dass der Verein aufpassen muss, dass seine unpolitische Linie von der Mehrheit in diesem Lande nicht am Ende doch als sehr politisch wahrgenommen wird und sich denjenigen anbiedert, die an anderer Stelle konsequente Absagen erhalten. Niemand erwartet, dass RB-Funktionäre auf Friedensmärschen mit Antifa-Fahne, DGB-Mütze und Linksparteiaufnäher oder was auch immer herumlaufen müssen. Was wir aber erwarten dürfen, ist gesellschaftliches Engagement  gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Gewalt, gegen Ausgrenzung. Das ist das Mindestmaß, was wir in diesem Land erwarten dürfen. Wir bedauern sehr, dass der Verein keinen Vertreter zur Podiumsdiskussion nach dem Theaterstück „Juller“, einem äußerst sehenswerten Theaterstück, das u.a. am „Theater der jungen Welt“ aufgeführt wird und sich mit der Geschichte der Nationalspieler Julius Hirsch und Gottfried Fuchs, die jüdischen Glaubens waren, beschäftigt, abgesandt hat.

Gleichsam gibt es auch in anderen Bereichen Nachholbedarf: wenn in einem Strafen-Glücksrad bei der 1. Mannschaft der Rasenballsportlern neben anderen Dingen auch das Tragen eines rosa Outfits oder eine Ballerina-Kostüms als Strafen definiert werden, dann vermittelt das ein seltsames Bild in unserer heutigen Zeit über den Umgang mit unterschiedlichen Geschlechterbildern und sexuellen Identitäten, deren Respektieren auch zu unserem gesellschaftlichen Grundkonsens gehören sollte. Der Rotebrauseblogger hat hierzu sehr eindrucksvoll dem Verein etwas ins Stammbuch geschrieben: https://rotebrauseblogger.de/2018/09/13/presse-13-09-2018

 

Nein, man muss es mit der „Political Correctness“ nicht übertreiben. Man muss auch keinen Überbietungswettbewerb machen, wer sich am besten gegen „Rechts“ engagiert. Das Kerngeschäft ist noch immer der Fußball. Dennoch steht der Verein aus unserer Sicht in der Pflicht klare Grenzen zu ziehen, wo der akzeptable Rahmen aufhört – und der ist aus unserer Sicht da zu ziehen, wo es um Gewalt oder den Aufruf dazu geht und darum an der Seite derjenigen zu stehen, die sich dem Erhalt des gesellschaftlichen Grundkonsenses verschrieben haben.

In diesem Sinne:  Nachsitzen, liebe Rasenballsportler!

Die Wahrheit liegt nicht immer in der Mitte

Das Spiel Rasenballsport Leipzig gegen Bayer Leverkusen war mehr als nur eine sportliche Niederlage, sie war ein Offenbarungseid der aktiven Fanszene, deren Konflikt um die Ausrichtung beim ersten „Montagsheimspiel“ in der Bundesliga aufbrach. Man ist gerne geneigt, eine vermittelnde Position einzunehmen, wie es beispielsweise unser Vorzeigeblogger „Rotebrauseblogger“ mit seinem Fingerspitzengefühl regelmäßig vormacht. Hier ist jedoch klare Kante gefragt, meinen wir Schwabenballisten. Die Wahrheit liegt nicht immer in der Mitte.

 

Die Ausgangslage:

Ende März lud ein Teil der sogenannten „aktiven Fanszene“ mit einwöchiger Vorlaufzeit zu einer Diskussion über die von ihr geplante Protestaktion gegen die Montagsspiele ein. Unsere Meinung zu den Protesten ist bekannt, wir haben sie in „Once upon a time I was falling in love“ einmal dargelegt. Ein öffentliches Statement sahen wir vor dem Spiel als nicht erforderlich an, zumal unsere Mitglieder selten in Block B anzutreffen sind.

In der Diskussionsrunde der „aktiven Fanszene“ wurde Einigkeit darüber erzielt, dass die Montagsspiele sehr weitgehend wegen fanunfreundlicher Anstoßzeiten abgelehnt werden (hier sind wir Schwabenballisten im Grundsatz d’accord), uneinig war man sich über das Protestmittel, eine einfache Mehrheit unter den Anwesenden stimmte für einen Stimmungsboykott.

Es entzündete sich erwartungsgemäß Kritik, zumal die sportliche Bedeutung des Spiels hoch ist. Naturgemäß entwickelte sich eine Gegenbewegung, die den Supportverlust durch das angekündigte Schweigen auffangen wollte. Soweit – so unspektakulär. Jeder entscheidet, ob und wann er supporten möchte, wir sind keine bezahlten Claqeure, die bei Arabella oder Hans Meiser mit Schildchen zum Klatschen animiert werden.

Berechtigterweise wurde im Vorfeld darauf hingewiesen, man möge unterschiedliche Meinungen respektieren und im Stadion gut miteinander umgehen.

 

Ein Rohrkrepierer

Im Stadion erwies sich der vorab groß angekündigte Boykott als Rohrkrepierer. Hinter dem Boykott stand eine Gruppe von wohlwollend geschätzten 150-200 Leuten, vorrangig an der Schwelle zur Volljährigkeit. Auf der anderen Seite mehrere Tausend anderer Fans, die angestachelt vom „Boykott“ mehr als üblich mitsangen.

Man darf die Frage stellen, warum es eines Boykotts der „Ultras“ bedarf, ehe die Mitmachquote im übrigen Stadion derart gut wird. Die Stimmung war jedenfalls hervorragend, für viele war die erste Halbzeit supporttechnisch die beste der gesamten Saison.

Die Boykottierer beließen es nicht dabei, den Support zu verweigern, stattdessen pfiffen sie in Trillerpfeifen, als ob die IG Metall einen Warnstreik in der Red Bull Arena ausgerufen hätte. Die Pfiffe richteten sich gegen den Support der übrigen Fans, selbst bei Ballbesitz der Rasenballsportler.

Traurig auch die Rolle der „Capos“, die die komplette erste Halbzeit schwiegen und denen das Gespür fehlte, dass die überdeutliche Mehrheit den Boykott ablehnte. Es fehlte hier die Größe, den Boykott einen guten Mann sein zu lassen und sich auf die Fankurve einzulassen. In diesem Zeitpunkt wäre der „Riss“ aus unserer Sicht zu kitten gewesen. Die Mehrheit hatte gesprochen.

Stattdessen versuchten die Boykottierer zu Beginn von Halbzeit 2 die Hoheit über den Support an sich zu ziehen. Die Capos stiegen in diesem Moment mit ein, die Kurve verweigerte die Gefolgschaft, es folgten Beleidigungen an die Kurve seitens des Capos, die vom Rest der Kurve mit Pfiffen quittiert wurden.

Die Stimmung aus Halbzeit 1 war dahin. Wirklich laut wurde es um die 85. Minute, als das gesamte Stadion das „Lipsia“-Lied, sozusagen den Inbegriff der Privatparty einer kleinen Minderheit, zum Anlass nahm, dem Team mit „Wir sind Leipzig“ Auftrieb zu geben. Ein Fakt, der von Seiten des Vereins goutiert wurde, sodass zwar innerhalb der Fanszene ein Riss entstand, der Verein sich aber ob der trotz Niederlage tollen Stimmung freute, was auch Eurosport fast mantraartig hervorhob, freilich ohne vom Konflikt innerhalb der Fanszene Notiz zu nehmen.

 

Der Verein muss Farbe bekennen

Nicht nur wir als Fanclubs sind nach diesem Spiel gefragt Farbe zu bekennen, auch RB muss sich positionieren, etwas, das dem Verein, der verständlicherweise im eigenen Umfeld möglichst wenig anecken will und unter anderem deswegen Politik scheut wie der Teufel das Weihwasser, schwer fällt.

In diesem Fall darf der Verein nicht neutral bleiben, wenn er nicht riskieren will, dass dauerhaft etwas zerbricht, was seit 2009 gewachsen ist. Der Verein sollte zur Kenntnis nehmen, dass die hier offenbar gewordene Spaltung nicht zwei in etwa gleich große Gruppen betrifft, die man beide befriedigen bzw. besänftigen sollte, sondern eine mindestens 90 %ige Mehrheit genervt ist, von den – böse gesagt – (spät)pubertären  Aktionen einer Ultragruppierung. Dem Verein sollte es ebenfalls nicht egal sein, dass die Capos nach diesem Spiel  ein erhebliches Glaubwürdigkeits- und Akzeptanzproblem haben dürften.

Wir haben das Interview unseres Machers Ralf Rangnick in der LVZ aufmerksam gelesen. „Ich halte unsere Fanszene für zu besonders und reflektiert, als dass sie einen solchen Stimmungsboykott abhält“, ließ er sinngemäß verlauten. Er sollte mit der Prognose recht behalten.

 

ABER:

Die Besonderheit einer reflektierten, selbstironischen und erfrischend anderen Fankurve ist nicht selbstverständlich, man muss etwas dafür tun. Aus unserer Sicht wächst eine Generation heran, die –  großteils auch altersbedingt – nicht aus eigener Erfahrung weiß, warum ein Verein wie RB Leipzig in Leipzig entstanden ist und warum es gerade dieses Vereins bedurft hat, um in dieser Stadt nicht nur sportlich etwas zu entwickeln, sondern auch die breite Masse an Menschen abseits bestimmter Subkulturen abzuholen und zu begeistern.

Wir erleben seitens eines besonders lauten Teils der Fanszene Tendenzen, wie wir sie bei anderen Bundesligavereinen auch sehen. Steuern wir hier nicht gemeinsam dagegen, erleben wir vielleicht auch, dass der besonders aktive Teil der Fanszene wie in Hannover dauerboykottiert, weil man bei einem bestimmten Thema kompromisslos ist. Oder wir ernten ähnliche Konflikte wie in Gladbach, wo wir bei unserem Gastspiel auch erleben durften, wie die „normalen“ Fans die Ultragruppe für ihre Anti-RB-Stimmungsboykott-Faxen gnadenlos auspfiff. Will man es auch irgendwann soweit kommen lassen, dass wie in Gladbach die Subkultur das eigene Team selbst nach Siegen auspfeift, Deutschlands beste Schiedsrichterin als „Hure“ beschimpft, u.v.m.?

Ich denke nicht, dass wir solche Zustände dauerhaft in unserem Wohnzimmer sehen wollen. Der Weg kann aus unserer Sicht nicht sein, dass wir zulassen, dass eine Ultraszene überproportional an Bedeutung gewinnt, sondern  beim Support die Wünsche der gesamten Fankurve Berücksichtigung finden.

„Aber die machen doch so tolle Choreos“, heißt es dann wieder. Ja, machen sie. Dafür gebührt den Organisatoren Respekt und Anerkennung. Aber Choreos sind kein Freibrief, der Mehrheit der Fans eine Meinung aufzuzwingen, diese – teilweise auch handgreiflich – anzugehen und wie selbstverständlich zu erwarten, dass man ihnen folgt.

Klargestellt sei, dass Handgreiflichkeiten nicht einseitig vorkamen und es ein wachsendes Problem mit einer Gruppe bestimmter politischer Gesinnung und wachsender Gewaltaffinität gibt. Auch hier gilt: wehret den Anfängen!

 

Konsequenzen ziehen!

Der Vorfall muss aufgearbeitet werden. An dieser Stelle großes Lob für die Reaktionen im Fanverband und die Bereitschaft, die Geschehnisse in einer zeitnahen Sitzung aufzuarbeiten.

Es gibt einige Stimmen, die meinen, man solle es „nicht überbewerten“ und weitermachen, als ob nichts geschehen wäre, den man könne nur einig auftreten. Ja, Einigkeit auf einem gemeinsamen Nenner ist nicht nur wünschenswert, sondern Grundvoraussetzung. Nicht zielführend ist aber, die Verursachungsanteile gleichzusetzen. Wir haben nicht zwei Blöcke, sondern augenscheinlich eine große, normale Fanbasis, die in Halbzeit 1 eine beeindruckende Reaktion gezeigt hat, und eine kleine aber laute Ultragruppe, die in eine gänzlich andere Richtung steuert.

An dieser Stelle kann man versuchen, alle einzufangen. Das möchten wir hier ausdrücklich nicht. Auch wenn wir uns an dieser Stelle unbeliebt machen, wir müssen „FaRBe bekennen“, und das wünschen wir uns auch vom Verein Rasenballsport Leipzig:

 

  1. Wir wünschen, dass der Verein mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ermittelt, wer für die Handgreiflichkeiten verantwortlich ist. Unabhängig vom Lager (Pro oder Contra Boykott) ist Gewalt ein No-go.
  2. Wir wünschen uns, dass der Verein klar Stellung bezieht, welche Art der Kommunikation Grundlage für einen Austausch mit dem Verein ist. Wenn eine Ultragruppe den Sprachgebrauch anderer Ultraszenen adaptiert, sollten die Alarmglocken angehen
  3. Wenn einzelne Fangruppen partout sich gegen die absolute Mehrheit im Fanblock stellen, muss man sich von bestimmten Gruppen trennen. Es ist ein Irrglaube, man könne alles und jeden mitnehmen, wenn man nirgendwo aneckt und alles unter den Teppich kehrt. Lässt man eine Ultragruppierung zu viel Einfluss nehmen, wenden sich mit der Zeit normale Stadionbesucher ab oder es gibt einen Dauerstreit wie aktuell in Gladbach
  4. Wir sollten uns – das gilt ausdrücklich auch für die Mehrheit der normalen Fans – darauf besinnen FÜR etwas zu sein und nicht erst aktiv zu werden, wenn es gegen etwas geht.- Das geht los mit Pfiffen gegen die Mannschaftaufstellung der Gegner. Früher war man kreativ und rief zu jedem Name „kaufen wir“, das hat Witz- Ein Gegner liegt sichtbar verletzt am Boden (wie gestern Wendell – gute Besserung an dieser Stelle), unser Block singt den Holzmichel. Ich schäme mich für sowas.

    – Ein Spieler mit schwarzer Hautfarbe (ich verrate Euch was, davon gibt es Abermillionen, die sind etwas ganz Normales) wird mit Affenlauten begrüßt. Warum wird da (es sind zum Glück bislang nur Randerscheinungen) nicht schneller eingegriffen?

  5. Die Capos haben eine unglückliche Figur gemacht. Ein „Weiter so“ funktioniert nicht. Wir wünschen uns, dass der Verein hier zeitnah das Gespräch sucht und versucht Wege zu finden, dass die Vorsänger die Interessen des gesamten Fanblocks und nicht einiger Kleingruppen zu vertreten.
  6. Choreos sind kein Freibrief, um im Block zu veranstalten, was man will. Choreos sollten wo es geht unterstützt werden, sowohl seitens des Vereins als auch seitens der Fanclubs, aber daraus darf kein Primat in der Fankurve erwachsen, dass eine besonders aktive Gruppe das Sagen hat. Hier ist auch der Verein gefragt, sich zu hinterfragen, ob er und seine Fanbetreuer in Fankreisen die richtigen Ansprechpartner suchen.
  7. Ein Fanverband ist das richtige Instrument, um bei unterschiedlichen Interessenlagen zu vermitteln und den gemeinsamen Nenner zu suchen. Die Gruppen, die gestern boykottiert haben, haben dem bestehenden Fanverband den Rücken gekehrt. Der Verein täte – insbesondere ob der gestrigen Vorkommnisse – gut daran, den Fanverband zu stärken. Wenn Rasenballisten, LECrats und Co. Einfluss nehmen wollen, steht ihnen das im Fanverband frei. Eine Politik à la „wer am lautesten schreit, bekommt am meisten“ ist kontraproduktiv.

 

Fazit

Es ist viel Porzellan zerschlagen worden. Auch die „Treukott“-Fraktion hat sich nicht überall mit Ruhm bekleckert. Aber wenn dieses Spiel etwas Gutes gehabt haben soll, kann der Schluss nicht lauten, ich tadele alle mit dem Gießkannenprinzip, es müssen konkrete Schlussfolgerungen gezogen werden, dass Partikularinteressen nicht das gemeinsame Ziel „Freude am Fußballspiel und Unterstützung von Rasenballsport Leipzig“ überlagern. Die große Mehrheit hat gestern demonstriert, dass sie genau das will. Das Zeitfenster ist offen, JETZT an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Verpasst man das Zeitfenster, sieht es hier bald aus wie in Aachen, Hannover oder Übelgönne.

Heimspiel – RB Leipzig zu Gast bei den Schwabenballisten

11.3.2018 – es war endlich soweit. Worauf wir seit 2009 gehofft hatten, ist nun Realität geworden: ein Spiel unserer Rasenballsportler in Stuttgart. Nun gut, in Liga 3 gab es bereits Auftritte im „Waldaustadion“ bei  der Zweitvertretung des VfB und den Stuttgarter Kickers. Letzteres war so etwas wie die Geburtsstunde der Schwabenballisten. Aber in RBL-Spiel in der „Mercedes-Benz-Arena“, einstmals „Neckarstadion“ genannt, ist schon eine andere Dimension. Dank des Wiederaufstiegs des VfB kam das Duell – wenn auch ein Jahr später als erhofft – zustande.

Sportlich ein wichtiges Spiel, vor dem Spieltag rangiert der VfB auf Rang 9, RBL auf Rang 6, der VfB im Aufwärtstrend seit dem Trainerwechsel, RBL mit drei sieglosen Spielen in Folge und der sicheren Niederlage gegen Bayern vor Augen unter Zugzwang, wenn der Zug in Richtung Europapokal nicht ohne die Rasenballsportler abfahren soll. Keine Frage, dass man das Team da unterstützen muss.

Zugegebenermaßen gab es vor dem Spiel Überlegungen das Spiel zu boykottieren. Die Rasenballsport Leipzig GmbH, die seit 2014 existiert, hat schließlich ein gewisses Standing und ein gewisses Maß an Tradition erreicht, nicht der Etikettenschwindel mancher Träumer, die „Tradition seit 2009“ propagieren, aber immerhin stramme Tradition seit 2014. Der Gegner und Emporkömmling, die „VfB Stuttgart 1893 Aktiengesellschaft“, die erst 2017 aus der Taufe gehoben wurde, kann selbstredend auf eine viel geringere Tradition zurückblicken. „Diese Neugründungen nehmen Traditionsunternehmen die Plätze in der Bundesliga weg! Das Traditionsunternehmen „FC Ingolstadt 04 Fußball GmbH“, Tradition seit 2013, zum Beispiel verlor den Startplatz an die Newcomer. Wir entschieden uns, diesen Punkt nicht überzugewichten, zumal der FCI älter als die Rasenballsportler sind und denselben Vorwurf an unsere Kicker richten könnte.

Blieb die Frage nach der Lauterkeit des Investors: die Daimler AG! Die VfB Stuttgart 1893 AG bezieht einen guten Teil des Etats von einem der Unternehmen, welches die Luft in der wunderschönen „Kesselstadt“ mit ihren Dieselfahrzeugen verschmutzt und laut Deutscher Umwelthilfe mitverantwortlich für zahlreiche vorzeitige Todesfälle ist. Auch dieses Thema wurde intern differenziert bewertet: wir entschieden uns, den Protest ins Stadion zu tragen, unser Vorsitzender fuhr mit der S-Bahn zum Spiel, um ein Zeichen gegen den Investor zu setzen!

Fehlende Luftreinhaltung scheint jedoch Teil der Vereinsidentität des VfB zu sein: das Parkleitsysten ist weit davon entfernt, kritikwürdig zu sein wie z.B. in Hoffenheim. Nein, in Stuttgart existiert es überhaupt nicht. Auf den Großparkplätzen fahren Autos kreuz und quer, niemand kommt voran, niemand kommt raus, „Deadlock“ auch zwei Stunden nach Spielende, eine Demo der Dieselfahrzeuge, wie man ihn zuletzt beim „Hochschulfreien Autotag“ des RCDS gesehen hat. Auch eine Möglichkeit die Stadt in den bundesweiten Schlagzeilen zu halten.

Nun gut, wir entschieden uns, das Spiel anzugehen und wollten uns nicht zuletzt für die mitgereisten Leipziger gute Gastgeber sein. Die Kurzfristigkeit der Ansetzung und unsere Boykottdiskussion führten dazu, dass wir uns erst recht zeitnah um ein Programm kümmerten, sodass die meisten Freunde des einzig wahren Rasenballsports aus Leipzig erst am Spieltag anreisten und unser Touristenprogramm für den Samstag noch ausbaufähige Resonanz fand. Wir hatten dennoch Glück und es fanden sich doch vereinzelte Fans als Vorhut, die mit uns am Vorabend des Spiels im Gasthaus „Trollinger“ ein sachgerechtes „Warmup“ feierten. Mit dabei auch das Maskottchen unserer Gäste, „Dubsch“.

Am Spieltag reisten die Schwabenballisten dann mit großer Kapelle an, Heimspiele ziehen eben! Unter den Aktiven auch zwei Neulinge aus Waldshut, die sich trotz der naheliegenden Konkurrenz der „Red Power Schweiz“ für die „Schwabenballisierung“ entschieden haben – sehr fein! Mit dabei ferner der „Hoffefan“, ein Anhänger des Traditionsunternehmens „TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs-GmbH“, die bereits seit 2005 seine Kunden begeistert. Nun mag der geneigte Kritiker des einzig wahren Rasenballsports hier keine Koinzidenz feststellen, schließlich gilt die TSG als Vorstufe zum Bösen, sprich RBL, dennoch kam der Besuch nicht ganz freiwillig, sondern auf Grund einer verlorenen Wette zustande. Zu Beginn der Saison 16/17 schlug der Hoffefan eine Wette vor, dass die TSG vor RBL landen würde. Davon war ich auch überzeugt, aber da niemand einschlagen wollte, hielt ich zur Ehrenrettung unserer Rasenballsportfreunde dagegen. Der Wetteinsatz: gewinnt der Hoffefan muss ich in den Hoffeblock bei TSG – VfB, gewinne ich, muss der Hoffefan in den RB-Block bei VfB – RBL. Das Ergebnis ist bekannt.

Fakt ist, der Hoffefan brachte uns verhältnismäßig viel Glück. Nun mag nicht jeder ein „Toilettenspiel“ (0:0) als Glück betrachten, aber die nüchternen Zahlen sagen: erstmals unter dem Hoffefan ohne Gegentor, der letzte Auftritt in Sinsheim war deutlich schlechter, es geht also aufwärts. Das Spiel behielt natürlich so manche Frage bereit:

  • Tut es Gulacsis krummem Finger nicht viel mehr weh die Bälle so miserabel zu fausten statt sie einfach zu fangen?
  • Haben Lukas Klostermann und Bernardo Flankenunterricht bei Christian „ich flanke jeden Ball ins Toraus“ Ziege genommen? (by the way: manches erinnerte an den Hans-Hubert-Vogts-Gedächtnisfußball)
  • Hat Bruma das Spiel mit dem aus der Grundschule bekannten Fangspiel verwechselt, wo man stillstehen muss, sobald einen der Ball berührt – zumindest solange bis ein Mitspieler durch die eigenen Beine kriecht?
  • Wurde eine Wette ausgelobt, wer sich die meisten Querschläger im Strafraum zutraut?

Okay, abgesehen davon, war es ganz ordentlich und RBL dem Siegtreffer gefühlt näher als die Newcomer der VfB AG. Unterm Strich aber wohl ein verdientes Resultat, welches den Frieden in so manchem Büro gewährleistet.

Wir haben nach der Partie unser Banner der feiernden Mannschaft präsentiert. Die entscheidende Frage: wer fühlt sich bemüßigt, Schwabenballisten-Ehrenmitglied zu werden, um uns einen vorzeitigen OFC-Status zu sichern? Bei Marvin „nothing comppers to you“ Compper ist es schon zu spät, bei Dome „(Ex-) Captain“ Kaiser bald vermutlich auch. Bliebe der „Toresohn“ Timo Werner, „Professor“ Ralf Rangnick oder Yussi Poulsen. Letzterer ist zwar kein Schwabe, aber mangels einer Vereinigung namens „Dänenballisten“ würden wir ihn ohne Weiteres einbürgern. Wie sagte er zuletzt: „Die RB-Fans lieben mich und ich liebe die RB-Fans“. Ja, Yussi, wir haben Dich sehr lieb! Deine Ehrenmitgliedschaft ist nur ein „Ja“ entfernt 😉

Unterm Strich hatten wir viele schöne Eindrücke vom ersten „Heimspiel“. Wir hoffen, liebe Rasenballsportler, wir waren ein guter Gastgeber. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung, vielleicht mit der Möglichkeit eines etwas größeren zeitlichen Vorlaufs. Eine gute Woche – und dann macht bitte das Unmögliche möglich und gebt den „Buyern“ eins auf die Nuss.

Eure Schwabenballisten.

Once upon a time I was falling in love …

… but now I’m only falling apart, there’s nothing I can do, a total eclipse of the heart (aus „Total eclipse of the heart“ v. Bonnie Tyler)

Nein, so schlimm ist es nicht, die Liebe für den einzig wahren Rasenballsport glüht noch immer. Aber etwas Wehmut kommt ob der aktuellen Situation auf.

„Kaum gibt es ein paar sieglose Spiele am Stück, schon jammern die Erfolgsfans“

Nein, liebe Nicht-RB-Fans, die sportliche Situation bereitet mir und uns allen keine Kopfschmerzen. Während dem Spiel ärgern wir uns, verfluchen unsere Schwäche bei Standardsituationen und vieles mehr, aber wir sind vor allem eines: dankbar, dass wir überhaupt in diesen Sphären spielen dürfen. Der sportliche Aufstieg ging schnell, möglicherweise an manchen Stellen zu schnell, da sind Rückschläge zwingend.

Nein, sportlich läuft es gefühlt eigentlich noch viel zu gut. Was mir wirklich Kopf- und Bauschmerzen bereitet, ist die Entwicklung der Fanszene.

„Beim Marsch durch die Institutionen wird man zum Arsch durch die Institutionen“ (Das „Känguru“ nach Marc-Uwe Kling)

Es war eine Utopie: in einer Stadt mit mehreren Vereinen, die aus unterschiedlichen Gründen, meist sportlichen oder betriebswirtschaftlichen Fehlern, an der Etablierung im Profifußball gescheitert sind, deren Fanszenen als problematisch, politisch radikalisiert und auf die Vereinspolitik bestimmenden Einfluss nehmend galten, wollte man ein Gegenmodell errichten:

  • ein Investor wollte Geld einbringen, um die betriebswirtschaftliche Seite anzukurbeln
  • ein Verein wurde konstruiert, dessen Aufbau sicherstellen sollte, dass wirtschaftsfremde Erwägungen die Entscheidungsprozesse nicht beeinflussen
  • Fußballanhänger kamen zusammen und schlossen sich zusammen, weil sie Lust auf aufstrebenden Fußball und Stimmung ohne politische Instrumentalisierung hatten

Eine etwas überschlägige Betrachtungsweise zugegebenermaßen. Aber am Anfang stand ein spannendes Projekt, das zunächst eine kleine, später größer werdende Gruppe Fußballbegeisterter anzog. Der neue Verein wurde für die Platzhirsche und deren Fanszenen zum Feindbild, die Fans Ziel von Beleidigungen und Schmähungen. Die Reaktion darauf war wunderbarerweise nicht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, selbst zu beleidigen, Fans anderer Vereine aufzulauern und eine Abreibung zu verpassen, sondern das Herausbilden der wunderbaren Fähigkeit, solche Schmähungen an sich abperlen zu lassen und ein selbstironisches Selbstverständnis zu entwickeln.

Die Gästekurve singt „Bullenschweine“, wir stimmen mit ein: „Bullenschweine“. Entwaffnende Ehrlichkeit. Wir haben uns mit dem angeblich größten Sündenfall der deutschen Fußballgeschichte eingelassen? So what! Wir stehen dazu. Aus diesem Selbstverständnis heraus erwuchs auch DER Fangesang, der wie kein zweiter dieses Selbstverständnis auszudrücken vermag:

„Wir sind Schweine,
Rote-Bullen-Schweine,
wir zahlen keinen Eintritt
und trinken Champagner statt Bier“

Der wichtigste RBL-Podcast trägt passenderweise noch immer den Namen „Champagner statt Bier“. Nirgendwo drückt sich besser aus, dass wir über uns selbst lachen können und uns selbst nicht zu wichtig nehmen müssen.

Warum ich RB-Fan geworden bin, hat viele Gründe. Der greifbarste war jedoch sicherlich, dieses Lied zum ersten Mal nicht nur am Fernseher zu hören, sondern im Fanblock selbst mitzusingen. Bei den Schwabenballisten habe ich viele Weggefährten getroffen, die ähnlich ticken und diese Selbstironie teilen und lieben.

Ein paar Jahre später hören wir dieses Lied, das für mich Teil der Fan-DNA ist, fast überhaupt nicht mehr. Das hat Gründe und ist Symptom und Ursache zugleich: Innerhalb einer Fanszene bilden sich stets unterschiedliche Strömungen heraus. Das ist wichtig, denn insbesondere für den aufstrebenden Verein ist es wichtig, dass eine wachsende Zahl an Fans sich so tief identifiziert, dass man die immer weiter werdenden Auswärtsfahrten mitmacht. Früher war es Bautzen, später Freiburg, heute Porto oder Neapel. Ein harter Kern bildet sich heraus, der auch beim Anheizen der Stimmung vorangeht. Soweit – so gut!

Je größer und bedeutender ein Verein wird, desto größer ist aber die Attraktivität für Zuschauer, die den ursprünglichen Ideen nichts abgewinnen können oder gar konträr gegenüberstehen:

  • Der Wunsch Einfluss auf die Entscheidungen des Vereins zu nehmen wird größer
  • Politische Auseinandersetzungen werden stärker thematisiert
  • Der Vergleich mit anderen Fanszenen wird gesucht

Der entstehende Konflikt mit den übrigen Fans ist nicht neu. Diskussionen über das langweilige „Lipsia“-Lied, dass von den Capos und einigen RB-Ultras heiß geliebt wird und so einschläfernd ist, dass ich meine Tochter damit perfekt in den Schlaf singen kann, gibt es schon seit Ewigkeiten. Aber während in den Vorjahren ein gewisses Maß an Abwechslung geherrscht hat, stellte sich mir bei den diesjährigen Stadionbesuchen (abgesehen vom großartigen Dorfmerkingen-Spiel) das Gefühl ein, dass die breite Masse im Stadion nicht mitgenommen werden soll und aktivierende Lieder wie „Wir sind Schweine“ komplett aus dem Kanon gestrichen werden.

Warum ist das so? Ich meine, es liegt am Selbstverständnis, dass die aufkeimenden RB-Ultras sich nicht mehr selbstironisch und mit einer gewissen kritischen Distanz zum eigenen Fandasein mit der Sache auseinandersetzen, sondern

a) den Support bzw. die eigene Sicht des Supports extrem ernst und wichtig nehmen
b) nach Anerkennung durch andere Fanszenen heischen.

Festzumachen ist dies jüngst am Zankapfel der Montagsspiele. Vorab: wir sind bei den Schwabenballisten unisono der Auffassung, dass die Einführung der Montagsspiele in der Bundesliga Quatsch ist und der Nutzen zum verursachten Schaden in keinem angemessenen Verhältnis steht. Die Frage ist: wie geht man mit der Frage um? Eine Fangruppe bei RB wollte sich dem Protest der übrigen Fanszenen, deren übrige Begehren sich im Wesentlichen gegen die Existenz von Rasenballsport Leipzig und seiner Anhänger richten, anschließen und rief einen 12-minütigen Stimmungsboykott für das Spiel gegen den HSV aus. Das Thema wurde kontrovers diskutiert, im Fanverband sprach sich eine Mehrheit gegen den Stimmungsboykott aus. Teile der aktiven Fanszene riefen dennoch dazu auf, sich an dem Stimmungsboykott zu beteiligen. Soweit kein Problem, im Stadion muss jeder wissen, wann er anfeuern will und wann nicht. Ich halte von solchen Boykotten nichts. Ich will Fußball schauen und mein Team (welches für die Ansetzungen nichts kann) unterstützen.

Problematisch wird es, wenn begonnen wird, diejenigen, die sich gegen den Stimmungsboykott ausgesprochen haben, im Stadion anzufeinden. Die ReBellen2.0 haben dazu „Erfahrungsberichte“ gepostet, auf die ich insoweit verweisen möchte.

Der Aktionismus geht weiter: die Rasenballisten boykottieren das Montagsspiel in Frankfurt. Man darf gespannt sein, ob diejenigen, die trotz Boykott in Frankfurt weilen, geteert und gefedert werden. Es soll jeder entscheiden, wann und wo er hinfährt. Ich kann jeden verstehen, der sich ein Spiel am Montag Abend nicht antun kann und/oder will. Aber ich möchte nicht, dass unsere Fanszene ihre Wurzeln vergisst und auseinanderbricht, nur weil sich einige aktive Fans Anerkennung bei Ultras sogenannter „Traditionsvereine“ erarbeiten wollen, die sie als Fans von Rasenballsport Leipzig ohnehin nie bekommen werden.

Genausowenig brauchen wir die andere Tendenz, dass sich rechtsgerichtete Fans in der Fanszene breit machen und mit „Erfahrungen in anderen Ostkurven“ (was auch immer das für eine Auszeichnung sein soll) prahlen und sich als prügelnde Vorhut als Beschützer der RB-Fans aufspielt.

Ich glaube, dass sowohl wir als Schwabenballisten intern eine andere Vorstellung von Fankultur haben als auch die große schweigende Mehrheit der RB-Fans. Es wird Zeit, dass wir dafür aufstehen, was unsere Fanszene besonders gemacht hat. Es mag sein, dass das „Konstrukt“ Rasenballsport auch anderswo hätte konstruiert werden können, ich will allerdings keinesfalls Teil einer austauschbaren Ultrakultur werden, sondern unsere originäre Fan-DNA behalten.

In dem Sinne TREUKOTT für eine selbstironische Fankurve!

Auf nach Porto oder wie ein Versprechen schneller eingelöst wurde, als gedacht

2 Mitglieder der Schwabenballisten erleben ihr erstes Champions League Spiel im Stadion in Porto. Zusammen mit einem kurzen Spielbericht könnte man es auch recht kurz halten. Aber wie sollte es auch anders sein – es war was echt Besonderes.

Um den richtigen Einstieg in die Reise zu finden, muss ich etwas zurückblicken.

Wir haben den 10.05.2014.

RB Leipzig ist noch 9 Tage entfernt vom 5. Geburtstag. Der ganze Tross der Leipziger gastiert auf der Waldau in Stuttgart. Wir haben das Spiel gegen die Stuttgarter Kickers und der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist sicher. Während des Spiels gab es neben der Entscheidung, die Entwicklung von RB als Fan zu begleiten ein kleines Versprechen.

Am Ende eines schönen Spiels schaut mich mein kleiner Sohn an und fragt:

„Papa, wenn RB irgendwann mal CL in Madrid oder Barcelona spielt, dann fliegen wir doch hin, oder?“

Tja, nicht ahnend, wie schnell das eintreten könnte, kam mir nur ein „Davon kannst Du ausgehen. Das machen wir zwei auf jeden Fall – versprochen!“

Nicht mal dreieinhalb Jahre später machen wir uns also auf den Weg, die Champions League auf der Iberischen Halbinsel als Fans von RB Leipzig zu begleiten. Es wurde nicht Barcelona oder Madrid, es wurde Porto. Das zweite CL-Auswärtsspiel von RB überhaupt.

Ich muss jetzt nicht erwähnen, dass dem Sohn es im Jubel über die Karten für das Spiel reichlich egal war, dass er eigentlich ein Spiel in Spanien wollte. Naja, man muss ja nicht kleinlich sein. 😉

So oder so. Die Reise wurde geplant. Eine Fanreise, veranstaltet durch RB, kam aus Kostengründen definitiv nicht in Frage. 600€ pro Kopf? Geht’s eigentlich noch?

Am Mittwoch den 01.11. also mittags runter nach Porto. Am Flughafen Stuttgart dann die erste Überraschung: Neben einigen Leipzigern mit Zwischenstopp trafen wir auf eine kleine Truppe Stuttgarter, mit dem gleichen Ziel. Falls die das hier lesen: Meldet Euch!

In Porto angekommen mit der Metro zum Stadion, kurz das Hotel besucht und ab ins Stadion. Ein ziemlich schönes Ding. Ein bisschen viel Beton drumrum, aber wirklich hübsch. Nach dem obligatorischen Erwerb eines Begegnungsschals im Fanshop des FC Porto, einem Bierchen im Fanlokal mit dem Spiel in der Youth League ging es direkt wieder raus – Atmosphäre aufsaugen.

Mal abgesehen davon, dass eineinhalb Stunden vor dem Spiel sich Schwarzmarkthändler und Bierverkäufer die Beine in den Bauch stehen, kam es zu ein paar netten Gesprächen mit Leipzigern und Einwohnern aus Porto. Insgesamt sehr viel Interesse von portugiesischer Seite. Das Leipzig 600.000 Einwohner hat, kam für alle überraschend.

Irgendwann ging es mit sehr viel Polizei zum Eingang. Mit Kind ging’s schneller. Die Eingangskontrolle war sehr intensiv – mehr physische Zuneigung bekommt ein Kobe-Steak bei der Zubereitung auch nicht.

Drinnen kamen dann auch irgendwann die Portugiesen. Laut war allerdings nur der Stadionsprecher. So richtig südländisch halt. Wenn die Portugiesen mal sangen, war das sehr melodisch. Klang gut.

Über das Spiel will ich nichts schreiben. Es ist alles gesagt. Es war schlecht von Leipziger Seite. Die Spieler vom FC Porte wirkten in den Zweikämpfen immer doppelt so groß, 3x so schwer und 4x so schnell. Verdiente Niederlage halt.

Für den Sohn war alles so aufregend, dass er sich im Bahnhof auf die Schuhe eines voll bewaffneten Polizisten übergab. Der nahm das extrem gelassen – wir alle waren ja wirklich nette Auswärtsfans!

Die eigentliche Reise begann allerdings am nächsten Tag.

Geplant war der Flug über Madrid nach Stuttgart. Das sollte dank Iberia allerdings nicht mal im Ansatz funktionieren.

Nach dem Check-In kurz noch gefrühstückt und dann ab zum Gate. Ab diesem Zeitpunkt reden wir nicht mehr über die Zeit. Irgendwann durften wir in die Busse zum Flugzeug. Bei Regen. Woran wir das erkannten? Das Wasser lief durch einen etwa 70cm langen Riss im Dach. Kategorie „Sehr schwierig“.

Im Flugzeug – einem schmalen Regionaljet – durften wir noch 60 Minuten einfach nur rumsitzen. Die Rollstühle von Mitgliedern einer spanischen Nationalmannschaft (vermutlich Boule) passten nicht in den Laderaum. Ziemlich viel Aufregung – wenig Bewegung. Mit knapp 2h Verspätung ging es los und der Anschlussflug war damit sehr knapp erreichbar. Der Versuch, die Crew zu überzeugen, in Madrid Bescheid zu geben scheiterte an sprachlichen Herausforderungen – die sprachen schlicht kaum Englisch! Das war schon schräg.

In Madrid angekommen durften wir nach einem Sprint über einen knappen halben Kilometer durch den Flughafen zusehen, wie sich das Gate schloss. Die Boarding Crew konnte nicht überzeugt werden, das Ding wieder zu öffnen. Als Alles definitiv durch war, tauchten weitere 20 Fluggäste am Gate auf. Ab diesem Punkt war der Crew klar, dass sie gerade einen ziemlich teuren Fehler begangen hatten. Die daraus resultierenden Umbuchungen für die Übernachtung in einem Hotel direkt am Trainingsgelände von Real Madrid und die Flüge mit Lufthansa und Co. gingen ordentlich ins Geld. Da wir eh nicht mehr vernünftig nach Stuttgart gekommen wären, durften wir direkt nach Berlin umbuchen. Den Junior freute es und er unterrichtete seine Schulkameraden über jeden Schritt der Reise. Die waren anfangs ein wenig ungläubig, aber er konnte sie ja mit ausreichend Bildmaterial versorgen.

Die Übernachtung war fantastisch – Getränke und Essen wurden von Iberia übernommen. Wir konnten uns entspannen. Wir nutzten die Zeit und ergatterten noch 2 der letzten Karten für das Heimspiel gegen Hannover 96.

Am nächsten Morgen zu nachtschlafender Zeit zum Flughafen und dann mit einem wirklich alten Airbus nach Berlin – mir dröhnen heute noch die Ohren. In Deutschland war dann wieder alles halbwegs normal bis auf den Umstand, dass wir rein klamottentechnisch irgendwie nur auf Donnerstag eingerichtet waren ;).

In Leipzig am Samstag dann ein wirklich schönes Spiel gesehen, viele Bekannte getroffen, schön gefeiert. Wir haben es genossen.

Am Sonntag mit der Bahn zurück – die Sachen waren mittlerweile gewaschen. In Mannheim dann die wirklich letzte unerwartete Situation. Wir stehen da so rum und ich war etwas erstaunt, dass auch in der ersten Klasse die Leute im Gang standen. Die Erklärung: Vor uns war wohl ein Zug liegengeblieben. Die Fahrgäste mussten also wechseln. Nach etwa 15 Minuten eine Durchsage, die ich wirklich nicht mehr vergessen werde:

„Liebe Fahrgäste. Unser Zug erhält von der Leitstelle keine Abfahrerlaubnis, weil wir mit 210% überladen sind. Wir bitten die Fahrgäste an den Türen und in den Gängen den Zug zu verlassen. Jeder, der den Zug verlässt erhält sofort an der Information 25€ in bar.“

Nach weitern 10 Minuten und mit freundlicher Unterstützung der DB Sicherheit konnte der Zug geräumt werden. Das war echt komisch.

Das war also unser erster Ausflug auf das internationale Parkett. Wenig Fußball, viel Kultur, viel gesehen, viel gereist. Ich bin sehr dankbar, dass ich das alles zusammen mit RB und vielen tollen Fußballfans erleben konnte. Der Junior spricht heute noch vom Erlebten. Für beide unvergesslich.

Bruscht(ring) raus fürs „Derby“

Seit wir Schwaben uns im Zeichen des einzig wahren Rasenballsports zusammengefunden haben, fiebern wir diesem Tag entgegen. Am Samstag ist es endlich soweit, unsere Rasenballer spielen gegen den „schwäbischen Rivalen“ VfB Stuttgart. Ein besonderes Spiel auch deshalb, weil wir unisono den VfB für seine tolle Arbeit in der Region und die Integrationskraft schätzen und einige neben RB-Fans auch veritable VfB-Fans sind.

Kann man zwei Herren dienen? Man kann, zumindest sehen es die „Schwabenballisten“ so, denn Begeisterung für unsere Leipziger Jungs schließt Begeisterung für andere Teams nicht aus. Wir sehen uns in diesem Zusammenhang als Überwindung verengter Strukturen, die nur das „Wir gegen die“ kennt.

Am Samstag also Leipzig gegen Stuttgart – und mithin die Frage, wieviel VfB denn im Leipziger Emporkömmling steckt. Zahlreiche Spieler haben eine VfB-Vergangenheit, allen voran Topstürmer Timo Werner, aber eben auch Philipp Köhn oder Marvin Compper, ganz zu schweigen von Ehemaligen wie Rani Khedira oder „Jo“ Kimmich. Noch wichtiger vielleicht das Masterbrain im Hintergrund, Ralf Rangnick, und sein Team um schwäbische Tüftler wie Frieder Schrof, Helmut Groß und den leider in dieser Woche viel zu früh verstorbenen Thomas Albeck.

Thomas Albeck soll in diesem Zusammenhang nochmals besonders gedacht werden – ein großartiger Nachwuchstrainer, der nicht nur zahlreiche Nationalspieler geformt hat, sondern auch wichtige Strukturen mitbereitet hat, von denen der deutsche Fußball heute profitiert. Danke, Thomas, wir werden Dir ein ehrendes Andenken bewahren.

Zurück zum Thema: der schwäbische Einfluss auf RBL ist groß, der Schwabe ist sozusagen der eigentliche Geburtshelfer des Leipziger Aufschwungs. Umgekehrt steckt im VfB aber auch in gewissem Maße Leipzig, weniger personell als von der Grundausrichtung her. Traut man den Worten des VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich, so hat der VfB 2.0 durchaus Anleihen bei den Rasenballsportlern. Nach dem Abstieg wurde konsequent auf junge, entwicklungsfähige Spieler gebaut, mit Hannes Wolf ein dazu passender Trainer verpflichtet. Ziel ist es, im Nachwuchsbereich deutschlandweit wieder die Nummer 1 zu werden, wobei man ähnlich wie Ralf Rangnick bei qualifiziertem Personal ansetzen möchte.

Es könnte mithin harmonisch sein, wenn man den „Nebengeräuschen“ nicht zuviel Raum zugesteht. Die Stellungnahme des „Schwabensturms“ unter der Woche hat zwar für  Erheiterung gesorgt, aber mehr Raum gebührt den Extremisten nicht. Interessanter wäre da ein kleines „Recap“ zu unserem „ersten Kritiker“, den wir etwas generalisierend „Fritzle Saitenbacher“ genannt haben.  Ein Kennenlernen im „Real Life“ steht noch aus, es wäre interessant, was unser Kritiker heute über uns Anhänger des einzig wahren Rasenballsports denkt und ob sich manch ein Vorurteil im persönlichen Gespräch nicht zerstreut.

Vielleicht wäre das „Derby“ ja eine gute Gelegenheit, sich zu treffen. Während es für das Hinspiel vielleicht zeitlich zu knapp wäre, schlage ich das Rückspiel in der „Mercedes-Benz-Arena“ vor. „Fritzle“, melde Dich einfach!

Unterm Strich bleibt es das Duell eines jungen Vereins, der die Jugend auch offen kultiviert und sich betont anders bzw. modern gibt, und einem Verein, der seine lange Tradition pflegt, Erinnerungen an große Zeiten kultiviert und mit den Anforderungen an die moderne Zeit versöhnen möchte. Sehen wir es als unterschiedliche Ansätze, um des Deutschen liebsten Spiel nach vorne zu bringen.

A propos nach vorne bringen: am Dienstag durften wir den ersten Champions-League-Sieg feiern und dürfen wieder realistisch von einem Einzug ins Achtelfinale träumen. Nette Parallele zum VfB: auch die schlugen sich in ihrer CL-Debütsaison mehr als achtbar. Einige Schwabenballisten dürfen nun für sich reklamieren, beim ersten Sieg im internationalen Wettbewerb dabeigewesen zu sein. „Wir sind dabei, wenn Geschichte geschrieben wird“ oder vielleicht besser gesagt: „Wir schreiben an der Geschichte mit“.

Womit wir bei der aus meiner Sicht schönsten Facette an RBL und den Schwabenballisten sind: wir gestalten mit, wir sind dabei, wo etwas entsteht und wir haben es in der Hand, etwas Gutes daraus zu machen. In diesem Sinne wünschen wir allen Schwaben und denen, die es werden wollen, ein tolles Spiel am Samstag. Möge der Bessere gewinnen. Und mögen wir anschließend gemeinsam ein Bierchen trinken!

Endlich wieder Fußball

Sie war lang, sehr lang, diese fußballlose Zeit – oder besser gesagt „die Zeit ohne Pflichtspiele mit RBL-Beteiligung“, schließlich brachte der Sommer Jogis Jungs, diverse U-EMs und europäische Qualispiele, die dem Schwesterclub der Rasenballer eine Jubiläumsfolge des täglich grüßenden Murmeltieres namens „Quali-Scheitern“ bescherten. Aber so richtig los geht es doch erst, wenn der einzig wahre Rasenballsport wieder um Punkte respektive das Weiterkommen kämpft.

Das erste Pflichtspiel führte zum Pokalspiel gegen Dorfmerkingen nach Aalen. Bei uns war richtig Zugkraft dahinter, knapp 20 Mitglieder waren unterwegs. Vor dem Spiel gab es im Vereinsheim des TSV Essingen einen ersten Treff inklusive Vereinssitzung. Die Themen in Kurzform:

  • Die Zahl der Schwabenballisten wächst, das Verbreitungsgebiet auch
  • Eine neue größere Zaunfahne für die RBA ist geplant, das bisherige Banner soll künftig nur auswärts verwandt werden
  • Die Anschaffung von Fanschals ist geplant
  • reger Kontakt mit RBL bzgl. OFC-Antrag
  • die Schwabenballisten sind Gründungsmitglied des neu gegründeten Fanverbandes
  • es soll eine Weihnachtsfeier oder eine Saisonabschlussfeier ins Auge gefasst werden

Im Stadion in Aalen herrschte dann prächtige Ballistenstimmung. Neben dem Spiel auf dem Rasen machte vor allem die angenehme Stimmung auf den Rängen Freude. Höhepunkt war die Sequenz, als die Heimfans den Wechselgesang „RBL“ anstimmten und wir mit „SFD“ antworteten. Ein Fingerzeig, dass Fußball und Stimmung auch ohne Hass möglich ist.

Nein, wir brauchen nicht jedes Mal „Wattebäuschchenstimmung“, es darf auch gerne etwas Rivalität sein. Die Stimmung in Aalen resultierte sicher aus der Besonderheit des Spiels für den Amateurverein und der damit verbundenen Festtagsstimmung. Aber zumindest mag man mitnehmen, dass Stimmung nicht von der Abneigung gegen den Gegner lebt, sondern davon, was ich meinem Verein mitgeben möchte.

Wie es anders geht, zeigte der „Malocherclub“ aus Gelsenkirchen, deren Fans dem Vernehmen nach im Sinne des Arbeiters wahlweise an der North-Stream-Pipeline des Ex-Kanzlers und Schalke-Fans Gerh … (war da nicht was mit so nem anderen Ruhrpottverein?) … egal, also arbeiten oder im Dienste des obersten Gazprom-Dienstherren Informationsdienstleistungen zur Bundestagswahl erbringen. Ob nun Pipelinebauer oder Informationsdienstleister – eine Gruppe Einheimischer machte Jagd auf RB-Fans von den „Osttirol Bulls“, entwendete deren Banner und sorgte für einen ungefragten Krankenhausaufenthalt. Für machen, der die „Fußballkultur“ hoch hält, mag das erstrebenswert sein, wir wollen sowas nicht! (Gilt übrigens auch für die eigenen Reihen, Stichwort „LE United“).

Obiges Zitat haben wir aus dem Zusammenhang gerissen, dem guten User „Sportkultur“ ging es nicht um kloppende Kumpels, sondern um Pfiffe im Stadion. Ja, soweit ist die Kulturberichterstattung gekommen. Am letzten Sonntag feierten zahlreiche Schwabenballisten das Saisondebüt in der Red Bull Arena. Der Gast aus dem Breisgau war mit 0:1 in Führung gegangen und um die 30. Spielminute waren doch tatsächlich Pfiffe zu vernehmen. Der größte Streit der Bundesligageschichte brach nun über die Frage hinein, aus welchen Grund RB-Fans denn pfiffen. Sollte doch tatsächlich ein eigener Spieler ausgepfiffen worden sein? Oder der zeitschindende SCF-Keeper? Oder der Rotebrauseblogger, der die #KissCam nicht mag? Wir werden es wohl nicht auflösen. Beachtlich jedoch, dass tatsächlich nur sporadische Pfiffe für den Sportkulturellen der Masterindikator für die Bewertung einer Fanszene sind.

Wer den Unterschied in der Stimmung in Leipzig im Vergleich zu vielen anderen Stadien in Deutschland auf Grund dieses Indikators nicht unterscheiden kann, hat entweder ein enges Prüfinstrumentarium oder schlichtweg nicht hingeschaut. In der Vorwoche durften wir ein Publikum erleben, das sich in erster Linie an Timo Werner abarbeitete, den Gegner beschimpfte und bepöbelte und in dieser Woche soll es tatsächlich Pfiffe ob Spielstand, Leistung, Fehlpass oder whatever gegeben haben. Gut dass Herr Reese nicht Historiker für den 2. Weltkrieg geworden ist …

Gut, dass die kulturelle Frage dann doch ein Randaspekt blieb und Timo Werner und Co. das Spiel drehen und Bruma mit einem potenziellen Tor des Jahres das Sahnehäubchen servierte. Dazu ein Augustin, der nicht nur dank seines in die sächsische Sprache hervorragend übertragbaren Namens gleich die Herzen erwärmte.

Was gibt es ansonsten Neues? Unsere Leipziger Exil-Schwaben #Patrick und #Marvin sind an einem tollen Podcast-Projekt namens „Straffraum“ beteiligt. Wir haben ihn hier verlinkt (KLICK), hört einfach mal rein und gebt unseren Jungs gerne Anregungen.

Neuland ist auch das Internet … ähm, verzeihe, die Champions League natürlich. Letzten Donnerstag die fürstliche Auslosung im fürstlichen Monaco mit „fairgleichsweise“ machbaren Gegnern. Istanbul, Monaco, Porto. Während für das erste Reiseziel wenig Begeisterung besteht, zumal „Knasterfahrung“, die am Bosporus drohen mag, nichts wäre, was wir zum Rühmen bräuchten. Da sind die Ziele in Südfrankreich und Portugal doch deutlich charmanter. Wir haben bereits Reise- und Unterkunftsmöglichkeiten gecheckt und werden wohl beide Spiele mit einer Abordnung besuchen.

Traumlos Dorfmerkingen

Heimspiel für die Schwabenballisten!

Schon zum Abschluss der letzten Saison war die Freude groß. Durch den Aufstieg des VfB Stuttgart steht bereits fest, dass es in der Bundesliga zum ultimativen „Schwabenderby“ zwischen dem zweiterfolgreichsten schwäbischen Verein und dem erfolgreichsten [bezogen auf die jüngere Vergangenheit 😉 ] kommen wird.

Manch Bruschtring-Träger wird die Derbynatur sicher bestreiten, aber für uns Schwabenballisten steht das besondere Flair der Begegnung dank unserer regionalen Nähe und der vielen Schwaben in Reihen des einzig wahren Rasenballsports fest.

Freude auf beiden Seiten kam nun auch im Rahmen der DFB-Pokal-Auslosung auf, nachdem bereits vor Ligabeginn ein Besuch RB Leipzigs mit Schwabenländle fix gemacht wurde. Die Reise führt auf die Ostalb zu den Sportfreunden Dorfmerkingen. Bei der Ziehung des Loses brach im dortigen Vereinsheim spontaner Jubel aus, die im Sportschaustudio befindliche Delegation war ebenfalls sichtlich begeistert, für Torwart Zech war es sogar das Traumlos schlechthin, trifft er doch als Dorfmerkinger Kapitän auf seinen ehemaligen Teamkollegen aus Gmünder Tagen, Dominik Kaiser, der vielleicht RB als Kapitän aufs Feld führen wird. Wäre in jedem Fall eine schöne Geschichte.

Derartige Freude ist noch nicht die Regel, so mancher Verein verbindet mit RBL eher Fanproteste, Finanzdoping und wenig Zuschauer. Die Interviewpartner aus Dorfmerkingen verbanden dagegen mit dem Los Leipzig einen attraktiven zugkräftigen Gegner, der vergangene Saison herausragenden Fußball gespielt habe. Wohltuend hebt man sich von manch anderem Verein auch dadurch ab, dass man im Vorfeld offen kommuniziert, dass man Proteste gegen RB nicht mit dem Verein Sportfreunde Dorfmerkingen verknüpft sehen möchte. Vielleicht wird ja auch der Hashtag #Blitzmerkingen noch trenden, wenn andere Vereine auf den Trichter kommen, dass Rasenballsport Leipzig doch ein ganz interessanter und handhabbarer Gegner ist.

LINK zum Beitrag der SWR-Mediathek

Dem eingeweihten Schwaben sind die Sportfreunde keine Unbekannten. 1997 stiegen sie in die Verbandsliga Württemberg auf und machten im Folgejahr sensationell den Durchmarsch perfekt Zudem qualifizierte sich der Verein für den DFB-Pokal, wo man die Stuttgarter Kickers zugelost bekam und sich beim 0:3 anständig gegen den damaligen Zweitligisten verkaufte. Das Intermezzo in der Oberliga dauerte für den Clubs aus dem knapp 1000-Seelen-Ort zwar nur ein Jahr, dennoch waren die Sportfreunde nunmehr dem Fußballkenner ein Begriff.

Der Aufstiegstrainer von damals, Helmut Dietterle, Ex-Profi beim VfB Stuttgart, legte eine recht beachtliche Karriere hin und war als sportlicher Leiter am Höhenflug des VfR Aalen beteiligt, der dabei auch mit unseren Rasenballsportlern in der zweiten Liga die Klingen kreuzte. Nach seiner Rückkehr führte er die Sportfreunde zum Landesligatitel zurück in die Verbandsliga und zu einem sensationellen WBV-Pokal-Triumpf im Endspiel gegen die 3 Ligen höheren Stuttgarter Kickers. Chapeau!

Es sind diese „David vs Goliath“-Geschichten, die den Pokal so besonders machen. Vielleicht muss RBL als nächster daran glauben. Wer wäre angesichts der Pokalpannenserie des Ralph Hasenhüttl und der RB-Pokalhistorie, die im DFB-Pokal nicht einen sportlichen Sieg gegen klassentiefere Teams ausweist (0:1 bis Abbruch in Osnabrück, 0:3 in Unterhaching, 6:7 n.E. in Dresden) eigentlich nur folgerichtig.

Nachdem das heimische Stadion der Sportfreunde den Anforderungen nicht entspricht, wird in der „Scholz-Arena“ in Aalen, benannt nach einem regionalen Recyclingkonzern, gespielt. Hier liegt der kleine Wehrmutstropfen. Mit Aalen verknüpft der geneigte RB-Fan wenige gute Erfahrungen: Aalen, das sich aktuell durch ein Insolvenzverfahren wieder schuldenfrei machen will, ehe Mäzen Scholz wieder Geld hereinpumpt, empfing die Rasenballsportler nicht unbedingt freundlich. Eine mit Rechtsextremen durchsetzte Ultragruppe der VfR-Fanszene engagierte sich an der Spitze der Anti-RB-Bewegung, die Ordner in der Arena waren so unfreundlich wie das Wetter, das Temperaturen knapp über 0°C mit Schneeregen brachte. Schon der Weg vom Parkplatz zum Stadion hätte als Adventure-Tour vermarktet werden können. Vermarktet wurde dann im Stadion alles, was sich auch nur irgendwie vermarkten ließ, legendär dabei die Spielstandseinblendungen bei Toren auf den anderen Plätzen, die von einem ohrenbetäubenden und nervtötenden Elefantentröten eingeläutet wurden (geworben wurde dabei wohl für eine Waschanlage).

Nach dem Spiel war der Hashtag #NieWiederAalen Kult in RB-Fankreisen. Und er hat sich bis heute gehalten. Aber sind es nicht gerade solche Spiele und Erlebnisse, die sinn- und identitätsstiftend sind? Ist es nicht geradezu göttlich, dass sich als Eventfans verschriene RBL-Fans mitten in der Woche nach Aalen bequemen, um unüberdacht im Gästeblock im Schneeregen zu stehen? Sind nicht spielerische Armutszeugnisse wie das 0:0 damals das, was bleibt, wenn Spieler wie unser Torwart Fabio „das ColtorTIER“ Coltorti dank ihres Einsatzes die Null halten? Unbestreitbar dürfte kaum eine Zweitligapartie so im Gedächtnis geblieben sein, vielleicht abgesehen vom Heimspiel gegen Darmstadt mit dem Coltorti-Tor.

Unser Ober-Schwabenballist „tuxbooster“ stellte nach dem Spiel jedenfalls genüsslich fest, dass man gerne „Eventfan“ ist, wenn man im Schnee und Eis in Aalen Stimmung macht, während die dortigen Ultras parallel dem Stadion fern blieben und in der wohlig warmen „Sky-Kneipe“ dem Spiel fröhnten und gegen irgendwelchen Kommerz protestiert haben. Schon klar … 😉

Wenn wir den einzig wahren Rasenballsport nun zum Pokalspiel begleiten und ein Wiedersehen mit der „Scholz-Arena“ feiern, dürften die Erfahrungen andere sein. Weder dürften die gleichen Werbejingles abgespielt werden noch dürfte das Wetter derart elendig sein. Vor allem aber freut es uns, auf Gastgeber zu treffen, die sich sichtlich auf das Spiel freuen.

Wir werden in großer Gruppe anreisen und den ersten schwäbischen RB-Fanclub würdig repräsentieren. Die RB-Welt zu Gast in Schwaben. Wir freuen uns darauf, möglichst viele unserer befreundeten Fanclubs aus Leipzig begrüßen zu können und treffen vielleicht wieder auf weitere Schwaben, die den Weg zu RB gefunden haben.

Wer sich anschließen will zu diesem schönen Pokalspiel, darf sich gerne melden. Wir haben Heimspiel, Jungs! Also machen wir was draus!

„Habemus Conventus“ – die Schwabenballisten gründen einen Verein

Lange haben wir darauf hingearbeitet, nun ist es soweit: die „Schwabenballisten“ haben sich eine rechtliche Form gegeben und dürfen bald – so das Vereinsregister will – sich „eingetragener Verein“ nennen. Geboren aus einem Treff dreier fußballbegeisterter und RB-affiner Schwaben, die seit 2010 / 11 den einzig wahren Rasenballsport zunächst für sich verfolgten und sich im Anschluss an das Gastspiel im „Ländle“ bei den Stuttgarter Kickers trafen, wurde durch persönliche Kontakte, Social Media und ein strategisch fürs Fernsehen gut platziertes Banner bald ein Sammelbecken für viele weitere RB-Fans im Großraum Stuttgart.

Gestählt durch Auswärtsfahrten im Schnee und Eis in Aalen, ölige Spiele in Fürth oder Abenteuerfahrten nach Freiburg wurde die „Interessengemeinschaft“ immer enger – nur folgerichtig der Wunsch, sich in einem Verein zu organisieren. Die Größe, der Organisationsgrad, die Tradition – der Verein als des Deutschen liebstes Kind sollte auch für die Schwabenballisten Heimat werden.

Und wie es die Tradition so will, trafen sich eines Samstags zehn wackere Anhänger ihres Vereins in ihrer Stammkneipe in Stuttgart-Vaihingen, um Fußball zu schauen und einen Verein zu gründen. Zwischen Bier und zünftigem Essen, zwischen der Niederlage des zweiterfolgreichsten schwäbischen Vereines (VfB) und der Niederlage des erfolgreichsten schwäbischen Vereines (RBL), zwischen holzvertäfelten Wänden und allerlei Andenken, zwischen großen Flachbildfernsehern, die die Konferenz übertrugen, und einem Laptop, der das ganze RB-(Trauer-)Spiel zeigte, gründete sich der neue Verein.

Ganz untraditionell wurde über Satzungsfragen und Personalien nicht gestritten, in bester SPD-Manier wurden die Vorstandsposten „schulzeresque“ mit 100-Prozent-Stimmenanteilen vergeben. Mit zehn Handstrichen wurde die Gründungssatzung unterzeichnet und der frisch gewählte Vorsitzende Enrico Sommerweiß durfte feststellen: „Damit wurde der Verein offiziell gegründet“. Den geschäftsführenden Vorstand komplettieren Matthias Busse (2. Vorsitzender), Andrea Hebecker (Schatzmeisterin) und Steffen Schelenz (Schriftführer).

Ja, Schatzmeisterin, Sie haben richtig gehört. Der Schwabe des 21. Jahrhunderts überlässt die Finanzfragen der erfahrenen Frau, die über die Reichtümer des Vereins, gespeist aus knackigen Anteilen des Fangehalts wachen darf. Gleichberechtigung at its best!

Nach der Finanzfrage über den Beitrag rückten die weiteren Pläne in den Vordergrund. Die Schwabenballisten als größter RB-Fanclub außerhalb Mitteldeutschlands peilen den OFC-Status an. Und wo könnte dieser „schwäbische“ Verein um seine Macher Ralf Rangnick, Helmut Groß, Frieder Schrof, Thomas Albeck, Alex Blessin und Co. sowie seine Matadore Dome Kaiser, Timo Werner (Fußballgott), Marvin Compper, Davie Selke, Rani Khedira und Co. besser bei der Expansion ihrer OFC anfangen als im „Ländle“?

Die Mitgliederzahl erhöht sich durch die Beitritte der „Schwabenballisten“, die nicht vor Ort sein konnten, bereits auf 14. Weiteres Wachstum ist absehbar, im Hintergrund weilt ein Sympathiesantenkreis von nochmals knapp 10 Personen. Die Schwabenballisten als Integrationsfaktor und Repräsentant des Vereins in Süddeutschland: „Wir geben RB ein Gesicht!“

Wir haben uns daher schon einmal Gedanken gemacht, wer denn berufen wäre, uns den OFC-Status zu verleihen. Es gäbe aus regionalen Gründen viele Kandidaten. Wir haben auf Twitter eine Umfrage dazu gestartet:

Das Ergebnis sollte nicht zur Enttäuschung für „Dome“ oder „Ralle“ werden, Timo – in der Umfrage zweiter Sieger, aber bald Jogis Nummer eins (?) – sollte sich ebenfalls freuen, denn niemand hat die Herzen der RB-Fans so erwärmt wie „Aki“ Watzke. Mein persönlicher Vorschlag wäre ja eine gemeinsame Übergabe mit RBs „Aggressive Leader“ Oli Mintzlaff. Ob das mehrheitsfähig in den Gremien von RBL ist? Abwarten.

Jedenfalls wollen sich die Schwabenballisten noch tiefer gesellschaftlich engagieren. Insbesondere wollen wir Bande knüpfen zu anderen Fanclubs, sowohl zu anderen RB-Fanclubs als auch zu Fanclubs anderer Fußballvereine, insbesondere in unserer Region. In unserer Stammkneipe könnte der Anfang gemacht werden. Und nun ganz ohne die diesen Text durchziehende Ironie würden wir uns sehr darüber freuen spannende Kontakte zu anderen Fangruppen zu knüpfen, die am Ende vielleicht sagen: „Mit Eurem Verein kann ich noch immer nichts anfangen, aber Ihr seid ne nette und lustige Truppe“.

Wer leidenschaftlichen Support seiner Mannschaft mit ironisch-bissigem Wettstreit mit dem Gegner bei Wahrung von Fairness und Anstand verbunden sehen will, der ist bei uns an der richtigen Adresse. Wer Interesse hat, meldet Euch, wir beißen nicht und sind für (fast) jeden Spaß zu haben, ob Fanclubturnier, gemütlicher Hock oder Stadionaktionen:

Wir sind Schwabenballisten – traditionell anders
und des g’hört so!

#FCARBL – Toller Fußball und das Kreuz mit der Erwartungshaltung

#FCARBL

Am 03.03. war es soweit – die mit Abstand größte Gruppe von Schwabenballisten und Sympathisanten machte sich auf den Weg nach Augsburg. 185km am Freitagnachmittag und in dieser Saison somit die zweit nächste Möglichkeit Fußball unserer Rasenballer zu sehen. Der Freistaat war in dieser Saison ein schlechtes Pflaster für RBL und wir waren auch jedes Mal dabei.

Früh da sichert einen guten Platz.

2h vorher ist die WWK Arena noch verschlafen

In Augsburg angekommen konnten wir recht schnell feststellen, dass das Thema Fantrennung extrem sauber gehandhabt wurde. Parken direkt vor dem Fanblock, umzäunter Parkplatz und sehr aufmerksame Ordner. Passieren konnte da definitiv nicht viel.

Bei Einlass waren die Kontrollen dann aber aufwändig. So sehr, dass der eine oder andere RB-Fan mindestens angenervt, teilweise auch schon aggressiv wurde.

Weshalb man Zigarettenschachteln öffnet, daran riecht und dann noch fragt, ob der Betroffene wirklich ein Raucher ist – naja, kann man machen. Potentiell schwierige Situationen zwischen Personal und RB-Fans wurden durch 2m-Schränke freundlich und nachdrücklich entschärft. Passt schon.

Im Stadion dann alkoholfreies Bier der Kategorie Abwaschwasser. Damit wollte man uns wohl auf den Status „Risikospiel“ hinweisen. Im Radler wurde allerdings normales Bier verarbeitet – ist halt doof, wenn man das erst zu spät merkt. Zumindest war die Weiterfahrt nach Leipzig nicht gefährdet.

Kommen wir zur

Erwartungshaltung

Das Spiel

Es war ein gutes Spiel von beiden Mannschaften. Sieg oder Niederlage? Das Unentschieden ist das beste Ergebnis für Beide. Wer den Ablauf genauer nachlesen will: Der Rotebrauseblogger trifft den Geist des Spiels sehr gut. Wie immer eine treffende Analyse.

Zumindest meine Erwartung hat das Spiel ziemlich exakt erfüllt. Ergebnisoffen und temporär zu körperlich. Beide waren auf Augenhöhe, beide hätten verlieren können.

Auch so kann Protest sein – zu Erheiterung trug das „RB-Traditionslogo“ bei

Beim Schiri war alles dabei: Von „Da lag er richtig“ über „Kann man so Pfeifen“ bis hin zu „Was soll der Mist?“ hat er alles rausgepackt. Eine klare Linie konnte zumindest ich nicht erkennen. Positiv: Beide Mannschaften bekamen das volle Programm ab. Wenn man will, kann man das als „Linie“ bezeichnen.

Die Saison

Es ist schon verrückt. Da fährt man seit nunmehr 4 Jahren regelmäßig und deutschlandweit zu den Spielen der Rasenballsportler, steht in Stadien der dritten Liga praktisch nur mit Gästefans, erlebt die ersten echten Hochs und Tiefs in der 2. Bundesliga und sieht jetzt erstklassigen Fußball. Kein Schlamm, keine praktisch unbespielbaren Plätze (jaja, wir kennen Plätze mit richtig Schlamm und Schnee), kein Montag – daran wollte man teilhaben.

Das erleben wir.

Das genießen wir

Ein kleines Problem kristallisierte sich dann trotzdem recht schnell in der Saison heraus.

Wir haben uns, getrieben auch von der als realistisch einzuschätzenden Bewertung der Verantwortlichen bei RB Leipzig beeinflussen lassen und als Ziel einen mittleren Tabellenplatz – vielleicht sogar einstellig – ausgegeben. Und was kam dann? Die „Rasselbande“ (Sport 1 Doppelpass) spielt hervorragenden Fußball, legt sich die meisten Gegner sauber zurecht, gewinnt, wenn es grad mal passt und verliert auch mal absolut verdient. Dazu scheitern derzeit praktisch alle Gegner an sich selbst.

Leverkusen, Gladbach, Dortmund, Wolfsburg – die internationalen Plätze waren vor der Saison ja praktisch schon vergeben. Bayern wird Meister – ok, hier werden die Erwartungen wie immer erfüllt.

Und dann schaut man beim sonntäglichen Frühstück in die Tabelle und hört sich sagen: Mist, Dortmund hat nur noch 6 Punkte Rückstand und die Bayern ziehen davon. Das wird knapp. Der Titel fast schon unmöglich. Ok, international wird – zumindest aus sportlicher Sicht – eher kein Problem sein, aber CL wäre schon nett. Dann schaut man kurz hoch und denkt:

HAST DU SIE EIGENTLICH NOCH ALLE?

Vor 5 Jahren hat dich Fußball gar nicht interessiert – laaaangweilig. Jetzt hältst Du mit freundlicher Genehmigung der ganzen Familie ein paar Tage Urlaub für Reisen zu europäischen Spitzenmannschaften zurück! Dich ärgert der wachsende Abstand zum FCB und der schrumpfende Abstand zu Dortmund – alles von Tabellenplatz 2 aus betrachtet. Ja, das ist definitiv unfassbar.

Die Erwartungshaltung hat sich verändert.

Ein einstelliger Platz ist praktisch unvermeidbar, EL Minimalziel, CL wäre klasse, Meistertitel – nein, verrückt sind wir dann doch nicht.

Es ist schon ein Kreuz mit der Erwartungshaltung…

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