Young man, there’s no need to feel down …

Eigentlich sollte hier ein Text zu den pyromanischen Ausschweifungen der Rasenballsport-Ultras beim Auswärtsspiel in Paderborn stehen. Wie wir Schwabenballisten das Thema sehen, haben wir hier schon mehrfach kund getan. Dass der „Kuschelkurs“ mit der sogenannten „aktiven“ Fanszene bislang nicht gefruchtet hat, hat sich einmal mehr gezeigt. Der Fanverband und der Verein Rasenballsport Leipzig haben schnell reagiert. Hoffentlich auch mit nachhaltiger Konsequenz.

Stattdessen lief mir ein anderes, positiveres Thema über den Weg, mit dem ein Missstand beseitigt werden soll, der in einer aufgeklärten Gesellschaft eigentlich seit spätestens 40 Jahren Vergangenheit sein sollte.

Rasenballsport-Trainer Julian Nagelsmann gab laut einem DPA-Bericht auf der Weihnachtsfeier des Fanclubs „Rainbow Bulls“, einem offen schwul-lesbischen Fanclub, bekannt, dass er homosexuellen Spielern bei einem Outing helfen würde.

„Generell glaube ich, dass, wenn man seine Sexualität nicht outen darf, auch nicht frei leben kann. Es gibt dann einfach zu viele Ängste, entdeckt oder vielleicht nicht ernst genommen zu werden. Wenn du dich immer verstecken musst in deiner Liebe, dann ist das ein großes Problem“
Julian Nagelsmann

Starke Worte des RB-Trainers, der aber unterstreicht, dass es im sportlichen Umfeld, bei Fans und Verantwortlichen sowie der medialen Umgebung (noch) nicht hinreichend Akzeptanz für schwule Fußballer gebe. Ein Zustand, der aus meiner Sicht nicht hinnehmbar ist. „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“, ließ bereits Friedrich der Große wissen und was damals in der Religionsfrage galt, sollte im 21. Jahrhundert im Hinblick auf die sexuelle Orientierung nicht in Frage stehen.

Wie schwer es offenbar ist, sich zu outen, zeigt das Vorgehen eines Twitter-Users, der mutmaßlich ein homosexueller Fußballer in Diensten eines deutschen Zweitligisten ist. Auf seinem Account @gayBundesligas1 hat er am 16.10.2019 angekündigt, sich outen zu wollen und zunächst anonym zu testen, ob er dem Druck, der mit der Entscheidung verbunden ist, standhalten kann. Der Spieler schildert eindrücklich die Zwänge in einem Umfeld mit immer noch stark homophoben Tendenzen. Ein schlechter Pass wird schnell „schwuler Pass“ genannt, das Wort „Schwuchtel“ dient als gern genommene Beleidigung. Um in diesem Umfeld nicht aufzufallen, macht dieser Spieler an vorderster Front mit und hat eine beste Freundin, die als „Fake-Lebensgefährtin“ herhalten muss.

Wenn man der Timeline glauben darf, gibt es neben den üblichen Pöbeleien viel Zuspruch. Geoutet hat er sich bis heute nicht. Zum einen muss bei der zwangsläufigen Aufmerksamkeit bedacht werden, dass er weiterhin sportliche Leistungen bringen und sich für neue Verträge empfehlen muss, zum anderen bestehen Probleme bei den Rahmenbedingungen:

  • viele Medien setzen ihre Anstrengung darein, den jungen Mann enttarnen zu wollen, statt sich kritisch mit dem Thema Homophobie und Diskriminierungen allgemein im sportlichen Umfeld zu befassen
  • der DFB begrüßt zwar öffentlich das mögliche Outing, weigert sich aber eine externe, d.h. vom Verein unabhängige Beschwerdestelle nach dem AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, welches Diskriminierungen v.a. im Arbeitsrecht zu verhindern) einzurichten.

§ 1 AGG: „Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen“

Für den Profi wäre eine solche externe Stelle jedoch ein ganz wesentlicher Faktor. Mag er vielleicht während der ersten Wochen durch die öffentliche Wahrnehmung geschützt sein, könnte sich dies in der Folge ändern und seine wirtschaftliche Existenzgrundlage in Gefahr geraten.

Es ist daher zu hoffen, dass die Mitgliedervereine auf den DFB und die DFL Druck machen, wirksame Instrumente zu schaffen, in denen junge Menschen
a) anonym effektive Beratung im Hinblick auf ein Coming Out erhalten
b) eine Anlaufstelle haben, an die sie sich bei tatsächlichen Benachteiligungen wenden können

Es wäre schön, wenn von Seiten von Rasenballsport Leipzig hier exemplarisch eine klare Haltung öffentlich vertreten wird.

Adressat dieser Zeilen sind aber vor allem WIR, d.h. die Fans, die Öffentlichkeit. Der Kampf gegen Homophobie fängt dort an, wo wir, die letztlich für die wirtschaftliche Basis als Stadiongänger, Werbekunden, etc. sorgen, uns eindeutig dagegen aussprechen. Hand aufs Herz: wieviele von uns haben nicht oft genug „Du schwule Sau“ oder Ähnliches gerufen? Wir müssen uns bewusst machen, dass unsere Sprache und unser Verhalten (Gestik, Mimik) einen großen Einfluss auf unsere Mitmenschen und damit auch auf die Spieler haben. Spieler werden „Normabweichungen“, die negativ konnotiert sein könnten, vermeiden, um in der Gunst von Fans und Öffentlichkeit nicht zu sinken.

Die von mir eingangs gescholtene „aktive Fanszene“ bei Rasenballsport Leipzig macht insoweit bereits einiges richtig und spricht sich eindeutig gegen Homophobie [und selbstverständlich auch gegen andere Diskriminierungsformen wie Rassismus, Frauenfeindlichkeit, etc.] aus.

Es ist unsere Aufgabe, dass dies kein Randphänomen bleibt, sondern die Basis gemeinsamer Werte, die wir aktiv verteidigen, z.B. in dem wir Partei ergreifen, wenn jemand als „Schwuchtel“ beschimpft wird. Wir benötigen in jeglicher Form mehr Zivilcourage! Kein Wegschauen gegen Gewalt, kein Wegschauen, wenn der Nachbar, den ich vielleicht gern mag, Pyro zündet, kein Wegschauen, wenn der andere Nachbar Frauen sexualisiert beleidigt oder sich schwulenfeindlich äußert.

Es genügt in diesen wichtigen Feldern nicht, dass diejenigen, die ohnehin besonders tolerant sind oder sich dem Thema politisch nahe fühlen, mitmachen. Auch der, bei dem es Unbehagen auslöst, wenn sich zwei Männer küssen, muss dafür eintreten, dass sie dies in einer freien Gesellschaft können.

Es wäre schön, wenn es keiner medienwirksamen Outings bedürfte. Wenn es vollkommen egal und normal wäre, ob ein Fußballer Männer, Frauen, beides oder überhaupt nichts davon liebt. Solange dies aber keine gesellschaftliche Realität ist, müssen wir gemeinsam denjenigen helfen, sich zu outen und gestärkt zu fühlen, damit sich niemand verstecken muss oder gar Fakebeziehungen vorschiebt, um gesellschaftlich akzeptiert zu bleiben.

Und an den jungen Fußballer und die vielen anderen, die es zweifellos gibt, die homosexuell sind, sei gesagt: wir stehen hinter Euch: YOUNG MAN, THERE’S NO NEED TO FEEL DOWN!

Das Red Bull-Modell als Exportschlager?

Ein Blick über den Tellerrand. Investoren sind im deutschen Fußball schon seit Längerem Mode. Die Zusammenarbeit mehrerer Vereine zum Zwecke gemeinsamen Scoutings und des Spieleraustausches wird bei den Global Playern zum Standard (siehe hierzu ein sehr guter Text von „Cavanis Friseur“).
Als Vereinsgeflecht ist die Red Bull-Familie jedoch die unangefochtene Nummer 1: konsequente Corporate Identity, maximale Ausnutzung der Regularien, um unerwünschten Einfluss Dritter auszuschließen, „Spielerdelegation“, u.v.m.
Doch das Modell zieht Nachahmer an, die sich die Synergieeffekte des Red Bull-Modells zum Vorbild nehmen. Für das Fußballportal „120 Minuten“ habe ich mir das Vereinsgeflecht von Flavio Becca, dem Investor des 1.FC Kaiserslautern, einmal angeschaut und analysiert, welche Synergien sich dort ergeben und welche Regularien, insbesondere im luxemburgischen Fußball dies begünstigen:

Flavio Becca und die Redbullisierung der Roten Teufel?

Der luxemburgische Bauunternehmer Flavio Becca hat durch sein Engagement beim Traditionsverein 1.FC Kaiserslautern dazu beigetragen, die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit des FCK kurzfristig zu gewährleisten und damit den bundesweit bedeutenden und regional unersetzlichen Standort zu erhalten. Im Rahmen der Diskussion über das Engagement Beccas als Investor gab es viel Pro und Contra zum Einstieg eines externen Investors generell. Zudem gab es die Frage der Auswahl zwischen einer regionalen Investorengruppe auf der einen und des luxemburgischen Bauunternehmers auf der anderen Seite sowie die Nebengeräusche im Rahmen der Entscheidungsfindung. Kaum diskutiert wurde das Vereinsgeflecht, das Becca im internationalen Fußball unterstützt. Wenigen ist bekannt, wie die von ihm geförderten oder kontrollierten Vereine kooperieren. Dieser Artikel soll das „System Becca“, seine Auswirkungen auf Spielertransfers und mögliche Auswirkungen auf den FCK genauer unter die Lupe nehmen.

Flavio Becca ist neben seinem Engagement in Kaiserslautern Hauptsponsor und Hauptgeldgeber beim luxemburgischen Serienmeister F91 Düdelingen und Eigentümer des belgischen Zweitligisten Royal Excelsior Virton. Auf Grund von Streitigkeiten mit der Gemeinde Düdelingen über einen Stadionum- bzw. -Neubau begann Becca ferner die Unterstützung von Düdelingen in Richtung des aktuellen luxemburgischen Zweitligisten Swift Hesperingen zu verlagern.

Hesperingen verpasste denkbar knapp in der Vorsaison den Aufstieg in die 1. Liga, ansonsten hätten bereits in dieser Saison zwei vom gleichen Investor unterstützte Vereine in der 1. luxemburgischen Liga gespielt.

Dass in Luxemburg derartige Spekulationen aufkommen, sagt bereits vieles über die Turbulenzen und Machenschaften unter den Spitzenvereinen des Landes aus. Schon vor Beccas Engagement in Hesperingen, der Gemeinde, in der er als Sohn eines italienischen Vaters aufwuchs, führte das System Becca zu Spannungen unter den Vereinen der BGL-League:

Im vergangenen Sommer ließen die stärksten Konkurrenten Düdelingens, Fola Esch (trainiert von Ex-FCK-Trainer Jeff Strasser) und Progrès Niederkorn ihre Mitgliedschaft im Ligaverband LFL ruhen, um gegen angeblich unlautere Wettbewerbspraktiken Beccas zu protestieren. Stein des Anstoßes sollen informelle Absprachen des finanziell nicht mehr in der Spitzengruppe angesiedelten Rekordmeisters Jeunesse Esch mit Beccas Düdelingen gewesen sein. Esch lieh sich vor der Saison 2018/19 mehrere hochklassige, aber bei Düdelingen nicht mehr berücksichtigte Spieler wie die Torjäger Omar Er-Rafik und Antonio Luisi aus. Im Gegenzug – so die Behauptung – musste Jeunesse Esch Düdelingen versprechen, keine Spieler an die Düdelinger Kontrahenten Fola und Progrès zu verkaufen.

Der Grund, warum derartige Absprachen begünstigt werden, liegt in den unzeitgemäß anmutenden Regularien des luxemburgischen Fußballs. Ein paar aktuelle Problempunkte:

  • Das Sommer-Transferfenster in Luxemburg schließt für innerluxemburgische Transfers zum 30.6., das Transferfernster für Transfers aus dem Ausland am 31.7., obgleich die Transferfenster sämtlicher anderer Ligen, mit denen man sich im europäischen Wettbewerb befindet, später schließen (Ende des UEFA-Transferfensters ist am 31.8.).
  • Im Winter-Transferfenster sind maximal zwei Transfers für den Ligakader erlaubt.
  • Die Vereine der BGL League dürfen nur 16 statt – wie international üblich – 18 Spieler in ihren Spieltagskader aufnehmen.
  • Ein Spieler darf binnen drei Jahren nach einem Transfer ins Ausland nur mit Zustimmung des letzten dem luxemburgischen Verband zugehörigen Vereins zurück nach Luxemburg wechseln. Beispiel:
    Ein Spieler wechselte 2017 von Düdelingen zum SV Elversberg. 2019 möchte ihn ein Verein aus Luxemburg verpflichten. Unabhängig vom Einvernehmen des aufnehmenden und abgebenden Vereines sowie der Vertragslage kann der Transfer nur stattfinden, wenn Düdelingen dem Transfer zustimmt.
  • Innerhalb Luxemburgs gilt, dass – unabhängig von der Vertragslage – ein Spieler drei Jahre bei einem Verein bleiben muss, ehe er zu einem anderen Klub innerhalb des Großherzogtums wechseln darf. Beispiel:
    Ein Spieler wechselt 2017 nach Düdelingen. 2019 möchte der Spieler zu einem anderen luxemburgischen Verein wechseln. Unabhängig davon, ob der Spieler vertraglich gebunden ist, ist ein Wechsel nicht möglich, er kann maximal ausgeliehen werden mit festem Wechsel 2020.
  • Nach einem Jahr Vereinszugehörigkeit darf ein Spieler an einen Drittverein verliehen werden.

Die Regularien führen dazu, dass der „besitzende“ Verein eine viel größere Machtposition hat als Fußballvereine in anderen Ländern. Hierdurch kann Flavio Becca, dessen Vereine sehr viele Spieler unter Vertrag haben, Wechsel zu Drittclubs zumindest zeitweise unterbinden und Spielern Nachdruck verleihen, zu „konzerninternen“ Vereinen zu wechseln, wenn dort Bedarf besteht. Aus Düdelingen wechselten zur neuen Saison 6 Spieler nach Virton, 7 nach Hesperingen – ein beachtlicher Wert.

Aktuell sind die drei Becca-Clubs Hesperingen, Düdelingen und Virton organisatorisch wie personell stark verwoben. Interessant wird die Frage, wie es sich mit dem 1.FC Kaiserslautern verhalten wird. Die dritte deutsche Liga ist dem aktuellen Niveau Düdelingens und Virtons nahe, sodass eine Erweiterung der Verwertungskette nicht nur denkbar, sondern wahrscheinlich ist. Wie stark diese ausgeprägt sein wird, dürfte auch damit zusammenhängen, wieviel Einfluss Flavio Becca beim FCK erhält.

Aufgrund der Verschiebung des Sponsorings in Luxemburg ist von einem Dreieck Kaiserslautern-Hesperingen-Virton auszugehen. Weitere Vereinsbeteiligungen schloss Flavio Becca kürzlich aus. Spekuliert wird bereits, dass Dino Toppmöller, der aktuell die UEFA-Pro-Lizenz erwirbt, in naher Zukunft das Traineramt bei den Roten Teufeln ausfüllen soll. Die bereits angesprochene Personalie Ferrera ließ ebenfalls erste Synergieüberlegungen erkennen. Über potenzielle Neuzugänge für den Kader aus Düdelingen oder Virton war – abgesehen von losen Spekulationen um Dave Turpel – noch nichts zu vernehmen.

Auch weitere Synergien dürften zeitnah folgen. Im Interview mit dem Fanportal „Der Betze Brennt“ gab Becca bereits die Richtung vor:
„Das ist sicher eine unserer Ideen, aber natürlich in einem kleineren Rahmen als bei Red Bull. Wir wollen die Austauschmöglichkeiten maximieren. Als ersten Schritt möchten wir zeitnah ein gemeinsames Scouting-Netzwerk aufbauen, quasi in einem Dreieck: Kaiserslautern, Virton und Düdelingen/Hesperingen. Das Ganze soll von Kaiserslautern aus organisiert und verarbeitet werden. Die sportlichen Leiter der Vereine können sich dann untereinander austauschen, welcher der beobachteten Spieler am besten zu welchem Verein passt. Außerdem lassen sich die Kosten für jeden Einzelnen somit senken. Erste Gespräche dazu wurden bereits geführt.“

Bei den weiteren Vereinen Düdelingen, Virton, Hesperingen sowie dem Profi-Radsportteam „Leopard Pro Cycling“ sind Sponsor (Leopard Natural) und die Trikotfarben und -designs angeglichen. Der Energydrink Leopard Natural soll bald auch auf dem deutschen Markt eingeführt werden. Danach dürfte sich auch ein Engagement in Kaiserslautern anbieten.

Es bleibt abzuwarten, wie das FCK-Umfeld auf den Einfluss von Becca reagieren wird.

Ein großer Teil der Kaiserslauterer Fanszene legt großen Wert auf die Bewahrung des Bezuges zur Vereinsgeschichte, die Erhaltung der Vereinsstruktur und steht dem Einstieg von Investoren im eigenen Verein wie auch bei der sportlichen Konkurrenz überdurchschnittlich kritisch gegenüber. Gerade das Konstrukt des von Flavio Becca gerne zitierten Red Bull-Konzerns wurde äußerst emotional diskutiert und stieß auf starke Ablehnung.

Die Zusammenarbeit von Düdelingen, Hesperingen und Virton in Bezug auf Spielertransfers, Vereinsorganisation und Sponsoring/Vereinsfarben trägt starke Züge des Geschäftsmodells von Red Bull, die insbesondere in Sachen Spielertransfers und Scouting zwischen einzelnen Standorten Wettbewerbsvorteile schaffen und im Rahmen der Durchsetzung des Corporate Designs besonders brachial vorgehen. Es wäre zu erwarten, dass dieser Punkt in der Diskussion um das Engagement Flavio Beccas einen größeren Stellenwert erhalten müsste.

Es ist mutmaßlich der geringeren Bedeutung der Fußballligen in Belgien und Luxemburg geschuldet, dass die beschriebenen Synergien und Geschäftspraktiken weniger im öffentlichen Bewusstsein angekommen sind.

Wir werden natürlich kein Red Bull 2.0 in Kaiserslautern erleben. Das Konstrukt in Leipzig, welches insbesondere im Hinblick auf die Vereinsgestaltung nach dem „Closed Shop“-Prinzip bislang nicht zufällig keine Nachahmer gefunden hat, wird durchaus mit Recht kritisch gesehen und eignet sich als Blaupause nur bedingt. Allerdings zeigt das Beispiel, dass die geschaffenen Synergien anderenorts als Vorbild wahrgenommen werden und daher auch Beachtung verdienen.

Wir sind gespannt, auf die weiteren Entwicklungen im Red Bull-Cosmos, insbesondere ob man weiterhin Spitze und damit Vorreiter in Sachen Innovation bleibt.

Respekt?!

Samstag Nachmittag in Deutschland:

Schwäbisch Hall, Heimat des deutschen Meisters im American Football. Zu Gast sind die Frankfurt Universe, der größte Konkurrent in der Südstaffel. Ein enges, intensives Duell, geprägt durch zwei sehr starke Verteidigungsreihen. Plötzlich liegt der Frankfurter Running Back, der der Haller Defense einige Probleme bereitet hat, verletzt am Boden.

Die Reaktion?

Die Spieler beider Teams gehen aufs Knie, das Publikum klatscht – nein, nicht vor Freude, es klatscht rhythmisch so lange, bis der verletzte Spieler wieder aufsteht und signalisiert, dass es weitergehen kann. Anschließend folgt Applaus.

Zur gleichen Zeit in der Fußball-Bundesliga? Undenkbar! Wütende Spieler des einen Teams hätten den Schiedsrichter bestürmt, die des anderen Zeitspiel gewittert. Fanblock A hätte gepfiffen, Fanblock B singt das Lied vom „Holzmichel“. Wann ist es so weit gekommen?

Beim Pokalendspiel in Berlin ist uns besonders aufgefallen, dass es im Fußball immer an Respekt fehlt. Denn Respekt vor allen Beteiligten am Spiel ist die Grundvoraussetzung für ein „Fair Play“. Es ging vor dm Spiel los mit der Siegerehrung der U19. Der VfB Stuttgart hatte in einem umkämpften Finale am Vorabend RB Leipzig mit 2:1 geschlagen. Knapp 15.000 Zuschauer waren schon im Stadion, als knapp 90 Minuten vor dem Endspiel die Nachwuchsteams zur Ehrung schritten. Den unterlegenen Rasenballsportlern wurden von den eigenen Fans applaudiert. Als der VfB zur Ehrung schritt, war Stille im weiten Rund. Weit und breit um uns niemand, der zur Anerkennung der Leistung der VfB-U19 in die Hände klatschen wollte. Im Stadion konnte man die Applaudierenden fast an einer Hand abzählen. Um die peinliche Stille zu übertönen, wurde die Musik zur Ehrung besonders laut aufgedreht. Trotzdem verbleibt der bittere Eindruck, dass eine tolle sportliche Leistung – vornehmlich aus Desinteresse – keine Anerkennung fand.

In den folgenden Minuten füllte sich das Stadion. Die Fankurve des FC Bayern hatte sich in Schale geworfen und präsentierte auf einem großen Banner die eigene Erwartungshaltung mit den Worten: „Eine Kurve, die zum Siegen verpflichtet“. Die dahinter stehende Aussage ist ebenfalls von wenig Respekt vor der sportlichen Leistung der jeweiligen Teams geprägt. Der eigene Triumph wird nicht als tolle sportliche Leistung gewürdigt, sondern als Leistungspflicht, die es zu erfüllen gilt, vorausgesetzt. Damit verbunden auch die despektierliche Haltung gegenüber dem Gegner, dem man die Augenhöhe nicht zugesteht. Es hat aus unserer Sicht auch nichts mit gesundem Selbstbewusstsein zu tun, sondern mit einer übersteigerten Anspruchshaltung, die der FC Bayern keinesfalls exklusiv hat, sondern in vielen Fankurven zwischenzeitlich zu beobachten ist.

Während dem Spiel erboten sich die Ultras beider Vereine, Pyrotechnik im Stadion zu zünden. Die erste Rauchbombe stieg aus dem RB-Block auf kurz nach Wiederanpfiff, woraufhin manche Rasenballsport-Fan ihren Unmut bekundeten, unter anderem wir. Die Empörung war jedoch keineswegs durchgängig: ein Mann mit lichtem Haar neben uns meinte: „Was regt Ihr Euch so auf? Das gehört zum Fußball dazu“. Der Hinweis, dass es in erster Linie verboten sei und unseren Verein einen Haufen Geld koste, beantwortete er mit dem schönen Worte „Wayne?“ Es ist ja nicht sein Geld, der Verein bezahlt es ja. Über die nächste Preiserhöhung wird natürlich geschimpft, über schärfere Sicherheitsbestimmungen auch, denn sobald es einen selbst betrifft, ist das alles doof. Auch hier fehlt der Respekt vor den Regeln, die dem Wettbewerb zu Grunde liegen. Hauptsache die eigenen Interessen sind gewahrt, Hauptsache die Herren Ultras durften sich mal wieder darstellen.

Alles andere als respektvoll war kurz vor Schluss auch der Torjubel von Robert Lewandowski zum 3:0. Dass man sich im Überschwang nach entscheidenden Toren die Unsitte des Trikotausziehens zu eigen macht, geschenkt. Bei einem 3:0, als das Spiel nach normalem Ermessen ohnehin entschieden war, wirkte es etwas aufgesetzt, aber okay. Dass der Bayern-Stürmer sich dann auch noch die Hose ausziehen wollte, ist dann aber deutlich über der Grenze dessen, was irgendwie akzeptabel ist.

Beachtlich ist, dass – nachdem das 3:0 exzessiv bejubelt wurde – der Sieger nach dem Spiel eine knappe halbe Stunde in der Spielfeldmitte herumlümmelte, anstatt in der eigenen Fankurve schon einmal danke zu sagen.

Als die Siegerehrung endlich folgte, hatte ein nicht unerheblicher Teil des Leipziger Anhangs nichts Besseres zu tun als das Schiedsrichtergespann auszupfeifen – wohl weislich in einem Spiel, welches die Unparteiischen problemlos im Griff hatten.

Es folgte die Ehrung von RB Leipzig, bei der Trainer Ralf Rangnick besonders vom (neutralen) Stadionsprecher angekündigt wurde, worauf seitens der Bayern-Fans ein lautes Pfeifkonzert folgte. Rangnick mag nun eine polarisierende Person sein, aber den Respekt vor der sportlichen Leistung dieses Mannes sollte niemand absprechen. Es ist unverständlich, warum es so schwer zu sein scheint, nach den 90 Minuten den Gegner zu seiner Leistung einfach beglückwünschen zu können. Ein Vorwurf, der sich auch an viele im Leipziger Block richtet, die sich nicht zum wohlverdienten Applaus zugunsten der Bayern durchringen konnten.

Es stellt sich die Frage, was so schwer daran ist, Leistungen des Gegners anerkennen zu können, zumal die Bescheinigung einer guten Leistung des Gegners die eigene sportliche Leistung nur aufwertet. Und sollte das nicht das Ziel sein?

Wir haben in Berlin ganz überwiegend nette Bayern-Fans getroffen. Genausowenig, wie es im Kleinen schwierig ist, gut und fair miteinander umzugehen, sollte es doch auch im Stadion sein. Vielleicht kommen wir endlich wieder dahin, emotional während des Spiels mitzufiebern, ohne den Gegner beschimpfen zu müssen und nach dem Spiel auch auf den Rängen einfach ein gutes „Shake Hands“ zu praktizieren. Es würde unseren Sport einfach sportlicher machen.

 

Pokalfieber

„Die Berliner Luft im Vergleich zu anderen Städten
bietet leckersten Geschmack, allerbeste Qualitäten,
um Paraden zu feiern und exklusive Feten,
die meisten sind jetzt da, es hat sie niemand drum gebeten“
(Seeed)

Ein geiles Leben mit knallharten Champagnerfeten hatte uns ja „Glasperlenspiel“ bereits vor ziemlich genau 3 Jahren vorausgesagt bei der legendären Aufstiegsfeier Anno 2016. Die größte (nationale) Fete findet wie üblich in Berlin statt – und diesmal sind die Rasenballsportler dabei: Champagner statt Bier im Pokalfinale.

Noch vor Kurzem galt ein Konzert von Helene Fischer als das Schlimmste, das dem „deutschen Wembley“ passieren konnte, jetzt also das Duell zwischen dem umstrittenen RB Leipzig und Rekordpokalsieger Bayern München. Die „11 Freunde“ mutmaßten schon, Ticketinhaber würden panisch versuchen ihre Tickets loszuwerden. Es sollte anders kommen, alle Tickets waren binnen kurzer Zeit vergriffen. So auch in Leipzig.

Dank der Ernennung zum OFC durften auch wir uns freuen: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Schätzungsweise 15-20 Schwabenballisten werden vor Ort sein, es dürften knapp mehr sein als bei unserem schönsten DFB-Pokal-Ausflug nach Aalen zum Dorfmerkingen-Spiel. A propos Dorfmerkingen: unsere Freunde wünschen uns bereits alles Gute für das Pokalfinale.

Es könnte die Chance sein, den ersten nationalen Titel des einzig wahren Rasenballsports mitzuerleben. Wer kann das schon von seinem Verein behaupten? Na gut, Wolfsburg. Aber sonst 😉 Der Verein hat schon verbal ausgeholt und verlauten lassen: „In München wärst Du nur einer unter vielen. Bei uns bist Du die Nummer 1“, gerichtet an den DFB-Pokal himself.

Und in der Tat wäre es verlockend, ausgerechnet dem FC Bayern, der so gerne im Stile eines verbitterten Verwaltungsangestellten die Titel in seiner Kladde lustlos abhakt und dann dennoch durchchoreographiert für seine Anhänger den Anschein einer Feier erweckt, diesen Titel abzunehmen. In einem Spiel ist alles möglich, hat im Vorjahr die Frankfurter Eintracht schließlich eindrucksvoll bewiesen.

Unsereins hat tief in den Kisten gekramt, um ein Anti-Shirt zur Illustration seiner Abneigung gegen den FC Bayern hervorgekramt, dass noch aus der analogen Zeit und insbesondere dem Zeitalter vor der Gründung des Rasenballsport Leipzig e.V. lag.

Kaum vorstellbar, dass so ein T-Shirt heute noch die Massen hinter dem Ofen vorlockt, wo doch unser Verein den Rekordmeister als Ziel der Kritik weit überflüüüüügelt hat.

Wobei sich die Rasenballsportler aktuell tatsächlich in sympathischer Umgarnung des eigenen Anhangs üben und den medial zerrissenen Hashtag „beflüüüügelt ins Finale“ auf den Phrasenfriedhof verbannt hat und nun zu „#wirpokalisieren“ übergangen ist.

Der geneigte Rasenballsportler kann da bereits Oberwasser spüren und mit dem Finger auf den Kontrahenten aus München zeigen:

„Die dämlichen Menschen, die sich Heimspiel für Heimspiel beim FC Bayern dafür hergeben, mit ihren Weißwesten bei Wind und Wetter das Telekom-Logo abzubilden – ha ha ha.“ (Zitat Schwabenballist Michael) 

Pssst, liebe RB-Manager, dass in dem Zusammenhang bloß keiner von dem „Leipzig-L“ erfährt 😉

Berlin ist für Rasenballsport Leipzig bekanntermaßen ein gutes Pflaster: die kürzeste Auswärtsfahrt, bei Hertha stets vor großer Kulisse mit Dank drei Punkte eingesammelt, es ist sozusagen das Lieblingsausflugsziel unseres jungen Vereins. Wohl wissend, dass es gegen den FC Bayern deutlich schwerer werden wird, darf ein gewisser Grundoptimismus mitfahren.

Für mich wie für alle Schwabenballisten ist es das erste Spiel in Berlin mit RB Leipzig. Für mich persönlich sowieso der erste Besuch im Olympiastadion. 1999 hätte ich mich auf Klassenfahrt abseilen können und Hertha gegen Chelsea in der Champions-League schauen können, es gab tatsächlich noch Karten. 20 Jahre später muss ich nicht mit gestrenger Lehrerin in ein drittklassiges Theater, diesmal darf es das Stadion sein.

Was uns erwartet, weiß noch keiner. Jeder schwärmt von der Atmosphäre eines Endspiels und ich hoffe, wir genießen den Moment vom Fanfest bis ins Stadion und wieder nach Hause. Wir haben die Chance, bei einem Stück Geschichte dabei zu sein und mit etwas Glück tatsächlich dem ersten Pokalsieger aus den neuen Bundesländern seit 1941 zuzujubeln (oder dem ersten österreichischen nach 1938, wie böse Zungen behaupten würden).

Genießen wir den Moment …

„Das kann uns keiner nehmen, lasst uns die Gläser heben“ (Revolverheld) 

 

 

Die Revolution frisst ihre Kinder

„Wir werden den Rotebrauseblogger auf Millionen verklagen,
er hat uns in seinem Abschiedsblog nicht gelobt, ohne zu fragen“
(frei nach EKO Fresh)

Zeit heißt Veränderung. Wer sollte dies wissen, wenn nicht Anhänger des Rasenballsports, eines Vereines, der quasi ein Kind der neuen Zeit ist und so vieles althergebrachtes deutscher Traditionsvereine hinter sich gelassen hat.

Veränderung tut manchmal weh, vor allem, wenn man sich von lieb gewordenen Dingen verabschieden muss. Manchmal sind Veränderungen so stark, dass eine regelrechte Zäsur einsetzt.

Am heutigen 7.5.2019 ist es soweit. Der „Rotebrauseblogger“ hat das Ende seines Blogs zum Saisonende angekündigt. Knapp 10 Jahre nach der Vereinsgründung und mehr als 9 Jahre nach Beginn seiner Bloggertätigkeit hängt Matthias sozusagen „die Tastatur an den Nagel“.

Was im Millionengeschäft der Bundesliga eine Randnotiz zu sein scheint, ist tatsächlich mehr. Gerade weil Rasenballsport Leipzig ein so junger Verein ist und der Aufstieg von unten sich schnell vollzog und unweigerlich (v.a. personelle) Änderungen mit sich brachte, sind Personen und Institutionen, die den Verein seit der 5. Liga begleitet haben, etwas Besonderes. Bei RBL war der „Rotebrauseblog“ schon früh ein Aushängeschild und das vermutlich wichtigste Informationsmedium rund um den einzig wahren Rasenballsport – zumindest mir ging es so.

Während es in anderen Vereinen gerade mit sich vergrößernder Fanszene oft mehrere Blogger auf unterschiedlichsten Niveaus gibt, blieb der Rotebrauseblog für RB Leipzig das Aushängeschild. Ich würde so weit gehen, dass kaum ein Verein so mit seinem Blogger in Verbindung gebracht wird, wie RB Leipzig. Die Lücke, die er hinterlässt, ist groß.

Nun sind die vorstehenden Worte ein bisschen viel der Lobhudelei. Auf den Punkt gebracht heißt es ein riesengroßes Dankeschön, Matthias, für die hervorragenden Texte und Analysen der letzten Jahre.

Warum also schreibe ich die vielen Zeilen? Weil ein Thema angesprochen wird, das mir schon länger unter den Nägeln brennt:

Die Bundesliga befördert Banalität und Beliebigkeit in Fanangelegenheiten!

Klar hat der Rotebrauseblogger auch sehr gewichtige familiäre Gründe, das Hobby der Bloggerei herunterzufahren. Jeder von uns muss Geld verdienen, die Freizeit daneben ist zu kostbar, als dass man neben der Zeit für die Familie auf Dauer um die halbe Welt reisen kann, wenn man nicht verdammt gute Gründe dafür hat.

Abseits dessen hat der Abschied auch inhaltliche Gründe:

„In jüngerer Vergangenheit bemerkte ich immer mehr Müdigkeit in Bezug auf die Art, wie Themen rund um den Fußball behandelt und mit welcher Inbrunst selbst banalste Themen verhandelt werden (oder wie mit Marketingsprech alles glatt- bzw. plattgemacht wird)“ [Rotebrauseblogger in „All good things come to an end“]

Eine Entwicklung, die ich auch sehe. Eine Entwicklung, die gesellschaftlich durch Onlinemedien ohnehin voranschreitet und die im Profisport, der insoweit als Katalysator wirkt, deutlich beschleunigt wird. Themen werden in immer kürzerer Zeit „gehypt“, Diskussionen und Analysen werden durch die wachsende Zahl der „Diskutanten“ immer mehr verwässert, weil die „Lauten“ die „Fundierten“ oftmals übertönen. Es gibt zwar immer mehr Fußball, aber zugleich hat man das Gefühl, vom eigentlichen Geschehen immer weiter entfernt zu sein.

Hierzu 3 Thesen:

  1. In der Diskussion um die Bundesliga nehmen sportliche Themen tendenziell ab und treten „Bouelvardthemen“ immer stärker in den Vordergrund
  2. Diskussionen, Blogs und Podcasts neigen zu immer oberflächlicheren Behandlungen von Themen, um möglichst viele Leute mitzunehmen statt diejenigen anzusprechen, die sich tiefgründiger mit Themen auseinandersetzen möchten
  3. Vereine verlieren mit ihrem Wachstum immer stärker den Kontakt zum einzelnen Fan und damit an Authentizität.

Bei der Themensetzung bekennen auch wir uns schuldig. Wir sind ein Fanclub und reden daher viel über „Fanthemen“, also das Gegenteil vom sportlichen Kernbereich. Je mehr Fanclubs es gibt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass deren Themen die Diskussion um den Verein bestimmen. Bei einem streitbaren Vereinskonstrukt wie RB Leipzig umso mehr.

Mehr Fans heißt mehr Auseinandersetzungen mit Fans anderer Vereine, mehr Diskussionsstoff untereinander und eine höhere gesellschaftliche Relevanz und damit die – vermeintliche – Notwendigkeit sich als Verein zu allen möglichen Themen äußern zu müssen/sollen/wollen.

Daneben gibt es mehr Aufmerksamkeit für Spieler, die in sozialen Medien eine große Bedeutung haben und Diskussionen eröffnen, ob das „Gucci Gucci Gu“-Baby von Spieler A eine Prada-Handtasche haben darf oder nicht.

Dass über Derartiges diskutiert werden kann, führt letztlich dazu, dass vereinsseitige Kommunikation „glatt gebügelt“ ist und möglichst wenig Angriffsfläche bieten soll. Letztlich eine Folge unseres „Kundenverhaltens“, denn wenn auf jede Äußerung mit Ecken und Kanten seitens der Fans eine Empörungswelle lostritt und wir streitbare oder eigentümliche Äußerungen bzw. Handlungen nicht goutieren, wird der Verein und seine Vertreter im Zweifel Kreide fressen.

Alleine schon der Umfang der Diskussion darüber, ob Ralf Rangnick nach dem DFB-Pokal-Halbfinale seine Verwunderung über die Wahl von Bakery Jatta zum Spieler des Spiels Ausdruck verleihen durfte, lässt mir die Haare zu Berge steigen.

Weil diese Themen aber die Masse bewegen, geht der Trend dahin, dass sich Formate wie Blogs oder Podcasts immer stärker mit Boulevardthemen befassen und seltener mit tiefgründigen Analysen. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, aber der Erfolg von „Proll-Formaten“ wie „Drei 90“ zeigt, wohin die Reise geht.

Daran sind die Vereine als Triebkraft der Entwicklung nicht ganz unschuldig. Das Streben nach größerer Aufmerksamkeit, größeren Fanzahlen, Mitgliederzahlen, etc. führt dazu, dass der Kontakt mit dem Einzelnen sich vom sportlichen Geschehen auf Events verlagert. Klar tun Bundesligisten viel mehr als niederklassige Vereine, um bei unterschiedlichen Gelegenheiten ihren Fans nahe zu sein. Eine Charityveranstaltung in Schule A hier, ein Auftritt in Museum B dort, Sommerfest für OFC hier, Fanfest nach Saison X dort – alles tolle Veranstaltungen, aber letztlich zu durchchoreographiert, als dass es echt wirkt. Eine Entwicklung, die ich vor allem bei Vereinen beobachte, die sich ihre angebliche Fannähe besonders dick auf die Fahnen geschrieben haben.

Es ist vollkommen verständlich, dass ein Verein in der Bundesliga nicht die Nähe bieten kann wie ein Regionalligist, wo die Hand voll Fans per Handschlag begrüßt werden. Wer das sucht, ist im niederklassigen Fußball besser aufgehoben. Eine Erkenntnis, die manchen Fan der ersten Stunde zwischenzeitlich ereilt hat. Wir werden Szenen, wie auf dem Rückweg aus Lotte, als die Mannschaft den Sonderzug anhält, um zuzusteigen, nicht mehr erleben. Wir werden tendenziell kaum Dominik Kaisers mehr sehen, die nach dem Spiel in Ingolstadt vor dem Bus mit Fans schnattern. Dennoch wäre eine Rückbesinnung darauf, dass der Fan primär den sportlichen Zugang zu seinem Verein behalten sollte und Sportler nicht nur in ihrer abgegrenzten Welt leben, ein Ansatz, der dem Fußball gut tun würde, sodass die sportlichen Themen auch wieder in den Vordergrund rücken.

Was bleibt vom Rotebrauseblog?

Maßstäbe, wir brauchen Maßstäbe, um Oliver Kahn in abgewandelter Form zu zitieren. Maßstäbe hat er gesetzt, die letztlich die Latte für das Kommende hoch legen:

  • inhaltliche fundierte Auseinandersetzung mit Fragen ohne schnelle, einfache Antworten
  • fairer Umgang mit Kritik, gerade wenn der Kritiker dem Verein Rasenballsport Leipzig nicht oder nicht in allen Punkten wohlgesonnen ist
  • das Hobby Fußball nicht ernster zu nehmen als notwendig und darüber Humor und Ironie nicht zu verlieren (und darüber hinaus gilt selbstverständlich #TeamMintzlaff)

Und da es  geboten ist, in Zitaten zu eröffnen und auch zu schließen:

„We got to look back and see and learn from the past,
we got time to change it, but it’s running out fast“ (East 17)

„We all got a part we must play,
and I’ve done it, but I’ve done it my way“ (Blue)

„The result was very good, but the play, we can more“ (L. Matthäus)

Heimsieg

Der 16.2.2019 darf für unseren kleinen Fanclub als historisch betrachtet werden. Erst die seit Langem ersehnte Ernennung unseres Vereins zum 51. Offiziellen Fanclub (OFC) von Rasenballsport Leipzig, dann bei bestem Frühlingswetter ein tolles Stadionerlebnis in Stuttgart mit dem ersten Heimsieg für uns Schwabenballisten gegen die Erstvertretung des VfB Stuttgart. Gegen den VfB II und die Kickers (das damalige 3.Liga-Spiel war so etwas wie die Geburtsstunde der Schwabenballisten) war man im Ländle ja bereits erfolgreich.

Eine Odyssee auf Schwäbisch

Der eingefleischte Schwabe kennt Odisseas (Vlachodimos), wir kennen mittlerweile auch die Odyssee … auf Schwäbisch sozusagen. Nun ist der Schwabe ja an sich ein geduldiger Mensch, er stellt sich mit Vorliebe wahlweise auf der A8 oder der A81 in den Stau, wartet wie der Kollege „tuxbooster“ gerne auf stundenlang auf seine S-Bahn oder hängt in der Warteschleife der chronisch überlasteten Stuttgarter Behördentelefone fest.

Im Sport und insbesondere beim Aufbau unseres kleinen Fanclubs war der Ehrgeiz jedoch größer. Schon 2014 wurde von der Aufnahme in den Olymp der offiziellen Fanclubs des einzig wahren Rasenballsports geträumt. Man tauschte sich in der Folge aus, war vor allem zu Zweitligazeiten in den vielen süddeutschen Auswärtsstadien zu Gast, netzwerkelte und wurde bald stolz von Oberrasenballsportler Ralf Rangnick als Paradebeispiel für die Ausdehnung des Faninteresse bis in die westdeutschen Lande gelobt.

Mit der Einführung des „Schwabenballisten“-Banners stieg die Bekanntheit sprunghaft an und einige Fans des Rasenballsportes meldeten sich in der Folge, der Fanclubs wuchs und gedieh. Es wurde eine Vereinsgründung vorbereitet und Kontakt zum Fanbeauftragten zwecks OFC-Antrag aufgenommen. „Kein Problem“, hieß es, „wir haben Euch auf dem Schirm, gründet Euren Verein und es wird kein Problem“.

Dachten wir … denn der Verein plante die Umgestaltung seiner OFC-Richtlinien. „Sobald die von allen angenommen ist, könnt Ihr den Antrag stellen, bis dahin ist Aufnahmestopp“. So fair, so gut. Dass sich die Annahme der neuen Richtlinien dann um einige Monate verzögerte … geschenkt.

Leider wurde durch den Ansprechpartner die Kommunikation komplett eingestellt. Dumm aber vor allem, wenn ein Fanclub, dessen Vereinsgründung nach unserer stattfand, vor Verabschiedung des neuen OFC-Statuts plötzlich in den OFC-Stand erhoben wurde.

Die Schwabenballisten sammelten bereits ihre Bauern, um mit Fackeln und Mistgabeln gen Leipzig zu ziehen, als im Herbst 2017 sich das neue Fanbetreuerteam dem Thema annahm. Im Dezember 2017 war der Antrag fertig, es begann das obligatorische „Bewährungsjahr“. „Ob das auch nötig gewesen wäre, wenn wir Spätzle-Bulls heißen würden?“, fragte man sich.

Im Dezember 2018 dann die freudige Ankündigung: „Schwabe, sammle Dich zur OFC-Verleihung in Leipzig!“ Doch wie den gesamten Tross in die Messestadt bewegen? Eine Idee reifte: warum nicht die Verleihung in Stuttgart durchführen? Ein Plan musste her.

Flashback: eine Abstimmung 2017 hatte ergeben, dass die Verleihung durch „Aki“ Watzke stattfinden sollte. Man hätte ihn im „Fritzle“-Kostüm ins Stadion schmuggeln können, um auf dem Feld die Zeremonie durchzuführen, die sportliche Krise beim BVB verhinderte jedoch Akis Verfügbarkeit.

Es sollte also vor dem Spiel stattfinden. Was liegt da näher, als die Fankneipe des „Schwabensturms“ oder die des „Commando Cannstatt“. Leider hatten die Fanbeauftragten plötzlich Sicherheitsbedenken. Auch die Versicherung, dass die Schwabenballisten Schließer aus dem Knast in ihren Reihen hätten, trug nicht zur Beruhigung bei.

Die Rettung nahte in Gestalt der „Kulturinsel“, die dank unseres Mitgliedes Sven ihre Tore für uns öffnete. „Verleihung dahoam“ gesichert, hätte der Bayer gesagt.

Vor dem Spiel ist nach dem Kneipenabend

Kein „Heimspiel“ ohne vorherigen Kneipenabend. Schon im Vorjahr hatten wir zu unserem Kneipenabend netten Besuch von den „Sportfreunden Leipzig“. In diesem Jahr beehrten uns Gäste von den „RB Freunden Bennewitz“, ihrerseits dem zahlenmäßig größten RB-Fanclub. Im „Trollinger“ wurde über Gott und die Welt gesprochen, sogar ein waschechter Schalker war zu Gast.

An dieser Stelle dürfen wir uns herzlich für das Kommen unserer Gäste bedanken und denjenigen, die im kommenden Jahr schon am Vorabend anreisen eine herzliche Einladung aussprechen.

Heimspieltag – da ist das Ding!

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Dank unseres Schriftführers und Kleidungswartes Steffen waren die „Schwabenballisten“-Poloshirts rechtzeitig eingetroffen, sodass einem ordentlichen Dresscode für die OFC-Verleihung nichts im Wege stand.

Pünktlich um 12:15 Uhr waren Getränke und Fleischkäsewecken angerichtet für die Feierlichkeiten, die Heim- und Auswärtsbanner der Schwabenballisten zierten einträchtig die Wände. Was fehlte war der „Vater“ der Schwabenballisten, denn unser Vorsitzender Enrico weilte weit entfernt auf einer Familienfeier und durfte den verdienten Lohn seiner Mühen somit nur aus der Distanz auskosten.

So war es dem 2. Vorsitzenden vergönnt, die Fanbetreuer Axel Ackermann und Michael Pietschmann zu begrüßen und die OFC-Urkunde sowie das Trikot mit der Nummer 12 entgegenzunehmen. Axel Ackermann lobt das Engagement der Schwabenballisten und betonte, dass sich der Verein freue, dass der Fanclub den baden-württembergischen Raum mit Leben fülle. Gerade die Einmischung zu fanpolitischen Themen stieß bei den Fanbetreuern auf besondere Resonanz. „Wir freuen uns über Eure kritischen und fundierten Beiträge“.

Im Schweinsgalopp durch die Jahreshauptversammlung

Ein kleiner, homogener Fanclub hat den unschätzbaren Vorteil, dass Jahreshauptversammlungen ohne große Diskussionen ablaufen. Nachdem die Vorstandschaft einstimmig entlastet wurde, durften sich Schatzmeisterin Andrea Hebecker und der 2. Vorsitzende Matthias Busse über eine einstimmige Wiederwahl freuen. Als Beisitzer wurden Udo Hebecker, Andreas Saalmann, Kevin Merkel und Robert Marko gewählt.

Für 2019 sind die Durchführung des Fußballprojektes in der JVA geplant sowie eine Weihnachtsfeier mit RB-Beteiligung, die zeitnah geplant wird. Zudem soll das Fanartikelsortiment um „Schwabenballistenschals“ und weiteres aufgerüstet werden.

Auf ins Stadion

Der frühe Veranstaltungsbeginn ermöglichte auch die Anwesenheit unseres Bannerbeauftragten zur Stadionöffnung, wodurch wir uns direkt an der Front des Fanblocks den prominenten  Bannerplatz zum Heimspiel sichern konnten.

Etwas Überraschung kam auf, als der Kern der aktiven Fanszene das Capopodest verwaisen ließ und vor unserem Block quasi den Beginn des „Ultrablocks“ festlegte. So waren die ausgewiesenen „Nulltras“ plötzlich mitten im Stimmungszentrum des Rasenballsportsupports angekommen.

Dank eines gut aufgelegten Publikumslieblings „Yussi“ Poulsen und eines Geniestreichs von Marcel Sabitzer vom Freistoßpunkt gab es drei Mal Gelegenheit zum Jubel und drei Punkte im Gepäck zum ersten „Heimsieg“ für uns Schwabenballisten in Stuttgart gegen den VfB I.

Die Schwabenballisten möchten sich an dieser Stelle bei allen bedanken, die diesen wunderbaren Tag möglich gemacht haben, allen voran unserem Vorsitzenden Enrico, dem Team der Kulturinsel und unseren Fanbetreuern Axel Ackermann und Michael Pietschmann, die sich unseren Anliegen sofort angenommen haben. Wir hoffen, dass der Verein der Abteilung den Stellenwert einräumt, den er verdient.

 

Danke Timm

Von Neugier bis Ablehnung durch ein Spruchband war bei Deinem Start bei uns letztes Jahr im September alles dabei. Jedoch hast Du es in nicht mal 5 Monaten geschafft, Dir den Respekt fast aller Fanclubs und vieler Fans zu erarbeiten. Dazu gehörte, dass Du unvoreingenommen Kontakte geknüpft, Fanclubs besucht, Versprechen eingehalten und mit Präsenz geglänzt hast.

Alle, die Dich kennenlernten, schätzten Deine Arbeit. Du hast Dich um unsere Anliegen gekümmert, die Auswärtsfahrerinnen und Auswärtsfahrer mit den nötigen Infos versorgt, warst immer ansprechbar und ein guter Vermittler zwischen Fans und Verein. Mit Deiner Erfahrung und klaren Vorstellungen von Fanarbeit brachtest Du neuen Schwung in die seit Jahren kränkelnde Fanbetreuung.

So hast Du schnell unser Vertrauen gewonnen. Wir hatten gehofft, dass mit Dir endlich ein Fanbetreuer da ist, der kontinuierlich arbeiten kann, der das Vertrauen der Fans und des Vereins genießt, der verlässlich ist – ein Fanbetreuer eben, der den Namen verdient.
Deswegen bedauern wir Deinen Rückzug sehr!

Wer hätte in Düsseldorf gedacht, dass man Dich bereits beim Spiel in Hannover nicht mehr antrifft? Was läuft eigentlich falsch in unserem Verein, dass innerhalb von knapp zwei Jahren gleich drei Fanbetreuer entweder gehen, den Job wechseln mussten oder freiwillig nach nur 5 Monaten der Stadt den Rücken kehren?

RB Leipzig – wir fühlen uns als Fans von Dir schon lange nicht mehr richtig ernst genommen und respektiert. In den anderen Stadien dieses Landes sind wir das gewohnt. Im eigenen Stadion werden wir uns jedoch ganz sicher nicht zu den meinungslosen und stromlinienförmigen Konsumenten machen lassen, als die uns andere Fanszenen gern verrufen.

Wir wollen uns identifizieren können mit dem Verein, für den wir brennen! Versteht, dass ein Fanbetreuer am Verein auch mal Kritik üben darf und muss, wenn er Anliegen der Fans nicht richtig umgesetzt sieht. Sorgt bitte endlich dafür, dass Typen wie Timm mit all ihren Ecken und Kanten an ihren Ergebnissen gemessen werden – und hierbleiben, weil sie auch genau hier sein möchten. Ein Fanbetreuer sollte kein Dienstbote sein, sondern jemand mit eigenen Ideen und Vorstellungen.

Timm, wir möchten Dir danken, dass du mit Geduld, Verlässlichkeit, offenen Ohren und Engagement versucht hast der Fanbetreuer zu sein, den wir uns wünschen und den Fans grundsätzlich brauchen! Wir möchten dir danken, dass du es geschafft hast eine Vertrauensperson zu werden und zu sein! Wir wünschen Dir alles Gute für deine weitere Zukunft!

*Unterzeichner: *
rasenballisten e.V.,Vorstand und Beirat des Fanverband Leipzigs e.V.,
#BrauseCrew, BULLS CLUB e.V., Colectivo Lipsia, Fanatics, Fraktion Red Pride, Heidebullen, L.E. Bulls, Lecrats, New Red Generation, Osttirol Bulls, Platzhirsche, rainbowBULLS Leipzig e.V., RB Family&Friends, ReBellen L.E. 2.0, Red Aces, Red Business, Red Campus, Schollenbullen, Schwabenballisten e.V., Sportfreunde Leipzig e. V., Thüringer Bullen, Zone 147

Keine Politik im Stadion

Ein herzliches Willkommen in der Saison 2018/19. Seit unserem letzten Blogeintrag sind knapp 5 Monate vergangen. Wir waren in der Zwischenzeit auf Reisen, sogar die so stiefmütterlich behandelte Europa-League wurde dank unserer Unterstützung überstanden. Besonders präsent waren die Schwabenballisten im  TV beim U17-Halbfinale gegen die Bayern. Die Unterstützung half in diesem Fall wenig, man schied sang- und klanglos gegen den Nachwuchs des Rekordmeisters aus.

Sportlich gab es aber insgesamt wenig, das die Schwelle zum Schreiben eines Blogbeitrages überschritt. Nur an einem Thema kam man nicht vorbei: Politik! Bzw. was Politik im Stadion zu suchen hat oder auch nicht. Mehrfach in den letzten Wochen dachte ich darüber nach, etwas darüber zu schreiben. Ich dachte irrigerweise, für „gesunden Menschenverstand“ gebe es einen breiten Konsens. Die Stellungnahme von  RB Leipzig über seine offiziellen Kanäle zu diesem Thema brachte das Fass jedoch zum Überlaufen.

Im Rahmen der Pressekonferenz zum Spiel gegen Hannover 96 sagte Ralf Rangnick zur offiziellen Linie des Vereins unter anderem:

„Der Fußball kann grundsätzlich viel zusammenbringen, auch Themen einen, die sonst schwierig zu vereinen sind. Dazu muss Fußball aber versuchen, sich aus politischen Positionen herauszuhalten. Fußball sollte sich dieser Funktion bewusst bleiben; dazu gehört eine unpolitische Rolle einzunehmen“.

Was grundsätzlich keine neue Position ist. Interessanter der Nachsatz:

„Grundsätzlich muss man im Fußball aufpassen, dass man sich nicht vor jeden Karren spannen lässt. Die Mannschaft hat eine klare Meinung, zeigt diese auch und setzt sich sozial sehr stark ein. Aber wir lassen uns nicht vor jeden Karren spannen“.

Um welchen Karren geht es dabei? Ein kurzer Abriss der jüngsten Geschehnisse (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): in Chemnitz kommt ein 35-jähriger Deutscher gewaltsam zu Tode. Tatverdächtig sind u.a. zwei Asylbewerber, von denen einer vollziehbar ausreisepflichtig ist. Es kommt zu einer überraschend schnellen und großen Mobilisierung durch rechte Gruppen, das Stadtfest wird abgebrochen. Am Folgetag kommt es u.a. zu einer überraschen großen Demo auf Initiative des rechten Bündnisses „Pro Chemnitz“, bei dem es zu mehreren politischen Straftaten (z.B. Zeigen des Hitlergrußes) und zu Gewaltakten (einige Demonstrationsteilnehmer gehen gewaltsam gegen Passanten vor, insbesondere gegen fremdländisch aussehende Bürger der Stadt). In der Folge entzündet sich eine Diskussion um die Einordnung der Demonstration, da sich viele „bürgerliche“ Demonstranten beteiligt hatten, die ihrerseits friedlich demonstrierten, allerdings gegen die o.g. Straftaten auch nicht einschritten.

Viele Personen und Organisationen des gesellschaftlichen Lebens bezogen anschließend Stellung.  Der SV Werder Bremen äußerte sich als einer der ersten Fußballvereine öffentlich in unmissverständlicher Weise:

Selbst die SG Dynamo Dresden, deren Management im Umgang mit politisch extremen Fans in der Vergangenheit Anlass zur Kritik bot, äußerte sich öffentlich. Rasenballsport Leipzig schwieg lange Zeit – und erklärte nun aktiv, man wolle keine Position beziehen.

Allgemein hätte man ein Statement etwa wie folgt erwartet: „Unser Verein vertritt die Werte des Sports. Fair Play heißt Achtung und Respekt vor unserem Nächsten unabhängig von seiner Hautfarbe, Religion, seines Geschlechts und sexuellen Bekenntnisses. Unser Verein steht für ein friedliches Miteinander: auf dem Platz, auf den Rängen und auch außerhalb des Stadions“.

Natürlich ist dies ein politisches Statement. Aber es sollte auch unser gesellschaftlicher Grundkonsens sein, denn es ist Ausfluss des Kerns unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Sie zu achten und zu schützen ist nicht nur Aufgabe des Staates, sie ist auch Auftrag an uns alle als Bürger dieses Staates.

Wir Schwabenballisten unterstützen die Forderung „Keine Politik im Stadion“. Diese sehr prägnante Forderung muss aber im Hinblick auf den gesellschaftlichen Grundkonsens ausgelegt werden und bedeutet für uns: keine Allgemeinpolitik und erst recht keine Parteipolitik im Stadion. Insoweit ist die Aussage des Vereins Rasenballsport Leipzig auch absolut richtig. Im Stadion kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Einstellungen zusammen. Das ist nicht nur in Ordnung, es ist im Hinblick auf Pluralismus und Demokratie auch wünschenswert. Um eine verbindende Kraft zu erzielen, darf man den politischen Streit in Einzel- oder Sachfragen nicht ins Stadion tragen. Hier hat Ralf Rangnick aus unserer Sicht recht.

Es gibt gute Gründe für oder gegen eine Rodung im Hambacher Forst zu sein.
Es gibt gute Gründe das Engagement von Seenotrettern zu unterstützen wie es Gründe gibt, einzelne Aspekte davon kritisch zu sehen.
Es gibt gute Gründe für ein bedingungsloses oder ein solidarisches Grundeinkommen oder dagegen zu sein.

Wir wollen diese Diskussionen im Bereich des Fußballs nicht führen. Im Sommer gingen bei uns in der Gruppe zur Causa „Özil“, einer komplexen sportpolitischen Fragestellung höchst unterschiedliche Ansichten. Das ist auch in Ordnung. Jeder darf sich zu diesen Themen seine eigene Meinung bilden, wir tauschen uns nicht über parteipolitische Präferenzen aus und wollen das auch nicht im Stadion, im Fanverband oder beim Fanclubtreff tun.

Was wir aber erwarten, ist ein Mindestmaß an Respekt – auch gegenüber Politikern oder sonstigen Menschen, die politisch ganz anderer Meinung sind – und das Einhalten der grundlegenden Spielregeln unserer Gesellschaft. Wir respektieren jeden unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion oder sexueller Identität.

Um die US-amerikanische Verfassung zu zitieren: „We hold these truths to be self-evident“. Und daher irritiert es, wenn ein Verein diese Selbstverständlichkeiten als „Karren“ oder Kampagne bezeichnet, für die man sich nicht instrumentalisieren lassen möchte. Ein Statement, dass der Verein, der Sportler verschiedener Hautfarbe, Religion und Herkunft zusammenbringt, ohne Weiteres mit Leben füllen kann.

Warum also dieses Zögern?

Ich meine, weil sich der Verein gerade vor einen anderen Karren spannen lässt, möglicherweise ohne dies zu wollen. Es gibt in Sachsen wie in ganz Deutschland eine erhebliche Zahl an Menschen, die der Auffassung sind, die praktizierte Einwanderungspolitik (allgemein gesprochen) sei zu liberal und – und das dürfte der entscheidende Punkt sein – ein Bekenntnis zu diesen Selbstverständlichkeiten (ich unterstelle, die allermeisten wollen keine Gewalt gegen Ausländer und haben nicht per se etwas gegen andere Kulturen) würde den Focus von ihrem Anliegen „weniger bzw. kontrolliertere Einwanderung“ ablenken. Aus dieser Ecke kommen dann auch die lautesten Aufforderungen, man solle sich nicht „politisch“ äußern.

An den letzten Wahlergebnissen kann man ablesen, dass im Einzugsgebiet von Rasenballsport Leipzig ein nicht geringer Anteil diese politischen Ansichten teilt. Man muss kein Prophet sein, dass unter den RB-Anhängern auch einige Fans sind, die diese politische Meinung vertreten.

Es wirkt, als wolle der Verein krampfhaft versuchen, niemandem auf die Füße zu treten, um maximal viele potenzielle Fans zu erreichen und zu vereinen. Das ist im Grunde genommen auch in Ordnung, denn der Verein muss sich parteipolitisch in keine Ecke stellen. Es braucht unseres Erachtens auch keine populistischen Aktionen, wie diejenige des Präsidenten von Eintracht Frankfurt, der AfD-Mitglieder oder -Wähler aus dem Stadion vertreiben möchte. Dass dies nicht praktikabel ist, dürfte offensichtlich sein, schließlich steht niemandem auf die Stirn geschrieben, was er wählt.

Rasenballsport Leipzig übertreibt es an dieser Stelle in die andere Richtung: niemandem weh zu tun, egal wie weit er vom Grundkonsens entfernt ist, schadet mehr als dass es eine „Gewinnmaximierung“ darstellt. Ähnlich wie im Hinblick auf die Ausschreitungen während des Leverkusen-Spiels (siehe „Die Wahrheit liegt nicht immer in der Mitte„), so kann der Verein es auch hier nicht jedem recht machen wollen. Aber die Aussage: „Wir stehen zum Grundkonsens unserer Gesellschaft, ohne Wenn und Aber“, widerspricht in keiner Weise dem Anspruch, dass es jedem Fan frei steht, eine politische Meinung in dem von unserer Verfassung gesteckten Rahmen zu bilden.

Besonders traurig sind die Aussagen von Rangnick auch deshalb, weil er vor einigen Monaten bei „Sky90“ sich sehr klar gegen Rechtsextremismus ausgesprochen hat und in keinster Weise relativiert hat, Vereine sollten sich da heraushalten. Rangnicks persönliche Meinung kann man ihm abnehmen, er lebt diese Einstellung auch vor. Umso bedenklicher, wenn er nun als Vereinslinie Zurückhaltung ob dieser Werte und Normen propagiert. Die Frage muss erlaubt sein, wer im Verein dann diese „vorgeblich unpolitische Linie“ durchsetzt: Oliver Mintzlaff? Der Pressesprecher? Oder etwa Dietrich Mateschitz?

Wir meinen, dass der Verein aufpassen muss, dass seine unpolitische Linie von der Mehrheit in diesem Lande nicht am Ende doch als sehr politisch wahrgenommen wird und sich denjenigen anbiedert, die an anderer Stelle konsequente Absagen erhalten. Niemand erwartet, dass RB-Funktionäre auf Friedensmärschen mit Antifa-Fahne, DGB-Mütze und Linksparteiaufnäher oder was auch immer herumlaufen müssen. Was wir aber erwarten dürfen, ist gesellschaftliches Engagement  gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Gewalt, gegen Ausgrenzung. Das ist das Mindestmaß, was wir in diesem Land erwarten dürfen. Wir bedauern sehr, dass der Verein keinen Vertreter zur Podiumsdiskussion nach dem Theaterstück „Juller“, einem äußerst sehenswerten Theaterstück, das u.a. am „Theater der jungen Welt“ aufgeführt wird und sich mit der Geschichte der Nationalspieler Julius Hirsch und Gottfried Fuchs, die jüdischen Glaubens waren, beschäftigt, abgesandt hat.

Gleichsam gibt es auch in anderen Bereichen Nachholbedarf: wenn in einem Strafen-Glücksrad bei der 1. Mannschaft der Rasenballsportlern neben anderen Dingen auch das Tragen eines rosa Outfits oder eine Ballerina-Kostüms als Strafen definiert werden, dann vermittelt das ein seltsames Bild in unserer heutigen Zeit über den Umgang mit unterschiedlichen Geschlechterbildern und sexuellen Identitäten, deren Respektieren auch zu unserem gesellschaftlichen Grundkonsens gehören sollte. Der Rotebrauseblogger hat hierzu sehr eindrucksvoll dem Verein etwas ins Stammbuch geschrieben: https://rotebrauseblogger.de/2018/09/13/presse-13-09-2018

 

Nein, man muss es mit der „Political Correctness“ nicht übertreiben. Man muss auch keinen Überbietungswettbewerb machen, wer sich am besten gegen „Rechts“ engagiert. Das Kerngeschäft ist noch immer der Fußball. Dennoch steht der Verein aus unserer Sicht in der Pflicht klare Grenzen zu ziehen, wo der akzeptable Rahmen aufhört – und der ist aus unserer Sicht da zu ziehen, wo es um Gewalt oder den Aufruf dazu geht und darum an der Seite derjenigen zu stehen, die sich dem Erhalt des gesellschaftlichen Grundkonsenses verschrieben haben.

In diesem Sinne:  Nachsitzen, liebe Rasenballsportler!

Die Wahrheit liegt nicht immer in der Mitte

Das Spiel Rasenballsport Leipzig gegen Bayer Leverkusen war mehr als nur eine sportliche Niederlage, sie war ein Offenbarungseid der aktiven Fanszene, deren Konflikt um die Ausrichtung beim ersten „Montagsheimspiel“ in der Bundesliga aufbrach. Man ist gerne geneigt, eine vermittelnde Position einzunehmen, wie es beispielsweise unser Vorzeigeblogger „Rotebrauseblogger“ mit seinem Fingerspitzengefühl regelmäßig vormacht. Hier ist jedoch klare Kante gefragt, meinen wir Schwabenballisten. Die Wahrheit liegt nicht immer in der Mitte.

 

Die Ausgangslage:

Ende März lud ein Teil der sogenannten „aktiven Fanszene“ mit einwöchiger Vorlaufzeit zu einer Diskussion über die von ihr geplante Protestaktion gegen die Montagsspiele ein. Unsere Meinung zu den Protesten ist bekannt, wir haben sie in „Once upon a time I was falling in love“ einmal dargelegt. Ein öffentliches Statement sahen wir vor dem Spiel als nicht erforderlich an, zumal unsere Mitglieder selten in Block B anzutreffen sind.

In der Diskussionsrunde der „aktiven Fanszene“ wurde Einigkeit darüber erzielt, dass die Montagsspiele sehr weitgehend wegen fanunfreundlicher Anstoßzeiten abgelehnt werden (hier sind wir Schwabenballisten im Grundsatz d’accord), uneinig war man sich über das Protestmittel, eine einfache Mehrheit unter den Anwesenden stimmte für einen Stimmungsboykott.

Es entzündete sich erwartungsgemäß Kritik, zumal die sportliche Bedeutung des Spiels hoch ist. Naturgemäß entwickelte sich eine Gegenbewegung, die den Supportverlust durch das angekündigte Schweigen auffangen wollte. Soweit – so unspektakulär. Jeder entscheidet, ob und wann er supporten möchte, wir sind keine bezahlten Claqeure, die bei Arabella oder Hans Meiser mit Schildchen zum Klatschen animiert werden.

Berechtigterweise wurde im Vorfeld darauf hingewiesen, man möge unterschiedliche Meinungen respektieren und im Stadion gut miteinander umgehen.

 

Ein Rohrkrepierer

Im Stadion erwies sich der vorab groß angekündigte Boykott als Rohrkrepierer. Hinter dem Boykott stand eine Gruppe von wohlwollend geschätzten 150-200 Leuten, vorrangig an der Schwelle zur Volljährigkeit. Auf der anderen Seite mehrere Tausend anderer Fans, die angestachelt vom „Boykott“ mehr als üblich mitsangen.

Man darf die Frage stellen, warum es eines Boykotts der „Ultras“ bedarf, ehe die Mitmachquote im übrigen Stadion derart gut wird. Die Stimmung war jedenfalls hervorragend, für viele war die erste Halbzeit supporttechnisch die beste der gesamten Saison.

Die Boykottierer beließen es nicht dabei, den Support zu verweigern, stattdessen pfiffen sie in Trillerpfeifen, als ob die IG Metall einen Warnstreik in der Red Bull Arena ausgerufen hätte. Die Pfiffe richteten sich gegen den Support der übrigen Fans, selbst bei Ballbesitz der Rasenballsportler.

Traurig auch die Rolle der „Capos“, die die komplette erste Halbzeit schwiegen und denen das Gespür fehlte, dass die überdeutliche Mehrheit den Boykott ablehnte. Es fehlte hier die Größe, den Boykott einen guten Mann sein zu lassen und sich auf die Fankurve einzulassen. In diesem Zeitpunkt wäre der „Riss“ aus unserer Sicht zu kitten gewesen. Die Mehrheit hatte gesprochen.

Stattdessen versuchten die Boykottierer zu Beginn von Halbzeit 2 die Hoheit über den Support an sich zu ziehen. Die Capos stiegen in diesem Moment mit ein, die Kurve verweigerte die Gefolgschaft, es folgten Beleidigungen an die Kurve seitens des Capos, die vom Rest der Kurve mit Pfiffen quittiert wurden.

Die Stimmung aus Halbzeit 1 war dahin. Wirklich laut wurde es um die 85. Minute, als das gesamte Stadion das „Lipsia“-Lied, sozusagen den Inbegriff der Privatparty einer kleinen Minderheit, zum Anlass nahm, dem Team mit „Wir sind Leipzig“ Auftrieb zu geben. Ein Fakt, der von Seiten des Vereins goutiert wurde, sodass zwar innerhalb der Fanszene ein Riss entstand, der Verein sich aber ob der trotz Niederlage tollen Stimmung freute, was auch Eurosport fast mantraartig hervorhob, freilich ohne vom Konflikt innerhalb der Fanszene Notiz zu nehmen.

 

Der Verein muss Farbe bekennen

Nicht nur wir als Fanclubs sind nach diesem Spiel gefragt Farbe zu bekennen, auch RB muss sich positionieren, etwas, das dem Verein, der verständlicherweise im eigenen Umfeld möglichst wenig anecken will und unter anderem deswegen Politik scheut wie der Teufel das Weihwasser, schwer fällt.

In diesem Fall darf der Verein nicht neutral bleiben, wenn er nicht riskieren will, dass dauerhaft etwas zerbricht, was seit 2009 gewachsen ist. Der Verein sollte zur Kenntnis nehmen, dass die hier offenbar gewordene Spaltung nicht zwei in etwa gleich große Gruppen betrifft, die man beide befriedigen bzw. besänftigen sollte, sondern eine mindestens 90 %ige Mehrheit genervt ist, von den – böse gesagt – (spät)pubertären  Aktionen einer Ultragruppierung. Dem Verein sollte es ebenfalls nicht egal sein, dass die Capos nach diesem Spiel  ein erhebliches Glaubwürdigkeits- und Akzeptanzproblem haben dürften.

Wir haben das Interview unseres Machers Ralf Rangnick in der LVZ aufmerksam gelesen. „Ich halte unsere Fanszene für zu besonders und reflektiert, als dass sie einen solchen Stimmungsboykott abhält“, ließ er sinngemäß verlauten. Er sollte mit der Prognose recht behalten.

 

ABER:

Die Besonderheit einer reflektierten, selbstironischen und erfrischend anderen Fankurve ist nicht selbstverständlich, man muss etwas dafür tun. Aus unserer Sicht wächst eine Generation heran, die –  großteils auch altersbedingt – nicht aus eigener Erfahrung weiß, warum ein Verein wie RB Leipzig in Leipzig entstanden ist und warum es gerade dieses Vereins bedurft hat, um in dieser Stadt nicht nur sportlich etwas zu entwickeln, sondern auch die breite Masse an Menschen abseits bestimmter Subkulturen abzuholen und zu begeistern.

Wir erleben seitens eines besonders lauten Teils der Fanszene Tendenzen, wie wir sie bei anderen Bundesligavereinen auch sehen. Steuern wir hier nicht gemeinsam dagegen, erleben wir vielleicht auch, dass der besonders aktive Teil der Fanszene wie in Hannover dauerboykottiert, weil man bei einem bestimmten Thema kompromisslos ist. Oder wir ernten ähnliche Konflikte wie in Gladbach, wo wir bei unserem Gastspiel auch erleben durften, wie die „normalen“ Fans die Ultragruppe für ihre Anti-RB-Stimmungsboykott-Faxen gnadenlos auspfiff. Will man es auch irgendwann soweit kommen lassen, dass wie in Gladbach die Subkultur das eigene Team selbst nach Siegen auspfeift, Deutschlands beste Schiedsrichterin als „Hure“ beschimpft, u.v.m.?

Ich denke nicht, dass wir solche Zustände dauerhaft in unserem Wohnzimmer sehen wollen. Der Weg kann aus unserer Sicht nicht sein, dass wir zulassen, dass eine Ultraszene überproportional an Bedeutung gewinnt, sondern  beim Support die Wünsche der gesamten Fankurve Berücksichtigung finden.

„Aber die machen doch so tolle Choreos“, heißt es dann wieder. Ja, machen sie. Dafür gebührt den Organisatoren Respekt und Anerkennung. Aber Choreos sind kein Freibrief, der Mehrheit der Fans eine Meinung aufzuzwingen, diese – teilweise auch handgreiflich – anzugehen und wie selbstverständlich zu erwarten, dass man ihnen folgt.

Klargestellt sei, dass Handgreiflichkeiten nicht einseitig vorkamen und es ein wachsendes Problem mit einer Gruppe bestimmter politischer Gesinnung und wachsender Gewaltaffinität gibt. Auch hier gilt: wehret den Anfängen!

 

Konsequenzen ziehen!

Der Vorfall muss aufgearbeitet werden. An dieser Stelle großes Lob für die Reaktionen im Fanverband und die Bereitschaft, die Geschehnisse in einer zeitnahen Sitzung aufzuarbeiten.

Es gibt einige Stimmen, die meinen, man solle es „nicht überbewerten“ und weitermachen, als ob nichts geschehen wäre, den man könne nur einig auftreten. Ja, Einigkeit auf einem gemeinsamen Nenner ist nicht nur wünschenswert, sondern Grundvoraussetzung. Nicht zielführend ist aber, die Verursachungsanteile gleichzusetzen. Wir haben nicht zwei Blöcke, sondern augenscheinlich eine große, normale Fanbasis, die in Halbzeit 1 eine beeindruckende Reaktion gezeigt hat, und eine kleine aber laute Ultragruppe, die in eine gänzlich andere Richtung steuert.

An dieser Stelle kann man versuchen, alle einzufangen. Das möchten wir hier ausdrücklich nicht. Auch wenn wir uns an dieser Stelle unbeliebt machen, wir müssen „FaRBe bekennen“, und das wünschen wir uns auch vom Verein Rasenballsport Leipzig:

 

  1. Wir wünschen, dass der Verein mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ermittelt, wer für die Handgreiflichkeiten verantwortlich ist. Unabhängig vom Lager (Pro oder Contra Boykott) ist Gewalt ein No-go.
  2. Wir wünschen uns, dass der Verein klar Stellung bezieht, welche Art der Kommunikation Grundlage für einen Austausch mit dem Verein ist. Wenn eine Ultragruppe den Sprachgebrauch anderer Ultraszenen adaptiert, sollten die Alarmglocken angehen
  3. Wenn einzelne Fangruppen partout sich gegen die absolute Mehrheit im Fanblock stellen, muss man sich von bestimmten Gruppen trennen. Es ist ein Irrglaube, man könne alles und jeden mitnehmen, wenn man nirgendwo aneckt und alles unter den Teppich kehrt. Lässt man eine Ultragruppierung zu viel Einfluss nehmen, wenden sich mit der Zeit normale Stadionbesucher ab oder es gibt einen Dauerstreit wie aktuell in Gladbach
  4. Wir sollten uns – das gilt ausdrücklich auch für die Mehrheit der normalen Fans – darauf besinnen FÜR etwas zu sein und nicht erst aktiv zu werden, wenn es gegen etwas geht.- Das geht los mit Pfiffen gegen die Mannschaftaufstellung der Gegner. Früher war man kreativ und rief zu jedem Name „kaufen wir“, das hat Witz- Ein Gegner liegt sichtbar verletzt am Boden (wie gestern Wendell – gute Besserung an dieser Stelle), unser Block singt den Holzmichel. Ich schäme mich für sowas.

    – Ein Spieler mit schwarzer Hautfarbe (ich verrate Euch was, davon gibt es Abermillionen, die sind etwas ganz Normales) wird mit Affenlauten begrüßt. Warum wird da (es sind zum Glück bislang nur Randerscheinungen) nicht schneller eingegriffen?

  5. Die Capos haben eine unglückliche Figur gemacht. Ein „Weiter so“ funktioniert nicht. Wir wünschen uns, dass der Verein hier zeitnah das Gespräch sucht und versucht Wege zu finden, dass die Vorsänger die Interessen des gesamten Fanblocks und nicht einiger Kleingruppen zu vertreten.
  6. Choreos sind kein Freibrief, um im Block zu veranstalten, was man will. Choreos sollten wo es geht unterstützt werden, sowohl seitens des Vereins als auch seitens der Fanclubs, aber daraus darf kein Primat in der Fankurve erwachsen, dass eine besonders aktive Gruppe das Sagen hat. Hier ist auch der Verein gefragt, sich zu hinterfragen, ob er und seine Fanbetreuer in Fankreisen die richtigen Ansprechpartner suchen.
  7. Ein Fanverband ist das richtige Instrument, um bei unterschiedlichen Interessenlagen zu vermitteln und den gemeinsamen Nenner zu suchen. Die Gruppen, die gestern boykottiert haben, haben dem bestehenden Fanverband den Rücken gekehrt. Der Verein täte – insbesondere ob der gestrigen Vorkommnisse – gut daran, den Fanverband zu stärken. Wenn Rasenballisten, LECrats und Co. Einfluss nehmen wollen, steht ihnen das im Fanverband frei. Eine Politik à la „wer am lautesten schreit, bekommt am meisten“ ist kontraproduktiv.

 

Fazit

Es ist viel Porzellan zerschlagen worden. Auch die „Treukott“-Fraktion hat sich nicht überall mit Ruhm bekleckert. Aber wenn dieses Spiel etwas Gutes gehabt haben soll, kann der Schluss nicht lauten, ich tadele alle mit dem Gießkannenprinzip, es müssen konkrete Schlussfolgerungen gezogen werden, dass Partikularinteressen nicht das gemeinsame Ziel „Freude am Fußballspiel und Unterstützung von Rasenballsport Leipzig“ überlagern. Die große Mehrheit hat gestern demonstriert, dass sie genau das will. Das Zeitfenster ist offen, JETZT an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Verpasst man das Zeitfenster, sieht es hier bald aus wie in Aachen, Hannover oder Übelgönne.

Heimspiel – RB Leipzig zu Gast bei den Schwabenballisten

11.3.2018 – es war endlich soweit. Worauf wir seit 2009 gehofft hatten, ist nun Realität geworden: ein Spiel unserer Rasenballsportler in Stuttgart. Nun gut, in Liga 3 gab es bereits Auftritte im „Waldaustadion“ bei  der Zweitvertretung des VfB und den Stuttgarter Kickers. Letzteres war so etwas wie die Geburtsstunde der Schwabenballisten. Aber in RBL-Spiel in der „Mercedes-Benz-Arena“, einstmals „Neckarstadion“ genannt, ist schon eine andere Dimension. Dank des Wiederaufstiegs des VfB kam das Duell – wenn auch ein Jahr später als erhofft – zustande.

Sportlich ein wichtiges Spiel, vor dem Spieltag rangiert der VfB auf Rang 9, RBL auf Rang 6, der VfB im Aufwärtstrend seit dem Trainerwechsel, RBL mit drei sieglosen Spielen in Folge und der sicheren Niederlage gegen Bayern vor Augen unter Zugzwang, wenn der Zug in Richtung Europapokal nicht ohne die Rasenballsportler abfahren soll. Keine Frage, dass man das Team da unterstützen muss.

Zugegebenermaßen gab es vor dem Spiel Überlegungen das Spiel zu boykottieren. Die Rasenballsport Leipzig GmbH, die seit 2014 existiert, hat schließlich ein gewisses Standing und ein gewisses Maß an Tradition erreicht, nicht der Etikettenschwindel mancher Träumer, die „Tradition seit 2009“ propagieren, aber immerhin stramme Tradition seit 2014. Der Gegner und Emporkömmling, die „VfB Stuttgart 1893 Aktiengesellschaft“, die erst 2017 aus der Taufe gehoben wurde, kann selbstredend auf eine viel geringere Tradition zurückblicken. „Diese Neugründungen nehmen Traditionsunternehmen die Plätze in der Bundesliga weg! Das Traditionsunternehmen „FC Ingolstadt 04 Fußball GmbH“, Tradition seit 2013, zum Beispiel verlor den Startplatz an die Newcomer. Wir entschieden uns, diesen Punkt nicht überzugewichten, zumal der FCI älter als die Rasenballsportler sind und denselben Vorwurf an unsere Kicker richten könnte.

Blieb die Frage nach der Lauterkeit des Investors: die Daimler AG! Die VfB Stuttgart 1893 AG bezieht einen guten Teil des Etats von einem der Unternehmen, welches die Luft in der wunderschönen „Kesselstadt“ mit ihren Dieselfahrzeugen verschmutzt und laut Deutscher Umwelthilfe mitverantwortlich für zahlreiche vorzeitige Todesfälle ist. Auch dieses Thema wurde intern differenziert bewertet: wir entschieden uns, den Protest ins Stadion zu tragen, unser Vorsitzender fuhr mit der S-Bahn zum Spiel, um ein Zeichen gegen den Investor zu setzen!

Fehlende Luftreinhaltung scheint jedoch Teil der Vereinsidentität des VfB zu sein: das Parkleitsysten ist weit davon entfernt, kritikwürdig zu sein wie z.B. in Hoffenheim. Nein, in Stuttgart existiert es überhaupt nicht. Auf den Großparkplätzen fahren Autos kreuz und quer, niemand kommt voran, niemand kommt raus, „Deadlock“ auch zwei Stunden nach Spielende, eine Demo der Dieselfahrzeuge, wie man ihn zuletzt beim „Hochschulfreien Autotag“ des RCDS gesehen hat. Auch eine Möglichkeit die Stadt in den bundesweiten Schlagzeilen zu halten.

Nun gut, wir entschieden uns, das Spiel anzugehen und wollten uns nicht zuletzt für die mitgereisten Leipziger gute Gastgeber sein. Die Kurzfristigkeit der Ansetzung und unsere Boykottdiskussion führten dazu, dass wir uns erst recht zeitnah um ein Programm kümmerten, sodass die meisten Freunde des einzig wahren Rasenballsports aus Leipzig erst am Spieltag anreisten und unser Touristenprogramm für den Samstag noch ausbaufähige Resonanz fand. Wir hatten dennoch Glück und es fanden sich doch vereinzelte Fans als Vorhut, die mit uns am Vorabend des Spiels im Gasthaus „Trollinger“ ein sachgerechtes „Warmup“ feierten. Mit dabei auch das Maskottchen unserer Gäste, „Dubsch“.

Am Spieltag reisten die Schwabenballisten dann mit großer Kapelle an, Heimspiele ziehen eben! Unter den Aktiven auch zwei Neulinge aus Waldshut, die sich trotz der naheliegenden Konkurrenz der „Red Power Schweiz“ für die „Schwabenballisierung“ entschieden haben – sehr fein! Mit dabei ferner der „Hoffefan“, ein Anhänger des Traditionsunternehmens „TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs-GmbH“, die bereits seit 2005 seine Kunden begeistert. Nun mag der geneigte Kritiker des einzig wahren Rasenballsports hier keine Koinzidenz feststellen, schließlich gilt die TSG als Vorstufe zum Bösen, sprich RBL, dennoch kam der Besuch nicht ganz freiwillig, sondern auf Grund einer verlorenen Wette zustande. Zu Beginn der Saison 16/17 schlug der Hoffefan eine Wette vor, dass die TSG vor RBL landen würde. Davon war ich auch überzeugt, aber da niemand einschlagen wollte, hielt ich zur Ehrenrettung unserer Rasenballsportfreunde dagegen. Der Wetteinsatz: gewinnt der Hoffefan muss ich in den Hoffeblock bei TSG – VfB, gewinne ich, muss der Hoffefan in den RB-Block bei VfB – RBL. Das Ergebnis ist bekannt.

Fakt ist, der Hoffefan brachte uns verhältnismäßig viel Glück. Nun mag nicht jeder ein „Toilettenspiel“ (0:0) als Glück betrachten, aber die nüchternen Zahlen sagen: erstmals unter dem Hoffefan ohne Gegentor, der letzte Auftritt in Sinsheim war deutlich schlechter, es geht also aufwärts. Das Spiel behielt natürlich so manche Frage bereit:

  • Tut es Gulacsis krummem Finger nicht viel mehr weh die Bälle so miserabel zu fausten statt sie einfach zu fangen?
  • Haben Lukas Klostermann und Bernardo Flankenunterricht bei Christian „ich flanke jeden Ball ins Toraus“ Ziege genommen? (by the way: manches erinnerte an den Hans-Hubert-Vogts-Gedächtnisfußball)
  • Hat Bruma das Spiel mit dem aus der Grundschule bekannten Fangspiel verwechselt, wo man stillstehen muss, sobald einen der Ball berührt – zumindest solange bis ein Mitspieler durch die eigenen Beine kriecht?
  • Wurde eine Wette ausgelobt, wer sich die meisten Querschläger im Strafraum zutraut?

Okay, abgesehen davon, war es ganz ordentlich und RBL dem Siegtreffer gefühlt näher als die Newcomer der VfB AG. Unterm Strich aber wohl ein verdientes Resultat, welches den Frieden in so manchem Büro gewährleistet.

Wir haben nach der Partie unser Banner der feiernden Mannschaft präsentiert. Die entscheidende Frage: wer fühlt sich bemüßigt, Schwabenballisten-Ehrenmitglied zu werden, um uns einen vorzeitigen OFC-Status zu sichern? Bei Marvin „nothing comppers to you“ Compper ist es schon zu spät, bei Dome „(Ex-) Captain“ Kaiser bald vermutlich auch. Bliebe der „Toresohn“ Timo Werner, „Professor“ Ralf Rangnick oder Yussi Poulsen. Letzterer ist zwar kein Schwabe, aber mangels einer Vereinigung namens „Dänenballisten“ würden wir ihn ohne Weiteres einbürgern. Wie sagte er zuletzt: „Die RB-Fans lieben mich und ich liebe die RB-Fans“. Ja, Yussi, wir haben Dich sehr lieb! Deine Ehrenmitgliedschaft ist nur ein „Ja“ entfernt 😉

Unterm Strich hatten wir viele schöne Eindrücke vom ersten „Heimspiel“. Wir hoffen, liebe Rasenballsportler, wir waren ein guter Gastgeber. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung, vielleicht mit der Möglichkeit eines etwas größeren zeitlichen Vorlaufs. Eine gute Woche – und dann macht bitte das Unmögliche möglich und gebt den „Buyern“ eins auf die Nuss.

Eure Schwabenballisten.

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