Bayern-Jäger #1 – oder einfach nur ein überraschender Start

3. Spieltag: Hamburger SV vs. RB Leipzig

Der mehr als ambitionierte Aufsteiger zu Gast beim Dino der Bundesliga.

Vor dem Spiel schwankten die Meinungen zwischen vollkommen überlegener Sieg bis super zähes Rumgekicke mit komplett offenem Ausgang.

Ich erwartete eher letzteres, da ich davon ausging, dass die Hanseaten hinten dicht machen und uns eher spielen lassen. Hintergrund war die Annahme, dass bekannt sein sollte, dass die Jungs von der Pleiße mit Ballbesitz nicht so viel anfangen können und die Qualität des HSV nicht schlecht, aber auch nicht so gut ist, um uns an die Wand zu spielen.

Und exakt das war auch der Anblick in der ersten Halbzeit. Sehr zäh löschten sich die Mannschaften gegenseitig meist aus und wenn es doch mal passte, vergab man auch mal nen Hochkaräter. Im Vergleich zu den letzten beiden Spielen alles definitiv nicht schön, aber irgendwie erwartet.

Es ergab sich, dass mein Puls wieder höher war als der von Yussi (Yussuf Poulsen) oder Timo (Werner) nach 12 Vollsprints über das ganze Feld. Die Pause kam und ich konnte meine Mentalwerte wieder senken.

Kurz vor Anpfiff zur zweiten Halbzeit kam der Vorschlag meiner Minions, doch eher mal die Konferenz sehen zu wollen – Der FCB macht das sicher besser und B04 ist sicher auch sehr spannend. Und jetzt, wo wir tatsächlich mal Sky haben, können wir das auch mal nutzen – dazu aber später in einem gesonderten Bericht mehr.

Wir also auf Konferenz, nicht ahnend, dass im gesamten Spieltag irgendwie der Wurm drin ist.

In der 66. war mal wieder #HSVRBL dran – es hatte sich nichts getan. Und dann dieser eine Angriff, auf den man seit Anpfiff hofft. Werner zieht durch und taucht vor Adler auf. Den Ball legt er sich ein wenig weit vor, aber Rene Adler geht rein und Timo nimmt den Kontakt dankend an. Elfmeter. Das Wohnzimmer steht Kopf. Schon im Rest des Spiels haben die Hanseaten sehr einfache gelbe Karten gesammelt – Adler reiht sich also auch nur ein.

Emil Forsberg tritt an und macht alles richtig. 0:1, wir rasten aus und haben zu diesem Zeitpunkt keine Idee, was anschließend passiert. Ich möchte es mal freundlich ausdrücken: Der HSV kollabiert. 65 Minuten waren sie sehr anstrengend und nervig und nach dem ersten Gegentor – alles weg.

Die Fehler, die bis zu diesem Zeitpunkt gleichverteilt waren, wurden jetzt praktisch exklusiv vom HSV gemacht. Wir wieder in der Konferenz – war aber langweilig.

In der 72. Minute: Toooor in Hamburg – wir schon am Boden. Die haben doch nicht etwa ausgeglichen – NEIN. Timo Werner hat nachgelegt. Alles blendend. Wir müssen uns erst an diesen Zustand gewöhnen – gab es bislang viel zu selten bei unseren Spielen.

Wir also von der Konferenz zurück auf „unser“ Spiel. Und ja, es war die richtige Entscheidung.

Timo durfte nochmal und Davie Selke hatte auch seinen Spaß. Wir völlig euphorisch und überglücklich – komplett verdrängend, dass es erst das dritte Spiel in der BL war und wir in der vergangenen Saison noch von Sandhausen und Pauli zerlegt wurden.

4:0 der Endstand. Gerechtfertigt? Eigentlich schon.

Wer wie der HSV jegliche fußballerischen Aktivitäten 20 Minuten vor Schluss gegen eine ultrafitte Truppe einstellt, hat es nicht anders verdient. Gerade, weil die entscheidenden Tore der letzten Spiele immer in den letzten Sekunden gefallen sind – und das nicht zufällig.

Nimmt man die ersten 60 Minuten, wäre ein dreckiges Unentschieden auch ok gewesen. Aber das Spiel hat halt 90 Minuten.

Trotzdem:

Wir genießen den Moment als Bayern-Jäger Nummer 1 (jaja – Platz 2 😎). Die Jungs spielen fantastisch und die Gegner haben derzeit noch keine Idee, was da passiert. Bislang kannte man sich von unzähligen Spielen. Vielleicht kommt ja auch daher die Angst vor dem Neuen in der Liga. Das kann schneller wieder rum sein, als es kam. Selbst ich als Berufspessimist für RB-Spiele glaube derzeit nicht an den Abstieg. 7 Punkte aus drei Spielen gegen Top-Mannschaften – unfassbar. So, wie sich die Abstiegskandidaten anstellen, denke ich, dass 33 Punkte für den Klassenerhalt reichen. Damit haben wir die 20% schon im Sack.

Werden wir demnächst versäckelt – mit Sicherheit. Aber auch das gehört dazu. Können wir uns ja jetzt auch leisten 😅

Ich geh dann mal feiern und genieße die ungläubigen (tlw. bewundernden) Kommentare meiner Bekannten (VfB, SCF, SGE, FCB). Wir sind E1NS? Definitiv.

 

 

 

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Premiere – die Schwabenballisten beim „El Plastico“

Wir ha’m Grund zu feiern … der Sonntag, ein Festtag, man verlor ob der vielen Premieren fast den Überblick. Das erste Bundesligaspiel von Rasenballsport Leipzig war auch für uns Schwabenballisten eine Premiere. Über den Sommer haben wir nicht nur unseren Internetauftritt fertig gestellt, wir haben auch Zuwachs bekommen. Das Spiel in Hoffenheim war demnach auch für uns Neuland mit einer größeren Gruppe.

Seinen ersten Einsatz feierte auch unser Stadionbanner, das wir erstklassig platzieren konnten und im Fernsehen mehrfach im Bild waren. Passend dazu auch die Stimmung in unserem Auswärtsblock: Rund 1200 Anhänger des einzig wahren Rasenballsports sicherten sich die Stimmhoheit in der Wirsol-Arena, es herrschte gute Stimmung, wir haben gerne mit eingestimmt.

Schwabenballisten

Unvergessen wird bleiben, dass die Heimfans den „El Plastico“, sprich das Aufeinandertreffen der so gern als „künstlich“ titulierten Bundesligavereine, dazu nutzen wollten, neben interessanten selbstironischen Spruchbändern auch beleidigende Kommentare in Richtung unserer Jungs in die Höhe zu recken.

Sportlich war die Partie ebenfalls reich an Höhepunkten. Torchancen gab es hüben wie drüben, zwei Mal ging Hoffenheim in Führung, zwei Mal hatte RB auch dank unserer Schwaben Kaiser und Werner die richtige Antwort parat, zuletzt in der Schlussminute als Marcel Sabitzer das erlösende 2:2 schoss.

Wir haben jedenfalls Blut geleckt und freuen uns auf weitere Auftritte in der „Belle Etage“ des deutschen Fußballs mit unserer Fangruppe. Wenn Ihr Euch angesprochen fühlt und mit uns die Leidenschaft für die Fußballkultur des „Ländles“ gepaart mit dem Spirit der dynamischsten Stadt unseres Landes teilt, dann zögert nicht uns anzusprechen. Wir freuen uns auf weitere Mitstreiter im Fanblock!

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Mein Erstes Mal

Nein, es folgt kein Schulmädchenreport. Im folgenden Beitrag geht es nicht um Heldentaten zwischen den Laken, sondern meine jeweils ersten Berührungspunkte mit Rasenballsport Leipzig.

Mein erstes Mal … gehört – Interesse geweckt

Ich kann es zeitlich heute nicht mehr eingrenzen, aber es war im Frühjahr 2009, als im Videotext die Nachricht stand, Red Bull wolle einen eigenen Verein aus der Taufe heben, um in Leipzig in Richtung Profifußball zu führen.

Ich war von Beginn an angetan, denn Red Bull hatte bei mir auch damals ein positives Image und den Ruf, ihre Projekte akribisch und ehrgeizig zu verfolgen. Keine Luftnummer also. Für mich, der mit dem Osten Deutschlands und insbesondere Leipzig keine besonderen Berührungspunkte hatte, dennoch ein wichtiger Aspekt. Ich habe viele Versuche gesehen, Teams nach oben zu führen. Investoren wie Kinowelt, die Göttinger Gruppe, und und und … nun also jemand, der es nicht halblebig, sondern konsequent durchziehen will. Mein Interesse war geweckt.

Via Internet habe ich mich über die ersten Auftritte informiert. RB, noch wie viele nach oben strebende Clubs ein Sammelsurium an regionalen Persönlichkeiten und ausgedienten Ex-Profis. Es geht in die Regionalliga, doch dort stottert der Motor, trotz toller Moment wie dem Pokalerfolg über Wolfsburg, den ich via RBs Fanradio verfolgte.

Die Stunde des Ralf R. aus Backnang beginnt. Ohne ihn wäre der Aufstieg wohl nicht in diesem Tempo gelungen. Vielleicht wäre das Projekt Rasenballsport Leipzig sogar gescheitert. Ähnlich wie Ferrari in Michael Schumacher einst den besten Fahrer holte, um Erfolg zu haben, holte sich RB den größten Visionär des deutschen Fußballs ins Boot. Rangnicks Vita habe ich immer wohlwollend verfolgt, sein Stil war prägend auch für mich als Trainer, seine Innovationen Ansporn, den eigenen  Stil stets weiterzuentwickeln.

Nun kamen mein Lieblingstrainer und der Club meines Interesses also zusammen. Und fortan suchte ich tiefer und wurde zum fleißigen „Sport im Osten“-Zuschauer, wo ich die Spiele von RB entweder live oder in der Zusammenfassung verfolgte.

Mein erstes Mal … aufgestiegen – volle Lotte Spannung

Ich habe nie daran gezweifelt, dass RB die Relegation gewinnt. Weder nach der Verletzung von Toptorjäger Frahn noch nach dem zähen Auftritt im Laufe des Hinspiels und auch nicht, als es in Lotte in die Verlängerung ging.

Letzteres ist im Nachhinein komisch. 2:0 hatte RB das Hinspiel gewonnen und wollte im westfälischen Lotte beim RL West-Meister das Hinspielergebnis verwalten. Irgendwann ging Lotte in Führung, doch die Zeit arbeitete für RB. Statt einen der vielen Konter vernünftig auszuspielen, versuchten die RB-Spieler Zeit zu schinden. „Das wird sich rächen“, dachte ich bei mir und tatsächlich glich Lotte in der Nachspielzeit aus.

Dass Lotte den Turnaround nicht schaffen würde, war mir trotzdem klar. Die Aufholjagd hatte den Gastgeber zu viel Kraft gekostet, Lotte war stehend K.O. RB machte in der Verlängerung mächtig Druck und Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Tobias Willers, der später zu RB wechseln sollte, per Eigentor für die Entscheidung sorgte. Das zweite RB-Tor kurz vor Schluss war dann das Sahnehäubchen, das den meinen ersten – bewussten – Aufstieg mit RB versüßte.

Mein erstes Mal … im Stadion – das Feuer entfacht

Nicht Will Grigg’s on fire, sondern FaulerZauber. Rasenballsport Leipzig spielte 2013/14 erstmals deutschlandweit. Dank dem MDR und vieler Livespiele unter der Saison konnte ich die erfolgreiche Saison in vielen spannenden Momenten miterleben. Mit einem Durchmarsch hatte ich vor Saisonbeginn nicht gerechnet, in der Geschichte der eingleisigen dritten Liga war dies zuvor keinem Aufsteiger gelungen und riesige Summen wurden zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewegt. Gegen Saarbrücken konnte am vorletzten Spieltag der Aufstieg unter Dach und Fach gebracht werden.

Das letzte Saisonspiel bei den Stuttgarter Kickers, sprich so ziemlich vor meiner Haustür, war sportlich irrelevant. Trotzdem wollte ich dieses Team, das mir ans Herz gewachsen war, endlich mal live im Stadion erleben.

Das Besondere an diesem Spiel war nicht das Sportliche. Erst wenn man mittendrin ist, merkt man, was Rasenballsport Leipzig eigentlich ausmacht: die Stimmung im Gästeblock, der Spirit der RB-Fans, der selbst-ironisch und kreative Ansatz einer Anhängerschaft, der sich von Krawallbrüdern in den Fankurven der ehemaligen großen Leipziger Vereine und vieler anderer deutscher Clubs unterscheidet. Wer im RB-Block steht, der merkt: der Leipzig-Fan leidet und jubelt genauso emotional wie jeder andere, muss aber nicht „Tod und Hass dem XXX“ rufen, um sich größer als der Kontrahent zu fühlen.

Eine Fankultur lebt von Narrativen, die weitergetragen werden. Hierzu gehört, dass Publikumsliebling Timo Röttger in seinem Abschiedsspiel das 1:0 erzielte und sich anschließend – und nochmals nach dem Spiel  – vom Anhang feiern ließ. Das 2:0, eine Koproduktion von Dominik Kaiser und Yussuf Poulsen, zwei Spielern, die RB bis heute prägen. Es sind so kleine Erlebnisse, die zusammenschweißen – und die uns dahin bringen, wo wir heute sind.

Das erste Mal … mit den Schwabenballisten – „You can find me in de Glubb“

Im Nachgang zu dem Kickers-Spiel entdeckte ich, dass es ein RB-Leipzig-Fanforum gibt. Im Nachgang zum ersten Auswärtsspiel bei 1860 – bei dem alle Gründungsmitglieder der Schwabenballisten jeder für sich vor Ort waren – stieß ich auf @tuxbooster, der wie ich aus dem Landkreis Böblingen kommt und die Idee war geboren, gemeinsam RB-Spiele zu besuchen.

Nachdem nur ich Zeit für das Auswärtsspiel beim FSV Frankfurt gefunden hatte, trafen wir uns erstmals zum Gastspiel beim 1.FC Nürnberg. Ich persönlich mag Franken (klingt komisch, ist aber so!) und war begeistert von der großen Schüssel im Frankenland und der dortigen Atmosphäre. Auch wenn das Spiel verloren ging und die Leistung von Rasenballsport Leipzig eher enttäuschend ausfiel, war es angesichts der Atmosphäre eine tolle Erfahrung.

Dazu beigetragen hat auch, dass es Freude macht, sich mit Gleichgesinnten über das schöne Hobby unterhalten zu können. Und hierin liegt der Reiz unserer Fangruppierung: eine Gruppe Fußballbegeisterter aus dem Schwabenland, die Freunde am Spiel und an RB haben, aber mit Lockerheit und einem Schuss Humor ihrem Hobby nachgehen.

Ich würde mich freuen, wenn wir noch weitere Anhänger des einzig wahren Rasenballsports bei den Schwabenballisten begrüßen dürfen.

FaulerZauber

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Wir sind E1NS – Ein weiterer Rückblick

Kurz vor dem Start in die neue Saison, will auch ich noch einmal kurz auf die vergangene Spielzeit zurückblicken.

Die Saison 15/16 begann, wie sie auch endete: Mit einer nicht greifbaren Ungewissheit über das Kommende, gewürzt mit einer unbändigen Euphorie über das Mögliche und einem für mich nicht greifbaren Unverständnis, warum sich alle „Experten“ außerhalb des Vereins absolut sicher waren, was passieren wird.

Nach einer nervenaufreibenden Trainersuche ohne Zusagen der wenigen verfügbaren Wunschkandidaten, gab es kurz vor dem Start dann die erlösende Meldung: Es wird die „AAA“-Lösung mit Ralf Rangnick geben. Man hat es sich ja im tiefsten Inneren gewünscht, aber fast nicht daran geglaubt. Was allerdings deutlich wurde – das Unternehmen Aufstieg wird alles andere als einfach und schon gar kein Selbstläufer. Zumindest war der Kopf des Teams mal die Bestbesetzung.

Das Team wurde nochmal ordentlich verstärkt, weil man auch merkte, dass viele Spieler einfach nicht für die 2.Liga passten – auch wenn Sie für RBL-Verhältnisse schon länger dabei waren.

Ohne eine Idee, wie sich die Mannschaft in der 2. Saison im Unterhaus zurechtfinden würde, ging es am ersten Spieltag mal direkt zum FSV nach Frankfurt. Geografisch für uns Schwaben natürlich ein dankbares Reiseziel. Vor Ort kam ich zur Überzeugung: Könnte was werden. Auch wenn im Block teilweise sehr „schwäbisch“ rumgemotzt wurde, weil das Spiel alles andere als überzeugend war, musste man festhalten, das man ein Jahr davor doch optisch sehr viel mehr von den Spielern gequält wurde. Das dankbare 1:0 durch den Neuzugang Sabitzer nahm ich gern mit.

Alles in Allem stabilisierte sich die Truppe ganz gut, auch wenn das ganz große Fußballfest ausblieb. Den ersten heftigen Rücksetzer gab es durch die Paulianer – zum Glück war ich da grad unterwegs. Dieses Auf und Ab sollte ein ständiger Begleiter in der Hinrunde sein. Es wurde allerdings auch klar – wir spielen eine Rolle im Aufstiegskampf – auch wenn diese Erkenntnis eher den teilweise noch mäßigeren Leistungen der Mitbewerber geschuldet war.

Am Ende der Hinrunde wurde es dann überzeugend und das doofe Bauchgefühl wich langsam der Überzeugung – wir bekommen unser Heimspiel in Stuttgart 16/17.

Auch in der Rückrunde hatte ich selten Zweifel, dass es grundlegend schief gehen könnte, auch wenn es ab dem 28. Spieltag noch einmal unnötig spannend gemacht wurde. Aber die korrekte Anwendung von Baldrian und Herztabletten vor, während und nach den Spielen hatte ja mittlerweile Tradition bei uns.

Beruflich bedingt kamen in der Saison dann doch nur knapp 7000 km zusammen – aber es ist ja auch ein Hobby und man hat ja noch ein Leben.

Neben sehr vielen durchschnittlichen Gefühlen gab es aber wie jedes Jahr Top- und Flopspiele aus Fansicht.

In guter Erinnerung werden drei Spiele bleiben:

RBL – MSV, 06.12.2015, 4:2

Typisch für den Dezember waren wir in einer größeren Truppe auf einem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt unterwegs und das in der schwäbischen Pampa. Wenig Netz und wenn es mal da war, waren Tore gefallen und RBL immer im Rückstand. Unsere Freunde litten mit uns und wussten aufgrund unserer Mimik zu jedem Zeitpunkt, wie der Spielstand war. Irgendwann entschloss ich mich, die 3 € Eintritt zu zahlen und den lokalen Kirchturm zu erklimmen. Das war so in der 80. Spielminute – 1:2 Rückstand, ich hatte endlich stabiles Netz! Und kurz darauf platzte der Knoten und die Mannschaft brannte ein Feuerwerk ab, was sich hervorragend im WebRadio nachvollziehen ließ. Ergebnis: ein irres 4:2, glückliche Schwabenballisten und ein geretteter Tag mit nettem Glühwein auf dem Markt.

SGF – RBL, 19.12.2015, 1:2

Mein persönliches Saisonhighlight ganz am Ende 2015

Gestartet wurde mit: Warten. Trotz schönem Wetter mussten die Verantwortlichen der SpVgg erstmal unseren Block streuen, weil irgendwelche Vollidioten literweise Öl verteilt hatten. Wir hatten ja schon vieles erlebt, aber das war auch mir neu. Die Antwort gab es dann zum Glück – für mich recht überzeugend – auf dem Platz.

Ein gutes Spiel, 90 Minuten Überlegenheit, eigentlich alles gut. Wenn da nicht der Fußballgott in Gestalt des Schiris den Verbrauch an Herztabletten hochgetrieben hätte. Wie gesagt es war ein gutes Spiel mit wenigen Unterbrechungen. Der Block war randvoll, die Stimmung ausgelassen und beim 1:0 waren irgendwie alle nass, weil ein mobiler Bierverkäufer zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Nach dem 1:0 plätscherte das Spiel so hin und in der 90. Minute kommt die Durchsage: 4 Minuten Nachspielzeit

Keiner wusste warum und auf einmal war es wieder da: Das blöde Grundgefühl. Es kam, wie es kommen musste: 90+1 Ausgleich Fürth – Das Stadion tobt, bei uns im Block Totenstille. Was für ein Frust. In der 90+2 dann fast noch der Siegtreffer der Fürther. Herzkasperstimmung pur.

90+3 Freistoß RBL: Der Block wacht auf und peitscht die Jungs nach vorn – super krass. Es tritt an: Freistoßgott Dome Kaiser. Dome tritt, Willi verlängert und Ilse bekommt das Runde irgendwie über die Linie. Party pur im Block, Fremde liegen sich in den Armen – Gänsehautstimmung. Und der Bierverkäufer hatte auf seiner letzten Runde wieder keinen Spaß. Egal. Das Jahr war rum!

Aber natürlich gab es auch dumme Momente in der Saison:

SCF – RBL, 07.06.2016, 2:1

Den ganzen Tag haben wir perfektes Wetter und auf der Fahrt nach Freiburg fängt es an zu schneien. Wir quer durch den Schwarzwald. Alles wie immer. Und es war da – das saudumme Grundgefühl.

Bekannte sagten auch noch: Der Gästeblock ist einer der schlimmsten in Deutschland – sie sollten Recht behalten. Ich hatte nicht mal das Gefühl, dass es ein Gästeblock war. Unfassbar. Das Spielfeld versank im Schnee und die Helfer versuchten mit allen Mitteln, irgendwelche Linien erkennbar zu machen. Irgendwie nicht wirklich ligatauglich das Ganze. Was besonders nett war: Im ganzen Block roch es, als hätten alle Fans vor uns sich in diesen Block übergeben – ekelhaft. Die Ursache konnte nicht gefunden werden, aber war dann auch egal. Das was da auf dem Platz passierte machte sehr lange keinen Spaß und dann wurde es auch noch schlecht. Irgendwie waren fast alle Spieler mit den Bedingungen überfordert – die Freiburger nur weniger. Die Niederlage war dann auch absehbar – aber es war definitiv kein Fußball. Nach dem Spiel haben wir dann zumindest noch nette Einheimische in der Bahn getroffen und haben uns dann nach Hause verdrückt. Inkl. einem polizeilichem Überwachungsfoto waren wir gegen 2 daheim. Durchgefroren, müde, lustlos. Die Mannschaft hatte es dann gesundheitlich auch noch richtig erwischt und das nächste Spiel war damit auch gelaufen.

Fazit: Brauch ich nicht nochmal.

FCK – RBL, 25.04.2016, 1:1

Ich war nicht vor Ort, hatte aber die Möglichkeit, das Spiel in einer Sky-Bar zu verfolgen.

Man hat es ja geahnt, dass Willi nach seiner Zeit als Kapitän beim FCK nicht freundlich empfangen wird, aber dass, was auf den Rängen abging war aus meiner Sicht absolut asozial. Dieser Hass hat nichts im Stadion zu suchen und ich werde es niemals verstehen. Das hat nix mit Tradition zu tun, nix mit Liebe zum Fußball – das war einfach nur unmöglich. Das Unentschieden war mir egal. Unfassbar fand ich dann wieder, dass die Presse wieder Entschuldigungen für diese Beleidigungen suchte, die ich teilweise doch recht erbärmlich fand. Wenn das zum Fußball gehören soll, bleib ich doch lieber bei RBL und genieße das Spiel.

Fazit: Werde ich nie brauchen – könnt ihr behalten – gern auch in Liga 11.

 

Insgesamt aber eine tolle vergangene Saison. Ein Wermutstropfen: Der VfB hatte offenbar kein Interesse an einem Spiel gegen RBL und hat sich erstmal verkrümelt. Dann halt Hoffenheim als Heimspiel.

Die Grundstimmung für die nächste Saison ist deckungsgleich mit der vor einem Jahr. Warten wir es ab.

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Wir sind E1ns – ein Saisonrückblick

Am 8. Mai 2016 um 17:20 Uhr war es amtlich. RB Leipzig ist der 55. Erstligist in der Bundesligageschichte. Wir Schwabenballisten haben den großen Tag teilweise im Stadion erlebt, teilweise haben wir in Sindelfingen im Soccercenter das Public Viewing okkupiert und aus der Ferne mitgefeiert. Die Tore von Emil Forsberg und Marcel Halstenberg (unter gütiger Mithilfe des Karlsruher Schlussmannes René Vollath) waren das Sahnehäubchen auf unsere Saison, die aber auch von vielen kleinen Momenten gelebt hat, die wir gerne Revue passieren lassen wollen. Heute mache ich den Anfang mit meinen besonderen Momenten der Saison:

„Dann spielen wir bald wieder in Schnee und Eis gegen die Bolton Wanderers“
Dieses schöne Uli-Hoeneß-Zitat hatte ich bei unserem Ausflug nach Freiburg im Kopf. Noch am Nachmittag hatte noch nichts nach winterlichen Platzverhältnissen ausgesehen, aber innerhalb weniger Stunden verwandelte sich der Breisgau, seines Zeichens eine der wärmsten Regionen des Landes, in eine Winterlandschaft. Mit Schneeregen hatten wir bereits beim legendären Aalen-Spiel Bekanntschaft gemacht, nun war es in Freiburg noch eine Spur heftiger. Während für mich als Schwarzwälder die Platzverhältnisse nostalgische Gefühle auslösten, tat sich unsere Mannschaft extrem schwer. Um ein Haar hätte es in der Schlussminute dennoch ein Happy-End gegeben, eine überragende Parade des Freiburger Keepers Schwolow besiegelte unsere zweite Auswärtsniederlage der Saison. Besonderer als das Geschehen auf dem Rasen waren die Erlebnisse neben dem Platz. Im Shuttle zu unserem Auto waren wir allein unter Freiburgern und haben uns mit gewitzten Heimfans wunderbar unterhalten, für mich die schönsten Begegnungen des Jahres. Für mich auch Besonders, dass mein Vater (Gladbach-Fan) mit dabei war und sich von unserer ironischen Fanhymne „Wir sind Schweine“ nachhaltig beeindruckt zeigte. Und die Moral von der Geschicht: mit tollen Leuten stört auch das Wetter nicht.

„Der 10-Minuten-Ticker am Straßenrand“
Dass am Nikolaustag RB-Spiel war, hatte ich verpennt. Auf dem Heimweg vom Büro (ja, Sonntagsarbeit, Stichwort selbst + ständig) merkte ich durch die zahlreichen Tweets, dass das RB-Spiel lief, und zwar relativ mau, der MSV Duisburg war gerade mit 2:1 in Führung gegangen, zehn Minute vor Schluss. Als ich den Kicker-Twitter aufrief, war gerade das 2:2 durch Nils Quaschner gefallen. „Da geht noch mehr“, dachte ich, lenkte mein Auto in eine Parklücke und stieg aus. Prompt köpfte Atinc Nukan das 3:2. Jubel auf offener Straße, der nochmal getoppt wurde, als Yussi Poulsen in der Nachspielzeit den Deckel drauf machte. Das Auf und Ab gegen Fürth mit dem Ilsanker-Tor in der Nachspielzeit war sicher noch ein Stück dramatischer, das Erlebnis am Straßenrand war emotional für mich aber am eindrucksvollsten.

„Wir sind nur zum Feiern hier“
Zum Rückspiel in Duisburg am letzten Spieltag war der Aufstieg bereits perfekt. Der Kick auf dem Rasen eher mäßig, eine sportliche Analyse müßig. Viel vom Spiel gesehen haben wir dank der riesigen Schwenkfahne der „Sportfreunde Leipzig e.V.“ ohnehin nicht. Besonders war jedoch die Atmosphäre im Stadion. In unserem Block war die Stimmung recht gelöst, „wir sind nur zum Feiern hier“ war das Motto des Tages und allen Unkenrufen zum Trotz waren knapp 2.500 RB-Fans zu diesem sportlich unbedeutenden Spiel gereist. Die Duisburger Plätze waren trotz vieler Freikarten nicht ausverkauft, trotz akutem Abstiegskampf. Aber die anwesenden Duisburger sorgten für wirklich lauten und ansprechenden Support, der im Gegensatz zu anderen sogenannten „Traditionsvereinen“ (Nürnberg, 1860 und Co.) wirklich beeindruckte. Für mich ein wichtiger Punkt: ein Fußballspiel soll für beide Seiten ein Fest sein, gute Stimmung von beiden Seiten sind die Würze für ein gelungenes Spiel (abseits des sportlichen Hauptmenüs). Vor dem Hintergrund war der Ausflug nach Duisburg super und hat Lust auf unsere erste Bundesligasaison gegeben. Dort dürfte das Gefühl auf andere große Fanszenen zu treffen noch eine andere Dimension erreichen.

Wie habt Ihr die Momente erlebt und was waren Eure Highlights 2015/16? Wir freuen uns auf Eure Zuschriften.

FaulerZauber

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